Ärzte Zeitung, 15.04.2010

Zukunftsbranche Gesundheit

Jeder neunte Beschäftigte arbeitet im Gesundheitswesen

Die Gesundheitsbranche ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern sie schafft auch Wohlstand. Wie viel Wohlstand, lässt sich inzwischen sogar von den Statistikern messen.

Von Uwe K. Preusker

Vor wenigen Tagen hat das Statistische Bundesamt es vorgerechnet: Mit Gesamtausgaben in Höhe von 263,2 Milliarden Euro für das Jahr 2008 ist die Gesundheit der größte Sektor unserer Volkswirtschaft. Und: Gesundheit ist nach wie vor ein stabiler Wachstumsmarkt - auch und gerade in Krisenzeiten.

Außerdem ist die Gesundheits-branche unser wichtigster Arbeits-markt: Ende 2008 waren hier 4,6 Millionen Menschen tätig - 76 000 oder 1,7 Prozent mehr als noch 2007. Damit war 2008 jeder neunte Beschäftigte in Deutschland im Gesundheitswesen tätig. Der größte Teil dieser Arbeitsplätze lässt sich außerdem nicht in Billiglohn-Länder exportieren - Gesundheitsversorgung findet nämlich weit überwiegend lokal und regional statt. Doch die Ausgaben für die Gesundheit, wie sie das Statistische Bundesamt bisher erfasst, sagen nur die halbe Wahrheit über den mittlerweile wichtigsten Sektor unserer Volkswirtschaft aus. Denn allein über die Ausgaben kann der Beitrag, den die Gesundheitswirtschaft zur Wohlfahrt der Volkswirtschaft leistet, nur unzureichend erfasst werden. Vielmehr müssen die durch die Produktion der Gesundheitsbranche erwirtschafteten Einkommen erfasst werden. Genau dies ist mittlerweile möglich - mit dem im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellten Gesundheitssatellitenkonto für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Damit wird es zukünftig möglich, den exakten Beitrag der Gesund-heitswirtschaft zur gesamten Wirt-schaftsleistung in Deutschland zu erfassen. Was das bedeutet, lässt sich gut an der Beschäftigung in der Gesundheitsbranche ablesen - sie lag nach diesem Konzept für die erweiterte Gesundheitswirtschaft bereits 2005 bei 13,8 Prozent aller Beschäftigten. Für 2030 prognostizieren die Gutachter übrigens sogar 6,7 Millionen Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft!

Gibt es eigentlich gute und schlechte Ausgaben für Gesundheit? Manchmal macht es diesen Eindruck: Gute Ausgaben für Gesundheit gibt es im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung, schlechte dagegen bei den privaten Ausgaben für Gesundheitsdienstleistungen und -produkte. Das Hauptaugenmerk der bisherigen Gesundheitspolitik war jedenfalls immer die gesetzliche Krankenversicherung, nie aber die gesamte Gesundheitswirtschaft. Dabei sind die - freiwillig getätigten - Ausgaben für ein neues Auto weder besser noch schlechter als die - ebenfalls freiwillig getätigten - Ausgaben für einen Gesundheitsurlaub oder ein persönliches Fitnessprogramm!

Wenn die hohe Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung in Deutschland ernst genommen wird, brauchen wir zukünftig eine Politik, die dafür sorgt, dass der Zukunftsmotor unserer gesamten Wirtschaft - die Gesundheitswirtschaft eben - nicht gebremst, sondern systematisch gefördert wird.

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