Ärzte Zeitung online, 07.05.2018

Pro und Contra

Homöopathie – harsche Debatte kurz vor dem Ärztetag

Diese Woche beim Deutschen Ärztetag steht die Zusatzbezeichnung Homöopathie auf der Agenda: Befürworter wollen sie erhalten; Gegner abschaffen – ein Schlagabtausch beider Seiten, exklusiv bei der "Ärzte Zeitung".

Von Matthias Wallenfels

Homöopathie – erbitterter Kampf kurz vor dem Ärztetag

Nicht nur um die Zusatzbezeichnung wird gestritten, sondern auch über die Homöopathie selbst.

© Ideenkoch/stock.adobe.com

ERFURT. Eines haben Freunde und Gegner der Homöopathie diese Woche gemeinsam – den Blick nach Erfurt. Geht es nach dem Münsteraner Kreis, so wird der 121. Deutsche Ärztetag einen Schlussstrich ziehen unter die Zusatzbezeichnung Homöopathie.

Auf Basis seines vor Kurzem veröffentlichten "Münsteraner Memorandums Homöopathie" versuchte der Kreis um die Münsteraner Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert, die Bundesärztekammer (BÄK) im Vorfeld des Ärztetages für seinen Kampf gegen die Homöopathie einzuspannen und in Stellung zu bringen.

"Schluss mit esoterischer Heilslehre"

"Der Ärztetag ist eine gute Gelegenheit, dem eigenen Anspruch an Wissenschaftlichkeit gerecht zu werden und endlich mit der Adelung der esoterischen Heilslehre Homöopathie Schluss zu machen", heißt es in dem Memorandum.

Das Expertengremium sieht es als kritisch an, wenn Ärzte komplementäre und alternative Medizin (KAM) – "nichtwissenschaftliche Heilslehre" – anbieten. In der thüringischen Kapitale soll dann der – aus Sicht der Wissenschaftler im Sinne einer evidenzbasierten Medizin notwendige – Präemptivschlag gegen die Homöopathie-Ärzte erfolgen.

Homöopathen wollen Zusatzbezeichnung erhalten

Schärfster Gegner einer Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie ist der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), der die Interessen der rund 7000 ärztlichen Träger dieser Zusatzbezeichnung vertritt. Er verweist seinerseits auf die Evidenz, mit der der Nachweis der Seriosität homöopathischen Handelns in Arztpraxen geführt werden könne.

"Die von den Ärztekammern verliehene Zusatzbezeichnung Homöopathie hat sich seit Jahrzehnten in der deutschen Ärzteschaft bewährt. Mit Blick auf die Qualitätssicherung und die Patientensicherheit ist die Zusatzbezeichnung Homöopathie ein Garant für eine gute und sichere Versorgung der Patienten", konterte die DZVhÄ-Vorsitzende Cornelia Bajic.

Bajic und Professor Michael Frass, Internist und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) liefern sich in der "Ärzte Zeitung" vereint einen Schlagabtausch zur Zusatzbezeichnung Homöopathie mit Schöne-Seifert und Dr. Christian Weymayr, Mitverfasser des Münsteraner Memorandums Homöopathie.

Pro

Ein Garant für die Patientensicherheit

Die von den Ärztekammern verliehene Zusatzbezeichnung Homöopathie hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Immer mehr Ärzte führen sie, aktuell sind es rund 7000 Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen.

Homöopathie – harsche Debatte kurz vor dem Ärztetag

Cornelia Bajic, Erste Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

© Julia Unkel

Die Patienten-Nachfrage ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Laut Forsa (2017) nutzt rund die Hälfte der Bevölkerung homöopathische Arzneimittel, 72 Prozent sind mit der Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr zufrieden oder zufrieden, und 65 Prozent fordern, dass sich die Politik mehr für sie einsetzen soll.

Kurz gesagt: Mit Blick auf die Qualitätssicherung und die Patientensicherheit ist die Zusatzbezeichnung Homöopathie ein Garant für eine gute und sichere Versorgung der Patienten. Die mit der Bundesärztekammer eng abgestimmten Lehrinhalte gewährleisten eine kompetente Behandlung der Patienten.

Wer heute behauptet, es gebe keine qualitativ hochwertigen Studien, die den therapeutischen Nutzen der ärztlichen Homöopathie belegten, liegt falsch. Insbesondere große Beobachtungsstudien, die die Wirksamkeit von Interventionen in der alltäglichen medizinischen Praxis messen, zeigen in der Summe ein relativ einheitliches Bild: Bei Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, treten im klinischen Alltag relevante Verbesserungen auf – ähnlich stark ausgeprägt wie in der konventionellen Therapie.

Ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Ärzten, die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom), hat darüber hinaus auch die Grundlagenforschung, Meta-Analysen sowie individualisierte RCT zur Homöopathie untersucht. Bereits Mitte 2016 kam WissHom zum Ergebnis: "Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebo-kontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel."

Homöopathie – harsche Debatte kurz vor dem Ärztetag

Prof. Michael Frass, Internist und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom).

© Boisits

In der Schweiz wurde Mitte 2017 bestätigt, dass die Homöopathie die Kriterien der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllt. Das ist die gesetzliche Voraussetzung, um in den Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung aufgenommen zu werden (Art. 32, Voraussetzungen des KVG). Für die ärztliche Homöopathie gilt dies nun zeitlich unbegrenzt. Bei der Betrachtung der Studienlage in der Schweiz wurden auch Beobachtungsstudien berücksichtigt.

Die moderne Evidenzbasierte Medizin (EbM) stützt sich per Definition auf drei Säulen: auf die klinische Erfahrung der Ärzte, die Werte und Wünsche des Patienten und den aktuellen Stand der klinischen Forschung (Sackett).

Wir wehren uns gegen den einseitigen Evidenzbegriff der Kritiker, der Evidenz allein auf die Säule der klinischen Forschung bzw. ausschließlich auf RCT verengen möchte und die anderen beiden Säulen ausblendet. Experten schätzen, dass bei einer solchen Auffassung von EbM rund 70 Prozent der Leistungen der GKV nicht evidenzbasiert sind. Nötiger als eine Homöopathie-Debatte hat die deutsche Ärzteschaft eine klare Verständigung darüber, welcher Evidenzbegriff gilt.

Contra

Wissenschaft statt Mogelpackung!

Es geht dem Münsteraner Kreis nicht etwa darum, die Homöopathie abzuschaffen. Er dringt vielmehr darauf, dieser 200 Jahre alten "Heilkunde" endlich das Mäntelchen der Seriosität abzunehmen, das ihr mit der ärztlichen Zusatzbezeichnung verliehen wird. Die Homöopathie-Lehre ist wissenschaftlicher Unsinn: Bloßen Zuckerkügelchen eine spezifische und immaterielle Heilkraft zuzugestehen, die sie durch Verdünnen und Schütteln von Ausgangssubstanzen erlangt haben sollen, ist ähnlich absurd wie der Glaube, man könne sein Heil durch Vergraben ritueller Gegenstände bei Mondschein finden.

Homöopathie – harsche Debatte kurz vor dem Ärztetag

Professor Bettina Schöne-Seifert, Medizinethikerin an der Uni Münster und Initiatorin des Münsteraner Kreises.

© privat

Wohl wahr: Es gelten hierzulande, zum Glück, Glaubensfreiheit und Respekt vor der Selbstbestimmung von Patienten. Patienten können sich Heilern anvertrauen, und Ärzte dürften im Namen der Therapiefreiheit sogar Voodoo-Rasseln schwingen. Es kann aber doch nicht unser Ernst sein, mit einer Art amtlicher Prüfplakette den Eindruck zu erwecken, es gäbe bei der Homöopathie eine ärztlich seriöse und erlernbare Behandlungsqualität.

Just das tut aber die Musterweiterbildungsordnung: Die Zusatzbezeichnung Homöopathie darf erst führen, wer sechs Monate Weiterbildung oder 100 Stunden Fallseminare sowie 160 Stunden Kurs-Weiterbildung nachweisen kann. In dieser kostbaren Zeit büffelt der angehende Homöopath, wie er etwa Küchenzwiebeln durch Verdünnen und Schütteln geistartige Wirkkräfte entlocken und welche Malaisen aus dem Katalog der homöopathischen Parallelwelt er damit behandeln kann.

Warum sollte es für Patienten auch nur den allergeringsten Unterschied machen, ob der homöopathische Arzt 100 Stunden oder eine Minute lang Fälle studiert hat?

Homöopathie – harsche Debatte kurz vor dem Ärztetag

Dr. Christian Weymayr, Wissenschaftsjournalist, Mitglied im Münsteraner Kreis und Mitverfasser des „Münsteraner Memorandums Homöopathie“.

© privat

Der Ärztetag hat immer wieder betont: Das moderne Verständnis guter Medizin ist wissenschaftsorientiert. Es geht darum, wissenschaftliche Einsichten über die jeweils besten bekannten Möglichkeiten der Heilung, Linderung, Vorbeugung in den Dienst des Patientenwohls zu stellen. Idealerweise heißt das: Was sich innerhalb unserer immer komplexer werdenden Erkenntnis von Krankheitsentstehung und Krankheitsbehandlung als theoretisch plausibel herausstellt, wird weiter verfolgt. Und was sich dann in aufwendigen klinischen Studien als wirksam, als überlegen erweist, wird angeboten – und umgekehrt.

Stichwort Evidenzbasierte Medizin: Nach diesen Maßstäben, darin sind sich international sämtliche damit befassten unabhängigen Wissenschaftsgremien einig, ist an der Homöopathie nicht mehr dran als Zuwendung und Plazebowirkungen. Nur die Lobby der Homöopathen bestreitet das.

Dann aber ist es mit Blick auf Transparenz und auf das Budget der öffentlichen Hand unverantwortlich, wenn in Deutschland homöopathische Ärzte mit amtlicher Prüfplakette geadelt werden und die Krankenkassen deren Behandlungen aus Gefälligkeit zu einem großen Teil erstatten. Oder sollte die Wissenschaftsorientierung, die wir im Klimaschutz, in der Flugsicherheit oder beim Brückenbau für selbstverständlich halten, ausgerechnet vor der Medizin haltmachen? Die Delegierten des Ärztetags sollten die Zusatzbezeichnung Homöopathie schleunigst weg-schütteln.

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[09.05.2018, 17:30:58]
Prof. Dr. Norbert Schmacke 
Hauptsache in ärztlicher Hand?
Dass der BÄK-Präsident sich unmittelbar vor der angekündigten Debatte auf dem Ärztetag auf die Seite homöopathisch tätiger Ärztinnen und Ärzte schlägt, ist sein gutes Recht, wenngleich bemerkenswert. Das Argument, Homöopathie in ärztlicher Hand sei sinnvolle "Komplementärmedizin, ist nun gerade mit Blick auf die zu diskutierende Zusatzbezeichnung alles andere als überzeugend: warum ein mehrhunderstündiges Curriculum einer unsinnigen Heilslehre für die Ärzteschaft und ihre Patientinnen und Patienten weiter unterstützt werden sollte, erschließt sich mir wirklich nicht. Ich bleibe dabei: die Medizin muss sich auf wissenschaftliche Methoden stützen oder sie ist eine beliebige Heilslehre. Wenn führende Homöpathinnen wie Frau Bajic behaupten, mit Homöopathie allein ließen sich auch schwere chronische Krankheiten heilen wo die Medizin nur lindern könne (so stand es jahrelang auf ihrer Homepage), dann kann man sich doch nur an den Kopf fassen. "Der hat ja gar nichts an" ruft das Kind in Andersens schönem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Genau.

Prof. Dr. med. Norbert Schmacke zum Beitrag »
[08.05.2018, 15:37:53]
Björn Bendig M.A. 
BÄK-Chef Montgomery: "Es ist eine Tatsache, dass Homöopathie vielen Menschen hilft."
Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), spricht sich für die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus:

"Es ist eine Tatsache, dass Homöopathie vielen Menschen hilft. Wichtig ist, dass es jemand macht, der weiß wann sie nicht mehr helfen und dann auf normale schulmedizinische Verfahren umsteigen kann", sagte Montgomery dem BR, "ich sehe die Homöopathie als eine komplementäre Medizin. In Verbindung mit guter medizinischer Ausbildung macht das Sinn."

O-Ton Montgomery im BR:
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/tagesgespraech/frank-ulrich-montgomery-homoeopathie-umstritten-aber-sie-hilft-vielen-menschen-100.html zum Beitrag »
[07.05.2018, 15:59:31]
Dr. Karlheinz Bayer 
schulmedizinisch ignorant
Sehr geehrter Herr Wallenfels,

es gäbe mehrere Maßstäbe, an denen sich eine Therapie messen ließe.
Ganz oben steht der Heilerfolg.
Ob jetzt Globuli oder Suggestion, Placebo oder Zuwendung die Heilsbringer sind, fest steht, die Homöopathen haben Erfolg.

Gleich danach kommt der Kostenfaktor.
Solange der Deutsche Ärztetag es nicht schafft, Geräte höher zu honorieren als Gespräche, bekommen die Homöopathen hier ihren 2. Punkt.

Das dritte Kriterium ist die Nachfrage.
Und da sollten sich unsere Standesvertreter echt überlegen, warum ein sehr großer Teil unserer Patienten die Homöopathi nachfrägt. Sie sollten sich weiter überlegen, ob man dieses Feld - wie schon viele vorher - den Laien und Heilpraktikern überlassen will.

Ein weiteres Kriterium ist die Patientenzufriedenheit.
Muß ich hier wirklich nachfragen, wie es um die Zufriedenheit unserer Patienten steht, wenn sie Schulmediziner konsultieren?

Und dann wäre da noch die Frage der Kollegialität.
Mit welchem Recht erlaubt sich so mancher Delegierte, verächtlich auf Kollegen zu blicken, die ebenso an der medizinischen Versorgung beteiligt sind, wie sie selbst.

Ich bin kein Homöopath.

Wenn aber Patienten von homöopathisch arbeitenden Kollegen zu mir in die Praxis kommen, stelle ich fest, daß die ganz überwiegende Zahl sich lobend über ihren Homöopathen äußert. Er wende sich zu, er habe Zeit, er verordne nicht gleich eines der Medikamente, die auf den Leitlinienlisten stehen, er sei flexibel und wende auch nicht-homöopathische Medikamente an.

Und wenn ich meine Patienten hier auf dem Land (Schwarzwald) betrachte, dann setzen die ziemlich regelmäßig Medikamente ab, wenn sie aus dem Krankenhaus kommen. Sie wollen kein Pantoprazol mehr, sie spüren die Nebenwirkungen von Statinen, sie fragen nach, warum sie die Krankenhausärzte nicht über Wechsel- und Nebenwirkungen aufklären.

Eigentlich sind das Fragen von mündigen Menschen.
Wenn gerade die Homöopathen aufsuchen, spricht das für sich.
Und wenn der Ärztetag diesen Kolleginnen und Kollegen das verbieten möchte, zeigen sie nur, daß sie sehr schlechte Ärzte sind, so gut sie sich als Standesvertreter auch wähnen.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
 zum Beitrag »
[07.05.2018, 15:26:00]
Carsten Windt 
Unbenommen Homöopathische Mittel wirken und zum Teil sehr gut
Allerdings kann eine einfache Zuckerpille oder Kochsalzlösung genauso gute Ergebnisse erzielen.
Der Placebo-Effekt macht es möglich.

Bereits vor über 30 Jahren habe ich im Rahmen des Zivildienstes dieses "Wunder" erleben dürfen. Eine gut verpackte Geschichte funktionierte in vielen Fällen (O-Ton: "Ich gebe Dir etwas, aber sage es ja nicht der Oberschwester oder dem Arzt" funktionierte genauso gut wie ein Schmerzmittel (welches der Patient aber wegen der Nebenwirkungen nicht mehr bekommen durfte; Der Arzt war natürlich für die Aktion verantwortlich!))

Homöopathische Mittel sind per se fraglich. Entweder ist die Potenz so niedrig, das es z.B. bei Arsen zu Vergiftungen kommt oder die Potenzen sind so hoch, dass man unter die Nachweisgrenze fällt(lohschmidtsche Zahl) bzw. das Mittel zur "Verdünnung" enthält von "haus aus" die zu verdünnenden Substanzen als Kontamination. zum Beitrag »
[07.05.2018, 14:28:23]
Björn Bendig M.A. 
Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM): Zusatzbezeichnung Homöopathie stärkt Evidenzbasierte Integrative Medizin
„Medizin ist keine Naturwissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich auch wissenschaftlicher Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten bedient“, betonte Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe stets - während seiner zwölf Jahre langen Tätigkeit als Präsident der Bundesärztekammer (BÄK).
Das von ihm gegründete Dialogforum Pluralismus in der Medizin hat aktuell eine Stellungnahme zum Thema Homöopathie veröffentlicht.

Auszug:
Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM): Zusatzbezeichnung Homöopathie stärkt Evidenzbasierte Integrative Medizin

Stellungnahme des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) zu unqualifizierten Pauschalverurteilungen der Komplementärmedizin. Zugleich eine Entgegnung zu der im Münsteraner Memorandum Homöopathie erhobenen Forderung nach Abschaffung der ärztlichen Zusatzbezeichnung Homöopathie auf dem 121. Ärztetag.
Plädoyer für eine Evidenzbasierte Integrative Medizin und deren verfassungsrechtliche Fundierung durch das deutsche Grundgesetz

Link:
http://www.dialogforum-pluralismusindermedizin.de/dpm_.dll?pageID=166

Unterzeichner u.a.:
PD Dr. rer.nat. Stephan Baumgartner
Dr. med. Thomas Breitkreuz
Prof. Dr. rer. nat. Dirk Cysarz
Prof. Dr. Tobias Esch
Prof. Dr. med. Gabriele Fischer
Prof. Dr. med. Michael Frass
Dr. med. Michaela Geiger
Dr. med. Matthias Girke
PD Dr. med. Florian Glaser
Prof. Dr. med. Eckhart Hahn
Prof. Dr. med. Uwe an der Heiden
Sigrid Heinze
PD Dr. med. Dominik Irnich
Prof. Dr. med. Karin Kraft
Dr. med. Johannes Krebs
Prof. Dr. med. Alfred Längler
Prof. Dr. med. David Martin
Prof. Dr. med. Harald Matthes
Prof. Dr. Christof Müller-Busch
Prof. Dr. med. Jürgen Punnek
Prof. Dr. med. Matthias Wildermuth
Prof. Dr. med. Kurz Zänker
 zum Beitrag »
[07.05.2018, 12:26:16]
Dr. Claudia Nowack 
q Dr. Dieter Wettig: Zuwendung gern auch von anderen Ärzten
Warum sollte die Zuwendung nicht auch ohne Homöopathie möglich sein, wenn sie denn dem Normalarzt ebenso honoriert würde wie dem Homöopathen? zum Beitrag »
[07.05.2018, 10:53:34]
Dr. Claudia Nowack 
EbM - neu erfunden!
Die Aussage, die ZB Homöopathie habe sich "seit Jahrzehnten bewährt", ist eine Phrase ohne Inhalt, da die Kriterien der angeblichen Bewährung nicht angegeben werden können. Außer vielleicht, dass 7000 Ärzte die ZB führen? Ist das schon Bewährung?
Die Patientennachfrage ist gestiegen. Ganz selbstverständlich wünschen sich Patienten, dass ihr behandelnder Arzt Zeit für sie hat und Details ihrer Anamnese würdigt. Leider bekommt das der Nicht-Homöopath nicht honoriert, der Homöopath allerdings schon ganz ordentlich.
Warum sollte die Abstimmung der Lehrinhalte mit der Bundesärztekammer denn ein Garant für "eine gute und sichere Versorgung..." sein?
Man sollte Beobachtungsstudien, bei denen keine Kontrolle konfundierender Variablen möglich ist, nicht anführen, um damit angebliche Evidenz aus dem Hut zu zaubern. Die WissHom als Lobbyinstitution kommt offenbar zu einem anderen Ergebnis zum therapeutischen Nutzen der Homöopathie als zahlreiche unabhängige und hochangesehene Institutionen, die keinerlei Evidenz für eine Wirksamkeit der Homöopathika finden, z.B.
- die Cochrane-Collaboration,
- der Nationale Rat für Gesundheit und Medizinische Forschung Australiens NHMRC
- die königliche schwedische Akademie der Wissenschaften
- ein Untersuchungsausschuss des britischen Unterhauses,
- das European Academies‘ and Science Advisory Council (EASAC),
- das National Center for Complementary and Integrative Health der USA
Also: keine Evidenz.
Sackett wird von Ihnen falsch und sinnentstellend zitiert. Drei Säulen, jawohl, aber:
"EBM ist der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten". (BMJ 1996;312:71, Übersetzung: Cochrane). Und genau diese externe Evidenz FEHLT.
Das englische "expertise" ist mit "klinische Erfahrung" falsch und sinnentstellend übersetzt. Sackett: "Mit individueller klinischer Expertise meinen wir das Können und die Urteilskraft, die Ärzte durch ihre Erfahrung und klinische Praxis erwerben. Ein Zuwachs an Expertise spiegelt sich auf vielerlei Weise wider, besonders aber in treffsichereren Diagnosen und in der mitdenkenden und -fühlenden Identifikation und Berücksichtigung der besonderen Situation,..." Das ist wohl etwas mehr als wenn irgendjemand sagt: "Aber ich hab's doch selbst gesehen, dass es geholfen hat." So gesehen müsste auch jede Netmom, die auf #MachAuchDuMit postet, über "expertise" in Sackett's Sinne verfügen.
Sie können sich gegen den Evidenzbegriff der Kritiker zwar wehren, sich mit Ihrer Art zu argumentieren aber ganz sicher nicht auf EbM im Sinne von Sackett berufen. In die von Ihnen gewünschte Debatte, welcher Evidenzbegriff nun gilt, gebe ich hier schon mal mein Statement: Ihrer ganz bestimmt nicht!
 zum Beitrag »
[07.05.2018, 10:26:15]
Dr.med. Joachim Nowak 
Betrunken durch alkoholfreies Bier
Bereits 1992 hat die Marburger med. Fakultät in ihrer Erklärung die Homöopathie als Irrlehre verworfen. Traurig, dass darüber immer noch diskutiert werden muss. Schon allein der vernünftige Menschenverstand müsste einem sagen, dass es sich um eine Irrlehre handelt. Nach Paracelsus verstärkt die Dosis die Wirkung "Dosis facit venenum" und nicht die Verdünnung, wie jeder selbst feststellen kann, denn sonst wäre er bei dem Genuss von alkoholfreiem Bier, in dem noch Spuren von Alkohol vorhanden sind sofort total betrunken und fahrunfähig. Und behandelt etwa ein vernünftiger Mensch Gleiches mit Gleichem, indem er bei 40° Fieber einen Pelzmantel überzieht und bei einer Prellung nochmal mit dem Hammer auf die Verletzung schlägt? Auch wenn noch so viele abergläubische Menschen an Unsinn glauben, beweist das nicht dessen Richtigkeit. zum Beitrag »
[07.05.2018, 09:29:56]
Prof. Dr. Norbert Schmacke 
Zur Schweiz
Richtig ist, dass in der Schweiz die Homöopathie von Kassen erstattet werden kann. Falsch ist, dass dies wegen erwiesener Qualität der Fall ist. Mir hat bei der Recherche zu "Der Glaube an die Globuli" ein führender Homöopath der Schweiz stolz berichtet, dass es ihnen gelungen sei, zu verhindern, dass der Nutzen von Homöopathie & Co durch eine wissenschaftliche Evaluation erbracht werden sollte: das war die ursprüngliche Idee des Gesetzgebers. Es war mit anderen Worten nichts als erfolgreiche Lobbyarbeit, die zu der jetzigen Schweizer Situation geführt hat. Der Deutsche Ärztetage sollte sich von den Homöoöpathen nicht auf die Schippe nehmen lassen.

Professor Dr. med. Norbert Schmacke
Marssel 48
28719 Bremen zum Beitrag »
[07.05.2018, 08:53:09]
Rainer H. Kraus 
„Nur 20 % der Therapien aller behandelbaren Erkrankungen...
Prof. Dr. med. Albrecht Encke, Past-Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), in seinem Vortrag „Die deutsche Gesundheitspolitik auf einer Gratwanderung“ beim 64. ordentlichen Medizinischen Fakultätentag 2003 in Lübeck:

„Nur 20 % der Therapien aller behandelbaren Erkrankungen in der Medizin können durch randomisierte klinische Studien belegt werden, die übrigen Erkrankungen werden deswegen jedoch nicht durch "nutzlose" Therapien versorgt.“

Siehe http://www.mft-online.de/files/top10_omft2003lueb.pdf

rainer h. kraus - www.lymphverein.de zum Beitrag »

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