Ärzte Zeitung online, 26.04.2019

Telematikinfrastruktur

„Gut abgesicherte Anbindungen ans Internet sind weiter nutzbar“

Die Debatte um eine sichere Anbindung an die TI zieht Kreise. Ein Anbieter sieht vor allem Probleme bei Praxen, die nicht von professionellen IT-Experten betreut werden.

Von Hauke Gerlof

078a0901_8357268-A.jpg

Und jetzt noch schnell übers Praxisnetz ins Internet? Über die Telematikinfrastruktur oder auch an ihr vorbei ist das sicher möglich.

© pressmaster / Fotolia

NEU-ISENBURG. „Datenskandal“ oder „stark politisierte Debatte“? Der von einem Systemadministrator aufgeworfene Verdacht, viele Praxen seien nicht sicher an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen, bringt die Betreibergesellschaft gematik und auch Hersteller von Konnektoren sowie Anbieter von TI-Zugangsdiensten auf die Palme.

Kritiker „suchen nach Argumenten gegen die Telematikinfrastruktur“, das Thema sei „stark emotionalisiert“, ärgert sich Jens Naumann, Geschäftsführer des Praxis-EDV-Anbieters medatixx. Dabei ist er sicher: „Technisch ist es bei entsprechender Kenntnis und Beachtung der Situation vor Ort gut möglich, die TI-Installation sicher vorzunehmen“.

Investitionen häufig erforderlich

„Unseren Technikern gelingt es in den allermeisten Fällen problemlos, die jeweiligen Besonderheiten der Praxen zu berücksichtigen“, versichert Naumann. Schwierig werde es jedoch immer dann, „wenn die Kunden entweder veraltete Technik bei Hard- und Systemsoftware nutzen oder von den eigenen Betreuern vor Ort abweichende Empfehlungen zur Sicherheit bekommen – oder aber aus Kostengründen jedes Invest in moderne Hardware und Systemumgebungen scheuen“.

Naumann kritisiert vor allem „EDV-Betreuer, die häufig als Ein-Mann-Unternehmen tätig“ seien. „Nicht selten“ reagierten diese „wie auch in dem veröffentlichten Fall – mit spöttischer Herablassung und der Attitüde des Besserwissens auf unsere Vorschläge und Lösungen“.

Auch für eine sichere Internet-Anbindung von Praxen außerhalb des sicheren Internet-Services der TI sieht Naumann alle Möglichkeiten: Der SIS sei ab einem bestimmten Datenvolumen mit Zusatzkosten verbunden, die nicht jeder Arzt tragen wolle. Naumann: „Es ist jedoch auch gut und sicher möglich, die in den meisten Fällen bereits vor der TI-Installation bestehende, gut abgesicherte Internetverbindung weiter zu nutzen, so dies fachgerecht eingerichtet wird.“

Doch wie kann ein Arzt angesichts der aktuellen Diskussion feststellen, ob dieser Anschluss tatsächlich „fachgerecht eingerichtet“ worden ist? Die gematik beschreibt auf Anfrage zwei Szenarien:

  • In Reihe geschalteter Konnektor: Nur in Reihe geschaltet könne der Konnektor seine Sicherheitsfunktion garantiert erfüllen. Dafür werde der Internetrouter an die LAN-Buchse angeschlossen, das Netz des Arztes mit Primärsystem und Kartenterminals seien an der LAN-Buchse des Konnektors angeschlossen. Damit mehrere Geräte angeschlossen werden können, sei hier noch ein Switch (also eine Art Verteiler) notwendig. Wenn es vorher einen „Internet-PC“ in der Praxis gab, könne dieser auch weiterhin direkt am Internetrouter angeschlossen sein. „Die Reihenschaltung kann der Arzt selbst sehen und somit überprüfen“, so die gematik.
  • Parallel geschalteter Konnektor: In diesem Szenario schützt der Konnektor nicht das Netzwerk der Praxis. Die Praxis müsse daher über adäquate Sicherheitsfunktionen verfügen, wie sie zum Beispiel des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vorgibt (Firewall, Antivirus, usw.). Hierfür müssten die Netzwerkkomponenten (Arbeitsplätze, Kartenlesegeräte, etc.) unterschiedlich konfiguriert werden. „Bei einer parallelen Schaltung ist die Aussage eines Technikers notwendig, ob die Praxis sicher an die TI angeschlossen ist“, so die gematik.

Internet-Telefonie möglich

Auch Voice over IP (Internet-Telefonie) sei in einer angeschlossenen Praxis in Reihenschaltung möglich, so die gematik. Dafür könnten entweder analoge oder DECT-Telefone direkt an den Internetrouter angeschlossen werden, oder es würden IP-Telefone verwendet, die direkt per WLAN oder Kabel mit dem Internetrouter verbunden sind.

Nur mit dem Computer, auf dem das Praxisverwaltungssystem hinter dem Konnektor läuft, sei es dann nicht möglich, zu telefonieren. Die Protokolle für IP-Telefonie seien nicht im Standardumfang der SIS-Services enthalten. Das Datenvolumen, das über den sicheren Internetdienst verfügbar ist, werde im Übrigen nicht von der gematik-Seite her beschränkt. Dies müssten Ärzte vielmehr über den VPN-Zugangsdienst zur TI klären.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[26.04.2019, 08:57:08]
Michael Logies 
Falsche Terminologie
Journalisten und IT... Müßte wohl heißen:
"In Reihe geschalteter Konnektor: Nur in Reihe geschaltet könne der Konnektor seine Sicherheitsfunktion garantiert erfüllen. Dafür werde der Internetrouter an die LAN-Buchse angeschlossen, das Netz des Arztes mit Primärsystem und Kartenterminals seien an der LAN-Buchse des Konnektors angeschlossen."
Muß heißen: "Dafür werde der Internetrouter an die WAN-Buchse (des Konnektors, M. L.) angeschlossen". zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der gesundheitspolitische Parteien-Check Teil II

Wie viel Europa verträgt unser Gesundheitssystem? Im zweiten Teil unseres Parteienchecks vor der Europawahl am Sonntag zeigt sich: Die Bundestagsfraktionen sind sich uneinig. mehr »

Wenn Babys an Leukämie erkranken

Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Für viele ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Doch bei Levin Gebhardt reichte eine einzige nicht aus. mehr »

Der Königsweg für den richtigen Datenschutz ist noch umstritten

Das Inkrafttreten der DSGVO jährt sich zum ersten Mal. Doch noch immer ist vielen Ärzten einiges unklar. Die Datenschützer aus Bayern tun sich mit strikten Ansichten hervor – stehen damit aber nicht allein. mehr »