Ärzte Zeitung online, 27.11.2017
 

Telematik

Erste Arztpraxis mit Anschluss an die Datenautobahn

Am 10. November sind die ersten Zulassungen für die Komponenten zum Anschluss an die Telematikinfrastruktur vergeben worden. Gut zwei Wochen später ist nun die erste Arztpraxis online gegangen.

NEUSS. Rund 13 Jahre hat es von der ersten Idee bis zur Umsetzung gedauert, aber ab sofort ist die erste Arztpraxis in Deutschland offiziell an die Telematikinfrastruktur (TI) online angeschlossen.

Die Praxis von Dr. Wolfgang von Schreitter in Neuss wurde am Montag als erste Praxis an das Netz angedockt. Der Arzt hatte bereits an der Testphase teilgenommen, für die Live-Schaltung mussten die Geräte wie Kartenleser und Konnektor allerdings noch einmal ausgewechselt werden. Neue Möglichkeiten bieten die Geräte noch nicht.

Bisher können damit die Versichertenstammdaten abgeglichen und aktualisiert werden. In einem nächsten Schritt sollen dann die Notfalldaten der Patienten auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. "Daran wird aktuell gearbeitet", berichtet Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical AG Deutschland, in Neuss. Der Konnektor des Unternehmens hat bisher als einziger die Zertifizierung erhalten.

Momentan ist von Schreitter noch der einzige Arzt, der ans Netz angeschlossen ist, denn die sogenannten SMC-B-Karten oder elektronischen Praxisausweise, mit denen sich die Arztpraxen in der TI identifizieren müssen, sind noch nicht zugelassen. "Wir rechnen in dieser Woche mit der Zulassung", sagt Eibich. Die SMC-B, die vor der Zulassung steht, stammt von der Bundesdruckerei. Vorbestellt haben nach seinen Angaben bundesweit rund 10.000 Praxen. (noe)

[28.11.2017, 10:24:49]
Dr. Klaus Günterberg 
Die Teilnahme am VSDM ist ein Verstoß gegen die ärztliche Schweigepflicht. Und eine Verlagerung von Verwaltungsaufgaben von den Kassen auf die Ärzte-
Mit einem online-Datenabgleich tut der Arzt kund, dass ein Patient anwesend ist. Das lässt Rückschlüsse auf die Erkrankung und Behandlung zu.

Darum ist der Versuch der Krankenkassen, den Stammdatenabgleich der Versicherten über die Praxen der Vertragsärzte abzuwickeln, eine Verlagerung ihrer Arbeit auf die Ärzte, ist aber vor allem ein Angriff auf die ärztliche Schweigepflicht:
Die ärztliche Schweigepflicht ist sehr umfassend; sie umfasst alle Umstände, die der Arzt in seiner Eigenschaft und durch seine Tätigkeit erfährt. Dazu gehört auch die Anwesenheit des Patienten. Selbst dem nächsten Angehörigen darf dazu ohne vorherige Einwilligung des Patienten keine Auskunft erteilt werden.
Zur ärztlichen Schweigepflicht gehört auch alles, was der Patient dem Arzt über seine Lebensumstände offenbart, bspw. auch sein Aufenthaltsort, den Wohnsitz, seine Erreichbarkeit (Tel.-Nr., e-Mail-Adresse, Fax u. dgl.), seine Arbeitsstelle, evtl. Gefährdungen durch berufliche und persönliche Umstände, sein Geschlecht (und evtl. Änderungen der Geschlechtsidentität), sein Familienstand, Änderungen des Familienstandes, Partnerschaften, Verhütung, Kinderwunschbehandlung u. v. a. m. Zu den Verpflichtungen des Arztes gehört also auch die Verschwiegenheit über die sog. „administrativen Daten“ seiner Patienten.

FÜR DEN ARZT IST DER DATENABGLEICH BEIM BESUCH SEINER PATIENTEN EIN EKLATANTER VERSTOß GEGEN DIE ÄRZTLICHE SCHWEIGEPFLICHT UND DEN DATENSCHUTZ.
Man sollte auch nicht vergessen: Die Aktualisierung der administrativen Daten ihrer Versicherten ist die ureigenste Aufgabe der Krankenkassen. Jede Verlagerung von Verwaltungsarbeiten in die Sprechstunde des Arztes kostet dessen Zeit. Daran sollte man sich immer bei zunehmenden Wartezeiten erinnern!
Lassen wir dem Arzt Zeit für seine Aufgabe: Medizin. Lassen wir den Krankenkassen ihre Aufgabe: Verwaltung.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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[27.11.2017, 19:53:15]
Dr. Robert Künzel 
Na dann empfehle ich dem Kollegen, beim Surfen auf der Datenautobahn....
....auch mal bei der Aktion www.stoppt-die-e-card.de vorbeizusurfen.
Vor allem der kleine Trickfilm "Kasper und die elektronische Gesundheitskarte" ist ebenso sehenswert wie entlarvend. Leider haben die Macher aus meiner Sicht einen Fehler gemacht : Nicht der unwissende und Smartphone-verblendete Patient sollte in diesem Film der Kasper sein. Möglich macht dieses Szenario vor allem Kaspers Arzt, der seine Praxis der Telematik zugänglich macht. Ich bin sehr traurig, daß trotz massiver Hackerangriffe gerade auf Einrichtungen des Gesundheitswesens und der tiefen Einblicke, die uns Leute wie Edward Snowden gewährt haben niemand den Mut und die Durchsetzungskraft hatte, die hochsensiblen Daten unserer Patienten zu schützen und dem unseligen Milliardengrab ecard den Stecker zu ziehen.
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