Ärzte Zeitung, 16.10.2011

Lebensversicherung: Rechnen zahlt sich aus

Kunden sollten vor Abschluss einer Lebensversicherung genau hinschauen. Denn eine Verzinsung kann sogar negativ ausfallen.

Von Jürgen Lutz

Lebensversicherung: Rechnen zahlt sich aus

Renditen von Lebensversicherungen fallen häufig niedrig aus. Es lohnt sich daher, Versicherungsschutz und Geldanlage zu trennen.

© mapoli-photo / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Der Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt zum 1. Januar 2012 von 2,25 auf 1,75 Prozent. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die Absenkung für die Branche ein willkommener Anlass sein wird, die Werbetrommel zu rühren.

Motto: Nur wer noch in diesem Jahr eine solche Police abschließt, kann sich die höhere Mindestverzinsung für die gesamte Dauer der Laufzeit sichern. Doch allein deswegen sollte sich niemand zum Abschluss hinreißen lassen. Denn faktisch werden die von den Versicherten gezahlten Beiträge niedriger verzinst, wie Experten betonen.

Sparanteil ist nicht gleich eingezahlter Beitrag

Die durchschnittliche Nettoverzinsung der Kapitalanlagen von Lebensversicherungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken - von rund sieben Prozent in den Jahren 1990 bis 2000 auf 4,27 Prozent im Jahr 2010, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) meldet.

Diese Verzinsung beinhaltet die Überschussbeteiligungen, die je nach der Situation an den Kapitalmärkten und dem Geschick des Versicherers bei der Geldanlage auch niedriger ausfallen können, und ist somit nicht garantiert.

Mindestverzinsung bezieht sich auf Sparanteil

"Wer die Renditen von Lebensversicherungen mit festverzinslichen Sparangeboten vergleichen will, sollte daher erst einmal nur die Verzinsung verwenden, die er mit Sicherheit für seine Police erhält", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung in Frankfurt.

Was viele nicht wissen: Diese als Garantiezins benannte Mindestverzinsung bezieht sich, wie auch die tatsächlich erfolgte Verzinsung, nicht auf die gezahlten Beiträge, sondern auf den Sparanteil - und dieser kann deutlich geringer ausfallen als der eingezahlte Beitrag.

Grund für die Diskrepanz: Bei einer Kapitallebensversicherung werden vom Beitrag der Versicherten nicht nur die Prämien für die Absicherung der Risiken, sondern auch die Kosten für Vertrieb und Verwaltung abgezogen.

Lebensversicherung

Lebensversicherungen erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit: Mehr als 90 Millionen aktuell laufende Policen wurden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft abgeschlossen.

Zu unterscheiden ist zwischen Kapitallebensversicherungen (KLV) und privaten Rentenversicherungen (RV). Beide kombinieren zwar Geldanlage und Risikoschutz, doch sie versichern unterschiedliche Risiken: KLV sichern den Todesfall ab, RV hingegen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko, denn sie zahlen eine vorher festgelegte Rente bis zum Ableben des Versicherten.

Der Bund der Versicherten weist darauf hin, dass KLV auch unter anderen Namen vertrieben werden, etwa dem der Ausbildungsversicherung.

Wie hoch deren Anteil genau ist, müssen die Gesellschaften den Versicherten nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) nicht mitteilen, wenn der Vertrag vor dem 1. Juli 2008 abgeschlossen wurde.

Nach den Worten von Tom Friess vom Vermögenszentrum in München dürften aber durchschnittlich zwei Drittel des Beitrags in den Vermögensaufbau fließen. Der Rest sei für die Verwaltungs- und Risikokosten reserviert, so Friess.

Der Wertzuwachs liegt oft unter einem Prozent

Eine aktuelle Erhebung der FMH-Finanzberatung auf Basis der Angaben der Versicherer zeigt, dass die garantierte jährliche Verzinsung bei einer Laufzeit von zwölf Jahren sogar leicht negativ werden kann. "Bei der Allianz zahlt ein 35-jähriger Mann bei einem Tarif für die garantierte Auszahlung von 50.000 Euro im Lauf der zwölf Jahre 50.232 Euro ein", so FMH-Inhaber Herbst.

Bei Cosmos Direkt betrage der garantierte Wertzuwachs zwar 2.791 Euro, doch das entspreche mit 0,95 Prozent noch immer einer jährlichen Rendite auf die gezahlten Beiträge von unter einem Prozent.

Auch länger laufende Verträge schneiden nach Herbsts Berechnungen unwesentlich besser ab. So zahlt ein 35-jähriger für eine garantierte Auszahlungssumme von 100.000 Euro über 30 Jahre hinweg je nach Anbieter insgesamt zwischen 80.500 und 87.300 Euro ein - das entspricht nach Herbsts Worten einer garantierten jährlichen Beitragsrendite zwischen 0,89 und 1,40 Prozent.

Verbraucherschützer: Versicherungsschutz und Geldanlage voneinander trennen

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist das Fazit klar: Versicherungsschutz und Geldanlage sollten voneinander getrennt werden. Um die finanziellen Folgen des eigenen Todesfalls abzusichern, empfiehlt etwa der BdV den Abschluss einer günstigen Risikolebensversicherung.

Und wer sein Geld festverzinslich und ohne Kursrisiko anlegen will, kann auf Angebote der Banken zurückgreifen. Aktuell zahlt etwa die Deutsche Bank für einen Ansparplan über zwölf Jahre 2,75 Prozent im Jahr - garantiert.

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