Ärzte Zeitung, 10.03.2011

Zuzahlung: Papierkrieg mit der Krankenkasse?

Für die Erstattung von Zuzahlungen müssen Betroffene nicht nur Quittungen sammeln. Sie müssen auch ihr Einkommen aufdröseln: ob Gehalt oder Zinsen - alles zählt.

Von Wolfgang Büser

Zuzahlung: Papierkrieg mit der Krankenkasse?

Zuzahlen oder nicht? Das hängt vom Jahreseinkommen ab.

© pix4U / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Fragen und Ärger der Patienten zu Zuzahlungen zu Arzneien oder Heilmitteln tauchen nicht nur in Apotheken auf. Auch Praxisteams werden von verunsicherten Patienten immer wieder angesprochen. Oder sind gar selbst im familiären Kreis betroffen.

Dabei ist die gesetzliche Regelung an sich einfach: Erreichen die von gesetzlich Krankenversicherten geleisteten Zuzahlungen zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens des Singles oder der Familie, brauchen für den Rest des Jahres keine Zuzahlungen mehr geleistet zu werden.

Bei "schwerwiegend chronisch Kranken" ist bereits bei ein Prozent des Familieneinkommens die Belastungsgrenze erreicht. Doch der Teufel steckt im Detail, wenn es jetzt darum geht, zu viel gezahlte Beträge aus dem Vorjahr zurückzuholen.

Das deuten bereits die umfangreichen Fragebogen der Kassen an. Danach rechnen die Krankenkassen aus, wann sie eine Befreiungsbescheinigung ausstellen können. Und schon der erste Blick in diese "Selbstauskünfte" zeigt, dass zum "Einkommen" nicht nur Arbeitsverdienst zählen.

Ob Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Kranken-, Arbeitslosen- oder Mutterschaftsgeld, Renten, Zinsen, Mieteinnahmen - alles wird addiert. Das Kinder- sowie das Erziehungsgeld rechnen nicht mit. Dafür gehören bei den Renten sogar die - den Rentnern abgezogenen - Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge dazu, weil es auf das Bruttoeinkommen ankommt.

Unterhaltszahlungen dürfen die Kassen ebenfalls nicht auslassen; auf der anderen Seite reduzieren sie aber das anzurechnende Einkommen der Person, die den Unterhalt zahlt. Grundsätzlich werden als Familieneinkommen sämtliche Einnahmen der - gemeinsam im Haushalt lebenden - Familienangehörigen berücksichtigt.

Zur Familie zählen neben den Versicherten nur der Ehe- oder der eingetragene Lebenspartner sowie "familienversicherte" Kinder. Auszubildende mit eigenem Krankenversicherungsschutz zählen "solo", BAföG ist kein "Einkommen".

Und so wird das Familieneinkommen 2010 berechnet:

  • Bruttoeinnahmen des Versicherten, seines Ehe-/Lebenspartners und der familienversicherten Kinder
  • minus 4536 Euro für den Ehepartner (über das für allein Erziehende mit einem Angehörigen geltende spezielle Recht informieren die Krankenkassen)
  • minus 6004 Euro für jedes Kind
  • ist gleich die Berechnungsgrundlage für die 2- oder 1-Prozent-Belastungsgrenze.

Als Nachweis der Zuzahlungen dienen übrigens Einzelquittungen (mit Namensangabe) oder die Eintragung im Quittungsheft der Kasse. Dabei zählen Zuzahlungen zum Zahnersatz bei der Ermittlung der Belastungsgrenze nicht mit; hier gelten spezielle Einkommensgrenzen. Kosten für selbst beschaffte Arzneien bleiben völlig außen vor.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

In Westeuropa sterben Deutsche am frühesten

Deutschland hat unter 22 westeuropäischen Ländern die niedrigste Lebenserwartung. Im weltweiten Vergleich gibt es noch immer drastische Unterschiede - von bis zu 40 Jahren. mehr »

Gemeinsam gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Weltantibiotikawoche ist angelaufen: Während die WHO für mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Medizin wirbt, versucht ein Projekt von Ärzten und Kassen die Bürger für Resistenzen zu sensibilisieren. mehr »

Herzschutz-Effekt durch Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren mittels spezieller Fischöl-Kapseln hat in der beim AHA-Kongress präsentierten REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »