Ärzte Zeitung, 14.12.2016

Flexibilität – das A&O der Altersvorsorge

Ärzte stehen bei der Altersvorsorge vor einem Paradigmenwechsel. Versorgungswerk und Praxis genießen nicht mehr den früheren Stellenwert, ist sich Michael Schillinger, Vorstand der INTER Versicherungsgruppe, sicher. Flexibilität lautet sein Credo für die Vorsorge.

Flexibilität  – das A&O der Altersvorsorge

© M. Schuppich/ Fotolia

Herr Schillinger, in Deutschland nimmt das Interesse an Lebensversicherungen als Bestandteil der Altersvorsorge ab. Wo läuft der Markt Ihrer Ansicht nach hin?

Michael Schillinger: Das Interesse an der klassischen Lebensversicherung nimmt in der Tat ab. Zum einen können die Anbieter im Zuge des Niedrigzinsumfeldes keine hohen Renditen mehr versprechen. Zum anderen sehen die Menschen in diesem Zeiten keine Notwendigkeit mehr, ihr Geld zu sparen.

Das ist ein sehr großer Fehler, denn die Politik suggeriert zwar eine Rentensicherheit. De facto gibt es sie aber nicht. Der Markt für Lebensversicherungen wird sich auf jeden Fall ändern müssen. Fonds für die Rente sind dabei ein unverzichtbarer Bestandteil einer Altersvorsorgestrategie – aber nur, wenn sie flexibel sind und sich Anlegern anpassen können.

Nehmen wir das Beispiel eines Arztes Mitte 40. Wieso soll gerade dieser auf Rentenfonds setzen?

Flexibilität  – das A&O der Altersvorsorge

Michael Schillinger

Aktuelle Position: Seit 1. Juli 2014 Vorstandsmitglied der INTER Versicherungsgruppe mit Zuständigkeit für das Vertriebsressort
Ausbildung: Ausbildung zum Versicherungskaufmann, danach Studium der Betriebswirtschaftslehre an der VWA Mannheim, seit 1988 bei der INTER Versicherung
Privates: Jahrgang 1967, verheiratet

© INTER Versicherungsgruppe

Das Beispiel des Arztes ist gut gewählt. Denn gerade bei niedergelassenen Ärzten vollzieht sich derzeit ein Paradigmenwechsel bei der Planung der Vorsorgestrategie für das Alter. Bisher waren Ärzte gesegnet mit renditestarken Zusagen der Versorgungswerke.

Zudem gab es meist keine Schwierigkeit, die eigene Praxis einem Nachfolger zu finanziell lukrativen Konditionen zu überlassen. Da passte der Abschluss einer klassischen Lebensversicherung mit einem starren Ein- und Auszahlschema als ein Bestandteil in die Ruhestandsplanung.

Nun geraten aber auch die ärztlichen Versorgungswerke angesichts des Niedrigzinsumfeldes und restriktiver Anlagevorgaben an ihre Grenzen und müssen bei den Zusagen deutlich zurückschrauben.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr niedergelassene Ärzte Schwierigkeiten haben, ihre Praxis zu einem annähernd gewünschten Preis an einen Nachfolger zu übergeben. Viele finden gar keinen Nachfolger, womit sich dann aus der Praxisschließung keinerlei Finanzpolster generieren lässt.

Daher müssen nun gerade jüngere Ärzte in puncto Altersvorsorge umdenken, wenn sie ihren Lebensstandard halten wollen, und verstärkt auf die Chancen setzen, die ihnen die Kapitalmärkte auf lange Sicht bieten.

Was sind denn die Chancen, die der Kapitalmarkt bietet?

Da ist zum einen das Thema Flexibilität. Nehmen wir zum Beispiel unser neues Produkt INTER Mein Leben®. Dieses Produkt zur flexiblen Gestaltung der Altersvorsorge haben wir jetzt frisch auf den Markt gebracht. Wir wollen Kunden damit die Möglichkeit bieten, entsprechend ihrer – sich auch ändernden  – Lebensumstände die Chancen des Kapitalmarkts zu nutzen.

So können sie jederzeit individuell bestimmen, wie hoch der Anteil an kostengünstigen ETF-Indexfonds bei ihrer Anlagestrategie sein soll. Zusätzlich können sie Einmalzahlungen in unbegrenzter Höhe tätigen oder auch mal Geld entnehmen, um zum Beispiel etwas in der Praxis zu finanzieren.

Zusätzlich sind die Kunden flexibel, was den Auszahlungszeitraum und die Höhe der Leistungsraten anbelangt.

Haben Sie bereits erste Reaktionen aus dem Markt erhalten?

Das Produkt kommt gerade bei Ärzten viel besser an, als wir selbst gedacht haben. Bereits in der ersten Woche am Markt transferierten drei Ärzte jeweils sechsstellige Summen als Einmalzahlung von ihrem Bankkonto, um die Kostenvorteile im Rahmen unserer Police zu nutzen. Wir verlangen keinerlei Gebühren für das Umschichten oder Verlagern innerhalb der Exchange Traded Funds (ETF). Da sind wir Banken gegenüber ganz klar im Vorteil.

Wann sollten Ärzte Ihrer Meinung nach mit der Planung der Altersvorsorge beginnen?

Eigentlich sollte sich jeder so früh wie möglich Gedanken um seine Ruhestandsplanung machen. Wir stoßen zum Beispiel schon bei unseren Beratungsangeboten bei Medizinstudenten, aber auch bei Niederlassungsberatungen auf großes Interesse für die Vorsorgestrategie. Gerade angehende und jüngere Ärzte sind von der Flexibilität der Beitragszahlungen überzeugt, die sich an ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anpassen.

Die Niederlassung ist für die meisten Ärzte ein großer Prüfstein in ihrer Karriere. Es gilt vieles zu beachten, da meist auch erheblich investiert werden muss. Stellt da die parallel laufende Altersvorsorge nicht eher eine Bürde dar denn eine Hilfe?

Um die eigene Praxis zum Erfolg zu führen, sollten sich niederlassungswillige Ärzte möglichst umfassend beraten lassen. Solch einen Service bieten wir zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Steuerberatern an.

Die Altersvorsorge parallel zur Praxisgründung stellt gerade dann keine Bürde dar, wenn der Arzt sie flexibel gestalten kann. Wird es eng, dann zahlt er halt mal nichts. Aber diese Zeiten gehen in der Regel vorüber.

(Das Interview führte Matthias Wallenfels)

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