Ärzte Zeitung, 11.08.2016
 

Fehlzeiten

Berufsspezifische AU-Prävention birgt Potenzial

Die Demografie schickt ihre Vorboten. Für bestimmte Berufsfelder weist eine aktuelle Studie höchsten Präventionsbedarf in Betrieben aus. Exemplarisch geht es um Erkrankungen des Herz-Kreislauf- sowie des Muskel-Skelett-Systems.

Von Matthias Wallenfels

Berufsspezifische AU-Prävention birgt Potenzial

In betriebsmedizinischen Begehungen sollten auch die AU-Risikofaktoren angesprochen werden.

© klaro

DORTMUND. Erkrankungen des Herz-Kreislauf- sowie des Muskel-Skelett-Systems verursachen fast jeden dritten Fehlzeitentag aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit (AU).

Besonders bei den Berufsgruppen der Metallarbeiter, Pflegekräfte, Köche sowie Lager- und Transportarbeiter herrscht der höchste Präventionsbedarf, wie nun eine Sekundärdatenanalyse der AU-Daten durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) belegt.

Diese zeigt, dass in beiden Geschlechtern das erhöhte AU-Risiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen in genau diesen Berufsgruppen mit geringem und mittlerem Qualifikationsniveau besteht.

Risikofaktoren sorgen für frühere AU

In beiden Erkrankungsgruppen ist davon auszugehen, dass bei den heute Jüngeren der bekannte Anstieg der AU mit dem Alter aufgrund der höheren Prävalenz der Risikofaktoren Adipositas und Diabetes mellitus eher stärker zu sehen sein wird, wenn nicht durch Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen ein Großteil der Erkrankungen verhindert oder das Auftreten ins höhere Alter verschoben wird.

Darauf weist die BAuA in ihrem Bericht zu dem Projekt "Berufsspezifisches Risiko für das Auftreten von Arbeitsunfähigkeit durch Muskel-Skelett-Erkrankungen und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems" hin.

Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel in Deutschland sei die primäre und auch sekundäre Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen in allen Altersklassen, teilweise auch wesentlich früher als bisher, dringend zu empfehlen.

Diese Maßnahmen sollen nicht nur auf Verhaltensprävention, sondern auch auf die Verhältnisprävention zielen, so die BAuA-Experten.

Die Studie weist - auf Basis der ICD-10-Codes - für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen Einzelauswertungen die essenzielle Hypertonie ( I10), den akuten Myokardinfarkt ( I21), die chronische ischämische Herzerkrankung (I25), die Herzinsuffizienz (I50), den Hirninfarkt (I63), Varizen der unteren Extremitäten (I83) sowie Hämorrhoiden (I84) auf.

Daten aus dem Jahr 2008

Bei den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems liegen Einzelauswertungen zur AU für folgende Diagnosen vor: Mononeuropathien der oberen Extremität (G56), Koxarthrose (M16), Gonarthrose (M17), Rhizarthrose (M18), Binnenschäden des Kniegelenkes (M23), Spondylose (M47), Rückenschmerzen (M54) sowie Schulterläsionen (M75).

Die Studie basiert laut BAuA auf Daten der gesetzlichen Krankenkassen zur Arbeitsunfähigkeit von über 26 Millionen gesetzlich pflichtversicherter Beschäftigten aus dem Jahr 2008. Mithilfe einer Sekundärdatenanalyse wurde die Arbeitsunfähigkeit differenziert nach Alter, Geschlecht und Beruf ausgewertet.

Verwendet wurden in der Auswertung aggregierte Daten zur Arbeitsunfähigkeit durch acht häufige Erkrankungen des Kreislaufsystems und zehn häufige Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems sowie Mononeuropathien der oberen Extremität - zum Beispiel das Karpaltunnelsyndrom.

Die Berufszugehörigkeit wurde über die Klassifikation der Berufe 1988 festgelegt. Die Wissenschaftler errechneten für jede betrachtete Erkrankung das Risiko für das Auftreten von Arbeitsunfähigkeitsfällen in den unterschiedlichen Berufen als Standardmorbiditätsratio (SMR). Dabei dienten Bürofachkräfte als Referenzgruppe.

Mehr Prävention im Betrieb angemahnt

Die BAuA mahnt an, die Belastungen am Arbeitsplatz zu verringern, um Erkrankungen vorzubeugen. Darüber hinaus sollte das Gesundheitsbewusstsein der einzelnen Mitarbeiter gefördert werden.

Zielführend seien hier zum Beispiel (betriebliche) Kurse zum Thema Bewegung, Stressreduktion oder Ernährung. Der demografischen Wandel und die Anhebung des Renteneintrittsalters auf das 67. Lebensjahr führten zu einer längeren Lebensarbeitszeit.

Um diese gesund und sicher zu gestalten, sei eine frühzeitige Prävention im Betrieb besonders wichtig, so die Forscher.

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