Ärzte Zeitung online, 07.03.2017
 

Arbeitsmedizin

Monitore als Ursache für Fehlzeiten?

Immer mehr Arbeitnehmer sitzen vor Bildschirmen. Doch die Arbeitsplätze sind oft unzureichend eingerichtet. Eine neue interdisziplinäre Initiative will Abhilfe schaffen.

FRANKFURT/MAIN. Probleme mit dem Sehen am Arbeitsplatz sind die Ursache ganz unterschiedlicher Beschwerden von Arbeitnehmern. Sie tragen weit mehr, als bisher von Arbeitsmedizinern realisiert, zu Fehltagen in Betrieben mit Bildschirmarbeitsplätzen bei.

Probleme mit Bildschirmarbeitsplätzen will eine neue Initiative der Berufsförderungswerke für Menschen mit Seheinschränkungen in Düren, Halle, Mainz und Würzburg stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Die Initiative mit dem Namen "360° – Die Experten für berufliches Sehen" hat sich in der vergangenen Woche mit wissenschaftlichem Beirat in Frankfurt konstituiert.

Dem Beirat gehören für die Ophthalmologie Professor Norbert Schrage (Köln-Merheim), für die Optometrie Professor Christoph von Handorff aus Berlin und für die Demografie Professor Mirko Sporket aus Münster an.

Zwei Drittel aller Arbeitnehmer zwischen 25 und 54 Jahren arbeiten laut Statistischem Bundesamt überwiegend vor dem Bildschirm. Zu möglichen gesundheitlichen Probleme aufgrund falsch eingerichteter Arbeitsplätze an Monitoren seien nicht nur Beschwerden wie Migräne, Erschöpfung, Schwindel oder Augenflimmern, sondern auch Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle oder Haltungsschäden.

Auch die Effizienz von Arbeitnehmern leide oft unter suboptimal eingerichteten Bildschirmarbeitsplätzen.Zudem könne es zu einer Myopisierung, also zur verstärkten Entstehung von Kurzsichtigkeit durch schlecht eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze kommen. Die zunehmende Alterung vieler Belegschaften verstärke dieses Problem.

"Aktuell vernachlässigen die Präventionsmaßnahmen der meisten Betrieblichen Gesundheitsmanager das berufliche Sehen", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Vor allem müssten Monitor, Stuhl und Brille aufeinander abgestimmt werden, hieß es in Frankfurt. Bei Begehungen in Dienstleistungsunternehmen ergebe sich an 30 bis 40 Prozent der Arbeitsplätze Auffälligkeiten und Änderungsbedarf.

Die Bildschirmarbeitsplatzrichtlinie genüge längst nicht mehr den aktuellen Anforderungen, betonten Vertreter der Initiative in Frankfurt. Es liege jedoch im Interesse der Unternehmen, an dieser Stelle arbeitsmedizinisch nachzuarbeiten. Die Initiative will jetzt prospektive Studien und Vergleichsstudien anstoßen, um die Situation in Deutschland noch besser zu dokumentieren und den Handlungsbedarf zu konkretisieren. (ger)

Weitere Informationen im Internet:: www.360grad-experten.de

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