Ärzte Zeitung, 17.07.2011

Anlagen-Kolumne

Aktienanleger profitieren von steigender Geldmenge

Die US-Notenbank sieht in der Stimulierung des Aktienmarktes einen großen Konjunktureffekt. Für Investoren ist daher momentan der Rat zur Aktie leicht gegeben.

Von Jens Ehrhardt

Aktienanleger profitieren von steigender Geldmenge

Mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, der deutlich schwächer ausgefallen ist, als vom Markt erwartet, begann ein zügiger Ausverkauf an den Börsen weltweit.

Die Arbeitsmarktdaten offenbarten, dass der selbsttragende Aufschwung in den USA nicht zu sehen ist und dass die Extremmaßnahmen, vor allem die monetäre Stimulierung, bisher wenig bewirkt haben. Wahrscheinlich haben sie aber doch eine noch viel schlimmere Entwicklung abgemildert.

Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn schlechte Nachrichten, wie die vom Arbeitsmarkt oder die fallenden Immobilienpreise recht schnell zu neuen Gelddruckmaßnahmen der Obama-Regierung und der US-Notenbank FED führen werden.

Bereits zum 94. Mal seit 1917

Schließlich sieht die US-Notenbank in der Stimulierung des Aktienmarktes einen der größten Konjunktureffekte auf den US-Verbraucher. Das wäre unter dem Strich gut für die Börse, auch wenn es keine gesunde Entwicklung wäre.

Dass die Amerikaner bis zum 2. August eine Entscheidung zur Anhebung ihrer Schuldengrenze - bei deren Überschreiten sie eigentlich als insolvent gelten - treffen müssen, hört sich dramatisch an. Da dies allerdings bereits zum 94. Mal seit Einführung dieser Grenze im Jahr 1917 stattfindet, sollte dies die Märkte aber nicht stärker beeinflussen.

Auch in Griechenland versucht man, ein überschuldetes Land mit noch mehr Krediten zu retten. Dass selbst bei subventioniert niedrigen Zinssätzen von fünf Prozent die Zinszahlungen in den nächsten Jahren etwa 40 Prozent der Staatseinnahmen (unterstellt dass dies nicht fallen) ausmachen werden, zeigt, an welchem ausweglosen Punkt die Politik hier steht, und dass es nicht primär um die Rettung der Griechen, sondern der Gläubiger geht.

Traurig ist, dass Deutschland keinen ausgeglichenen Haushalt hinbekommt

Traurig ist auch, dass selbst Deutschland im aktuellen Umfeld von außergewöhnlichem Wirtschaftswachstum und enorm niedrigen Zinsen nicht in der Lage ist, einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen. Neben dem starken Deutschland wird Frankreich unverständlicherweise als wichtiger Pfeiler des Euro-Systems gesehen.

Unbeachtet bleibt dabei, dass Frankreich die Neuverschuldung mit neun Prozent drastisch, das heißt dreimal so stark hochfährt wie nach Maastricht-Vertrag erlaubtund dabei aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit kaum Wirtschaftswachstum generiert.

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn nach Griechenland und in der vergangenen Woche Italien demnächst Frankreich stärker im Fokus stünde und für NegativÜberraschungen sorgen würde. Aufgrund der weltweiten monetären Lösungsversuche der Probleme werden Aktien und Sachwerte weiter von steigenden Geldmengen profitieren.

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