Ärzte Zeitung, 18.06.2010
 

Der Standpunkt

Bei der Gesundheitskarte sind nun die Kassen am Zug

Von Hauke Gerlof

Nun sind die Kassen am Zug

© Ärzte Zeitung

Die Krankenkassen haben auf diese Entscheidung gewartet, viele Ärzte haben sie gefürchtet: Die Koalitionsfraktionen wollen die Pflicht für Ärzte, an einem Online-Abgleich der Versichertenstammdaten mitzuwirken, gesetzlich festlegen.

Gesetzt den Fall, die Koalition zerbricht nicht noch in diesem Sommer an ihren inneren Streitigkeiten, dürfte damit das nächste Kapitel der unendlichen Geschichte der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) aufgeschlagen werden. Denn an der Neuregelung zur eGK wird das GKV-Änderungsgesetz jedenfalls nicht scheitern.

Was für die Koalition ein Nebenschauplatz ist, wird dann voraussichtlich 2011 für Ärzte ein wichtiger Teil des Alltags. Der Weg, Ärzten, die nicht mit ihrer Praxis-EDV online gehen wollen, eine Option zu bieten, nur das Lesegerät an die Telematikinfrastruktur anzubinden, ist zusammen mit den Ärzten als Kompromiss entwickelt worden. Der Ärztetag hat auch diesen Kompromiss abgelehnt. Nun kommt es auf die Ärzte an der Basis an, wie sie sich mit den Gegebenheiten arrangieren.

Das aber hängt vor allem von den Regelungen im Detail ab. Mit den neuen Bestimmungen im Gesetz ist es ganz klar, dass Vertragsärzte den Krankenkassen ein Stück Verwaltungsarbeit abnehmen. Sie überprüfen, ob der Versicherte tatsächlich Anspruch auf Leistungen der Kasse hat. Das ist eine pragmatische Lösung, weil der Aufwand für Kassen sonst sehr viel höher wäre.

Nun kommt es darauf an, dass die Kassen Ärzten im Gegenzug eine faire Vereinbarung für die Anschaffung der nötigen Geräte und für den Zusatzaufwand anbieten. Nur mit einer angemessenen Vergütung hat das Projekt reelle Chancen. Außerdem kommt es auf die Details im Verwaltungsalltag an, ob das Gesetz mit Leben erfüllt wird. Zum Beispiel: Wer bezahlt im Notfall die Arztrechnung, wenn die Online-Prüfung der Karte ergibt, dass der Patient eigentlich keinen Anspruch hat?

Und der Datenschutz? Die Krankenkassen bekommen keine Daten, die sie nicht sowieso bekommen würden. Und die Datenschützer stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Also grünes Licht? Wer den Kassen misstraut, kann mit seiner EDV offline bleiben. Und das sollte erst mal auch so bleiben.

Schreiben Sie dem Autor: hauke.gerlof@aerztezeitung.de

Lesen Sie dazu auch:
Gesundheitskarte: KBV pocht auf Beteiligung der Kassen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »

Sechs Kassen auf der Kippe – Barmer-Chef fordert Reformen

Dramatischer Zwischenruf: Das wirtschaftliche Gefüge der GKV sei instabil, sagt Barmer Chef Straub. Rund ein halbes Dutzend großer Kassen würden nur noch von der guten Konjunktur getragen. mehr »