Ärzte Zeitung, 23.04.2013

Aktienmarkt in Südkorea

Kims Kriegsgelüste befeuern Investor-Fantasien

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un schießt verbal scharf gegen Südkorea und die USA. Die Kriegsdrohungen haben die Kurse an der Börse in Seoul abstürzen lassen. Anleger können davon profitieren.

Von Richard Haimann

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In Pjöngjang demonstriert Nordkorea gerne seine angebliche militärische Stärke - so bei der Militärparade vor einem Jahr am 15. April anlässlich des 100. Geburtstages von Staatsgründer Kim Il-sung.

© dpa

NEU-ISENBURG. Die seit Wochen anhaltenden Kriegsdrohungen Nordkoreas bringen die Börse im südlichen Nachbarland unter Druck. Analysten sehen darin eine Kaufgelegenheit.

Seit Anfang März rasselt das Regime in Pjöngjang mit dem Säbel, um wirtschaftliche Sanktionen durch die Vereinten Nationen abzuwenden.

Zuvor hatte Diktator Kim Jong-un im Februar einen Atombombentest befohlen und damit gegen UN-Auflagen verstoßen.

Der kommunistische Staat im Norden des seit 1948 geteilten Landes kann seine 24 Millionen Einwohner nicht allein ernähren und ist auf Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Ausländische Investoren sind nervös

Vergangene Woche verschärfte Nordkorea nochmals seine Drohungen und kündigte gegen Südkorea und dessen Schutzmacht USA "Vergeltungsaktionen ohne Vorwarnungen" an. Das hat vor allem ausländische Investoren nervös gemacht.

Sie haben nach Angaben der Börse in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in den vergangenen Wochen Aktien im Wert von umgerechnet 115 Milliarden Euro abgestoßen. Der Leitindex Kospi, der die Aktienkurse der 200 größten Unternehmen des Landes widerspiegelt, ist um 6,5 Prozent gefallen.

"Investoren aus anderen Ländern sind wegen der Kriegsrhetorik sehr verunsichert", sagt Im Jeon-jae, Stratege bei BNP Paribas in Seoul. Südkoreanische Anleger hingegen hätten kaum Aktien abgestoßen. Einige haben eher weitere Papiere gekauft.

Das sei nicht überraschend, meint Moritz Westerheide, Analyst der Bremer Landesbank. "Südkoreaner sind die seit Jahrzehnten immer wiederkehrenden Verbalattacken aus dem Norden gewohnt und bleiben daher auch diesmal gelassen." Dass der Norden Südkorea angreift, erwarten Experten nicht.

"An einem Krieg hat das Regime kein Interesse, weil es weiß, dass dies sein Ende wäre", sagt Janis Hübner, Volkswirt und Länderanalyst Südostasien der DekaBank. Nordkoreas Armee verfüge nur über völlig veraltete Panzer und Flugzeuge.

Kurserholung nach Entspannung?

Kim Sang-chui, Leiter Investment Korea beim britischen Vermögensverwalter Schroders, sieht deshalb jetzt eine Einstiegsgelegenheit bei südkoreanischen Aktien: "In der Vergangenheit haben sich deren Kurse immer sehr schnell wieder erholt, sobald die Spannungen vorüber waren."

Auch Westerheide sieht die Krise als Chance: "Anleger haben jetzt die Möglichkeit, günstig an Aktien von Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zu gelangen."

Südkorea zählt zusammen mit Taiwan und Singapur zu den sogenannten Tigerstaaten Asiens, die den Sprung von Entwicklungsländern zu exportorientierten Industrienationen geschafft haben. "In vielen Bereichen der Hochtechnologie ist Südkorea weltweit Marktführer", sagt Westerheide.

In der Herstellung von Flachbildschirmen, Computern, Smartphones und der Chipproduktion haben südkoreanische Unternehmen wie LG Electronics und Samsung eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Hyundai Heavy Industries zählt zu den größten Werftbetreibern der Welt und gilt als Spezialist für den Bau von Gas- und Chemietankern.

Die koreanischen Automobilhersteller Hyundai Motors und Kia Motors profitieren von der steigenden Fahrzeugnachfrage in Asien und vom wieder anziehenden Markt in den USA.

Auch in Deutschland findet Hyundai zunehmende Akzeptanz. Der koreanische Hersteller belegte im Qualitätsreport der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Deutschland 2010 und 2011 jeweils den ersten Rang.

"All diese koreanischen Unternehmen werden in den kommenden Jahren durch deutliche Exportzuwächse von der Erholung der Weltkonjunktur profitieren", sieht Westerheide gute Chancen auf steigende Kurse.

Außer über Einzelinvestments können Anleger auch über den Indexfonds Lyxor ETF MSCI Korea in den fernöstlichen Markt einsteigen. Anteile können ohne Ausgabeaufschlag direkt an der Börse erworben werden. Die Verwaltungsgebühr beträgt maximal 0,65 Prozent pro Jahr.

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