Ärzte Zeitung online, 18.04.2017

Positionspapier

E-Health: SpiFa fordert klare Spielregeln

Der Facharztverband sieht in der Digitalisierung eine große Chance für die sektorübergreifende Versorgung. Er mahnt aber vor arztersetzenden Systemen.

BERLIN. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in vollem Gange. Doch trotz allen Tempos, das das Bundesgesundheitsministerium mit seinem E-Health-Gesetz vorgibt, sollte dabei nicht die Bedeutung des Arzt-Patienten-Verhältnisses vergessen werden, mahnt der Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands (SpiFa).

E-Health dürfe den Arzt nicht ersetzen. Seine Mitglieder haben daher ein Positionspapier aufgelegt.

Großes Potenzial

Die Fachärzte sehen durchaus großes Potenzial in E-Health-Anwendungen. Die Digitalisierung schaffe es, Zeit und Raum zu überwinden und die Akteure im Gesundheitswesen zu vernetzen. Damit helfe sie, Innovationen schneller zugänglich zu machen und vor allem die Sektorgrenzen aufzubrechen, erklärt der SpiFa in dem Papier.

Damit die E-Health-Strategie der Regierung aber tatsächlich zum Erfolg werde, sollten laut dem Verband unter anderem folgende Punkte eingehalten werden:

- Das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis müsse Grundlage aller medizinischen Entscheidungen bleiben. Der Arzt solle bestimmen, ob und bei welchem Patienten digitale Anwendungen infrage kommen. Denn der Patient dürfe in der emotionalen Ausnahmesituation, in der er sich im Krankheitsfall befinde, nicht mit den von ihm erhobenen Daten und Ergebnissen im E-Health-System allein gelassen werden.

- Das Fernbehandlungsverbot müsse den Bedürfnissen von arztgesteuerten E-Health-Anwendungen angepasste werden.

- Die Haftungsfrage im Rahmen telemedizinischer Anwendungen müsse für Ärzte eindeutig rechtlich geklärt werden.

- Es müsse auch gezielte Finanzierungs- und Förderungsmodelle für E-Health-Innovationen geben. Der SpiFa kritisiert, dass die Kosten der Praxen in Hard- und Software sowie Schulungen bislang nicht ausreichend amortisiert würden. Gerade die über den EBM gesetzten Anreize würden nicht funktionieren, wie der Medikationsplan oder auch die erst zum April eingeführten Honorarziffern für die Videosprechtstunde belegten. Dem SpiFa schwebt daher eine steuerliche Förderung von E-Health-Innovationen – und zwar über einen sinnvollen Zeitraum ab der Einführung der Anwendung – vor.

- Gesundheitsdaten sollten nutzbar gemacht werden: Der Verband fordert die Bundesregierung auf, eine rechtliche und institutionelle Grundlage zu schaffen, die Gesundheitsdaten – im Sinne des Solidarprinzips – anonymisiert für eine umfassende und nachhaltige Versorgungsforschung zugänglich zu machen.

- Der Datenschutz müsse international harmonisiert werden.

- Digitalisierung sollte auch in der medizinischen Ausbildung eine größere Rolle spielen.(reh)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Macht Sport so glücklich wie Geld?

Wer moderat Sport treibt, ist seltener unglücklich und kann damit offenbar Gehaltseinbußen von rund 22.000 Euro jährlich emotional kompensieren, so eine US-Analyse. mehr »

Experimentelle Arznei lindert Juckreiz

Forschende der Universität Zürich haben einen neuen Ansatz entdeckt, mit dem sich Juckreiz unterdrücken lässt. In einer Studie linderten sie damit nicht nur akute, sondern auch chronische Beschwerden. mehr »

Politiker fordern nach Valsartan-Skandal mehr Kontrollen

Seit Wochen erhitzt der Valsartan-Skandal die Gemüter. Patienten fühlen sich schlecht informiert. Wie sehen Gesundheitspolitiker das Dilemma? Die "Ärzte Zeitung" hat nachgefragt. mehr »