Ärzte Zeitung online, 17.06.2019

E-Patientenakte

Therapeuten wollen klare Zugriffsregeln – von Anfang an

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung betont das Recht auf informationelle Selbstbestimmungen und stellt Forderungen an die ePA.

Therapeuten plädieren für  Zugriffsregeln von Anfang an

Maus statt Aktenberge? Für Psychotherapeuten bleibt aber der Datenschutz zentral.

© malerapaso / Getty Images / iStock

BERLIN. Über Datenschutz kann nicht verhandelt werden. Auch nicht, wenn es um die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) geht. Das hat die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) Barbara Lubisch bei der Delegiertenversammlung des Verbandes in Berlin betont.

Diskutiert wurde dort unter anderem über die im Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) vorgesehenen Pläne, die elektronische Gesundheitsakte zunächst auch ohne differenziertes Berechtigungsmanagement einzuführen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte kürzlich berichtet, die für 2021 geplante ePA werde zunächst Datenschutz-Einschränkungen haben. Das Gesundheitsministerium wies diese Kritik zurück.

Angst vor Datenmissbrauch

Die DPtV steht einer möglichen Einführung der ePA ohne die Erteilung von Zugriffsberechtigungen kritisch gegenüber. Patienten müsse es mit Einführung der ePA von Beginn an möglich sein, einzelnen Leistungsbringern nur für ausgewählte Dokumente und nicht pauschal auf alle Dokumente in der ePA den Zugriff zu erlauben.

„Gesundheitsdaten sind äußerst sensibel, die unbefugte Nutzung kann zu schweren Schäden für die betroffenen Patienten führen. Es darf nicht sein, dass die informationelle Selbstbestimmung der Patienten ausgehöhlt wird“, so Lubisch. Bei psychisch kranken Menschen könne der Missbrauch oder das Bekanntwerden von Diagnosen und Behandlungsinhalten weitreichende Konsequenzen haben, mahnt Lubisch zur Vorsicht.

Die Delegiertenversammlung der DPtV begrüßt eine „datenschutzgerechte digitale Gesundheitsversorgung“, fordert jedoch, dass Patientenrechte sowie die ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Schweigepflicht nicht unterlaufen werden dürften.

Aufwand und Kosten der Digitalisierung sollten außerdem in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen für Patienten und Ärzte oder Therapeuten stehen. Außerdem müsse die Indikationsstellung für den Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen beim Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten liegen, so die DPtV.

Priorität Datensicherheit

Die DPtV gibt zu bedenken, dass durch die Sammlung von Gesundheitsdaten, insbesondere in einer Gesundheits- oder Patientenakte, das Schadenspotenzial durch einen möglichen Datendiebstahl wachse. Die DPtV fordert deshalb, auch bei der Speicherung der Daten auf Servern oder der Cloud müsse der Datenschutz gesichert sein, beispielsweise durch Verschlüsselung oder getrennte Datenpakete.

Die Speicherung der Patientendaten sollte, so die DPtV, möglichst dezentral erfolgen, die Server ihren Standort in Deutschland haben. (mu)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

WHO erklärt Ebola-Epidemie als internationale Notlage

Die Ebola-Epidemie ist eine internationale Notlage, hat die WHO am Mittwochabend entschieden. Direkte Folgen hat der Schritt noch nicht. mehr »

Ja zu Masern-Impfpflicht, Apotheken-Gesetz und MDK-Reform

16:50 Uhr Drei auf einen Schlag: Das Bundeskabinett gibt grünes Licht für die Impfpflicht gegen Masern, das Vor-Ort-Apotheken-Gesetz und die MDK-Reform. Prompt folgt Kritik. mehr »

Warum Alzheimer mehr Frauen betrifft

Frauen erkranken häufiger an Alzheimer als Männer. Eine beim Alzheimer-Kongress in Los Angeles vorgestellte Studie liefert Hinweise, woran das liegen könnte. mehr »