Ärzte Zeitung online, 15.11.2016

E-Health

Kein reines Online-Rezept!

Ein Kommentar von Marco Hübner

Viele Wege, die Verbraucher früher gehen mussten, können sie sich dank Internet heute sparen. Bankgeschäfte ausschließlich online zu erledigen, gehört für viele Bürger längst zum Alltag. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt nun, dass sich 54 Prozent der Deutschen auch den Weg in die Arztpraxis sparen wollen, wenn sie nur ein Rezept für ein Arzneimittel brauchen.

Eine Online-Konsultation mit dem Arzt kann Patienten Wege und Wartezeit ersparen. Das ist sinnvoll und ein Service, mit dem Ärzte glänzen können. Sie zeigen so, dass sie mit den Bedürfnissen ihrer Patienten Schritt halten. Viele bieten die Rezeptbestellung per E-Mail. Allerdings ist das nicht pauschal eine gute Sache. Ein Folgerezept ist etwas anderes als ein Erstrezept.

Chroniker müssen nicht unbedingt in die Praxis, wenn sie wieder ihren Blutdrucksenker wollen. Wenn sie eine Infektion haben und ein Antibiotikum brauchen, sieht das schon anders aus – dafür kann eine Konsultation per Webcam nicht genügen.

Ein Online-Rezept bei akuten Erkrankungen darf es daher nicht geben. Die Gefahr, dass Patienten ihre eigene Situation falsch einschätzen, ist viel zu groß. Geht es um ein Erstrezept, sollte der Arzt den Patienten vor sich haben und in der Praxis untersuchen können.

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