Ärzte Zeitung online, 26.10.2016

E-Patientenakte

Das Ausland hängt uns ab

Der Vergleich von 20 europäischen Ländern zeigt: Deutschland liegt bei der Umsetzung der E-Patientenakte nur im Mittelfeld. Eine vergebe Chance?

Das Ausland hängt uns ab

Strittiges Thema: Die E-Patientenakte.

© BillionPhotos.com / fotolia.com

MÜNCHEN. Das deutsche Gesundheitswesen schafft es nicht, die vielen Potenziale zu heben, die eine elektronische Patientenakte (ePA) bietet. Gröhes E-Health-Gesetz ändert daran wenig, wie eine Studie des Instituts für Angewandte Versorgungsforschung (inav) im Auftrag der Stiftung Münch zeigt.

Im Vergleich mit 20 europäischen Ländern liegt die Bundesrepublik bei der Umsetzung der E-Patientenakte nur auf Platz 10. Die Spitzenplätze belegen Dänemark, Schweden, Finnland, Estland und die Slowakei.

Ampelsystem für Implementierungsstand

Die Studienautoren haben für den Vergleich eine European Score Card entwickelt, die in einem Ampelsystem den Stand der Implementierung abbildet. Am schlechtesten sieht es damit in Ländern wie Frankreich, Irland oder Italien aus.

Die Studienautoren haben aber auch einen internationalen Vergleich aufgestellt, um herauszufinden, an welchen Parametern gedreht werden muss, damit die Vernetzung der Leistungserbringer über die Patientenakte vorankommt. Für Deutschland identifizieren sie vier Problemfelder:

Zum einen fehle eine langfristige, nationale E-Health-Strategie, die in allen Ländern mit erfolgreicher ePA gegeben sei. Bei der Umsetzung müssten zudem pragmatische und modulare Ansätze im Vordergrund stehen.

Für den Aufbau flächendeckender Strukturen seien erhebliche Investitionen erforderlich.

Vorteile in Deutschland wenig im Fokus

Ein großes Manko hierzulande ist laut der Studie die Kommunikation in Richtung Leistungserbringer und Bürger. Denn die ePA ermögliche effizientere Arbeitsprozesse, durch die Ärzten und Pflegepersonal wieder mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung bleibe.

Über Vorteile wird in Deutschland aber weniger als über den Datenschutz diskutiert. Mit dem man etwa in 20 Jahren ePA in Dänemark bislang kaum Probleme gehabt hätte.

Es müssten eindeutig die Grenzen erkannt werden, die die gegenwärtige Ausgestaltung der Selbstverwaltung aufweise. (reh)

 

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E-Health (4404)
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[28.10.2016, 21:32:40]
Wolfgang P. Bayerl 
die vielen Potentiale??? welche? und für wen?
Ich bezweifle den Nutzen für den Patient. Es gibt immer noch den § 203 StGB zum Beitrag »
[27.10.2016, 21:49:45]
Christoph Luyken 
und doch ist Datenschutz wichtig!
"Über Vorteile wird in Deutschland aber weniger als über den Datenschutz diskutiert". Und das ist auch gut so!! Allerdings geht die Diskussion m.E. oft in die falsche Richtung. "Diskretionsabstand" ist ja gutr und schön. Schweigepflichtentbindungserklärungen auch für Arztbriefe an den Überweiser - sind eine Farce. Aber die wahren Gefahren, die kriminellen Energien, welche im Onlinedatenverkehr lauern, darüber wird eher noch zu wenig diskutiert.

Man lese doch nur einmal ein paar Seiten weiter in der gleichen Ausgabe der ÄZ die folgende Meldung:

LONDON. Gestohlene Patientendaten werden im Internet laut einer Studie zum Teil schon für wenige Cent verkauft. Die IT-Sicherheitsfirma Intel Security fand im Netz in einer Untersuchung Angebote zwischen drei US-Cent und 2,42 Dollar pro Datensatz. Die Daten würden meist in großem Stil bei Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen entwendet, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht mit starkem Fokus auf die USA. So sei in einem Fall eine Datenbank mit Informationen zu 397.000 Personen aus dem US-amerikanischen Atlanta angeboten worden. Mit besagter Preisspanne würden Patientendaten teurer als viele andere gestohlenen Informationen verkauft, betonte Intel Security. (dpa)

Sic!! zum Beitrag »
[26.10.2016, 13:24:26]
Thomas Georg Schätzler 
Innerhalb von 5 Arbeitstagen...
könnte die Implementierung der elektronischen Patientenakte in meiner Praxis gelingen. Aber die dazugehörigen Investitionen sind bei gedeckelter Gesamtvergütung nicht zu erbringen. Eine vollständige Übernahme der Kosten für eine Erstausstattung seitens der Kostenträger ist wie in allen vergleichbaren Ländern mit öffentlichem Gesundheitswesen vonnöten.

Es mangelt tatsächlich vor allem an einer langfristigen, nationalen E-Health-Strategie. Gröhes E-Health-Gesetz ist dagegen ein Rohrkrepierer.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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