Ärzte Zeitung, 20.09.2016
 

Telemedizin

Höheres Honorar für Faxe als für E-Arztbriefe?

28 Cent für den Sender, 27 Cent für den Empfänger: Die bislang vorgesehene Honorierung für den Versand von E-Arztbriefen wird derzeit heftig diskutiert. Sollte ein Fax auch 2017 am Ende sogar besser honoriert werden als der sichere Online-Versand?

Von Hauke Gerlof

Höheres Honorar für Faxe als für E-Arztbriefe?

Der E-Arztbrief ist sicherer als ein Fax, und er bietet auch Vorteile in der Arbeitsorganisation. Das Honorar ist allerdings noch strittig.

© psdesign1 / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Noch ist nichts endgültig entschieden; es gibt noch keine ausformulierten oder gar beschlossenen Leistungsbeschreibungen im EBM. Aber die für das kommende Jahr vorgesehene Förderung des E-Arztbriefes erhitzt schon jetzt die Gemüter.

Die in einem ersten Richtlinien-Entwurf geplante Vergütung für den Versand (28 Cent je Brief) und den Empfang (27 Cent) elektronischer Arztbriefe, die über ein sicheres Netz laufen und mit qualifizierter elektronischer Signatur versehen sind, wird für die zukünftige Nutzung des elektronischen Briefes als wenig förderlich angesehen.

Eine Gefahr für den Datenschutz?

Ganz klar haben es die Vertreter der Landesärztekammer Hessen in der vergangenen Woche formuliert: Sie sehen "in der für 2017 vorgesehenen Förderung des elektronischen Arztbriefs eine Gefahr für den Datenschutz". Der Grund leuchtet ein: Während für den E-Arztbrief das "Porto" aufgeteilt wird zwischen Sender und Empfänger, könne der Sender für den Versand eines Arztbriefes per Fax weiterhin 55 Cent kassieren.

Wobei aufgrund der Telefon-Flatrates durch ein zusätzlich versendetes Fax praktisch keine zusätzlichen Kosten entstehen, zumal ja auch Faxe mittlerweile per Computer versendet werden – also auch keine zusätzlichen Druckkosten entstehen (müssen).

Kostenpauschale würde entfallen

Im Gesetz ist es so formuliert, dass sich der Zuschlag "im Jahr 2017 um eine Pauschale von 55 Cent pro Übermittlung eines elektronischen Briefs" erhöht, "wenn die Übermittlung durch sichere elektronische Verfahren erfolgt und dadurch der Versand durch Post-, Boten- oder Kurierdienste entfällt". Das heißt, die Kostenpauschale Nr. 40120 in Höhe von 55 Cent würde wohl entfallen.

Allerdings ist noch gar nicht klar, wie hoch der Zuschlag zum Ausgleich der erstmaligen Ausstattung und der laufenden Kosten im Betrieb der Telematikinfrastruktur sein soll (nach Paragraf 291a Absatz 7 Satz 5). Grund: Die Telematikinfrastruktur befindet sich aus technischen Gründen bereits mehrere Monate in Verzug, die Spitzenverbände haben daher diesen Zuschlag noch nicht ausgehandelt.

Ringen um adäquates Honorar

Ob die 27 beziehungsweise 28 Cent je E-Arztbrief am Ende die gesamte Förderung sind, die Ärzte für E-Arztbriefe bekommen werden, ist also tatsächlich noch gar nicht entschieden. Der Signaturkarten-Anbieter medisign hat dennoch vor Kurzem eine Stellungnahme zur geplanten E-Arztbrief-Förderung an Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) übergeben, in der eindringlich auf das Problem verwiesen wird.

"Warum sollte ein niedergelassener Arzt einen qualifiziert signierten E-Arztbrief für 28 Cent versenden, wenn er stattdessen für die Übermittlung eines unsicheren Faxes 55 Cent erhält?", heißt es in der Stellungnahme. Der Vorschlag von medisign: Der Telematik-Zuschlag solle in voller Höhe (55 Cent) auf die EBM-Kostenpauschale aufgeschlagen werden – also 1,10 Euro je E-Arztbrief. Auch der Empfänger solle 55 Cent erhalten.

200 E-Arztbriefe im Monat?

Der Anbieter rechnet vor: Um die E-Arztbrief-Anwendung nutzen zu können, müssten Ärzte zunächst in die technische Infrastruktur investieren, das heißt, einen KV-SafeNet-Router, ein Kartenlesegerät und Signatursoftware anschaffen. Hinzu kämen Installationskosten sowie monatliche Gebühren für den KV-SafeNet-Zugang, den elektronischen Arztausweis (eHBA) und die Arztbrief-Anwendung in der Praxissoftware.

Bei einer Laufzeit von 36 Monaten ergäben sich monatliche Kosten von knapp 60 Euro je Arztpraxis, heißt es. "Der Arzt müsste also mehr als 200 E-Arztbriefe pro Monat versenden, um kostendeckend arbeiten zu können – ein schwieriges Unterfangen", heißt es.

Nach Angaben der KV Telematik seien seit November 2015 rund 30.000 E-Arztbriefe per KV-Connect versendet worden – im Durchschnitt also 3000 Briefe pro Monat, rechnet medisign weiter. Dem gegenüber stünden etwa 12 Millionen Arztbriefe, die zurzeit über die EBM-Kostenpauschale 40120 pro Monat abgerechnet werden. Im Jahr erhielten die Ärzte also knapp 80 Millionen Euro für den herkömmlichen Arztbrief-Versand.

Wenn es tatsächlich das Ziel sei, die bislang rund 144 Millionen herkömmlichen Arztbriefe pro Jahr in elektronische Arztbriefe umzuwandeln, müsse der Telematik-Zuschlag so ausgestaltet werden, dass die Anwendung von der Ärzteschaft angenommen und flächendeckend genutzt wird, betont das Unternehmen in seiner Stellungnahme.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »