Ärzte Zeitung, 19.10.2015

Betongold

Mietimmobilien erleben eine Renaissance

Immobilien als Kapitalanlage haben Charme. Wer die richtige Wahl trifft, dem winken hohe Renditen. Potenzial bieten vor allem Objekte außerhalb der Metropolen.

Von Richard Haimann

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Kleine und mittelgroße Wohnungen können zum Beispiel Studenten als Mieter anziehen.

© ArTo/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Mit Mietwohnungen in Universitätsstädten und Ferienimmobilien können Anleger auch weiterhin attraktive Erträge erzielen. Experten erwarten, dass der Trend vor allem in mittelgroßen Städten und bei Ferienimmobilien anhält.

Die Statistiker der Bundesbank haben genau nachgerechnet. Das Ergebnis dürfte all jene Anleger glücklich stimmen, die in den vergangenen Jahren eine Mietwohnung in einer deutschen Großstadt erworben haben. Dort gewannen Wohnimmobilien der Studie zufolge seit 2010 mehr als 40 Prozent an Wert.

"Jedes Jahr legten die Preise im Schnitt um sieben Prozent zu", sagt Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands der Bundesbank. In mittelgroßen Städten wie Dresden, Hannover, Ingolstadt oder Nürnberg gewannen Wohnungen im selben Zeitraum rund 27 Prozent an Wert.

Selbst ohne die Wertzuwächse hätten sich die Investments rentiert, weil Anleger aus den Mieteinnahmen in Relation zum Kaufpreis Renditen von zum Teil mehr als fünf Prozent pro Jahr erzielen konnten.

"Mit Wohnungen in guten Lagen konnten Privatanleger in den vergangenen fünf Jahren Renditen von über 60 Prozent einfahren und damit bereits mehr als die Hälfte des Kaufpreises wieder hereinholen", sagt Andreas Schulten, Vorstand der Berliner Immobilienforschungsgesellschaft bulwiengesa.

Keine Angst vor Spekulationsblase

Der starke Preisanstieg hat allerdings Ängste vor einer Spekulationsblase am Wohnungsmarkt geweckt. Diese Gefahr sieht Bundesbank-Vorstand Dombret jedoch nicht: "Die Zeichen stehen keineswegs auf Sturm." Zwar gebe es in Teillagen von Metropolen wie Berlin, Hamburg und München Überbewertungen.

Der Anstieg der Preise spiegele aber "auch einen Aufholprozess wider", sagt Dombret. Denn von 1996 bis 2010 stagnierten die Wohnungspreise oder waren sogar gefallen, weil die meisten Kapitalanleger lieber auf Aktien setzen.

"Erst der Ausbruch der Finanzkrise hat Anleger wieder in größerer Zahl Sicherheit im Betongold suchen lassen", berichtet Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobilienberatungsgesellschaft Catella.

Allerdings sind die Wohnungspreise in den Ballungszentren zuletzt deutlich stärker gestiegen als die Mieten. Diese werden zudem in Großstädten wie Berlin und Hamburg seit Juli durch die Mietpreisbremse massiv gedeckelt.

"Wer auf dem heutigen Preisniveau eine Mietwohnung an Spree, Alster oder Isar erwirbt, muss sich mit Nettorenditen von weniger als drei Prozent begnügen", so Beyerle. Deshalb sei das Wertzuwachspotenzial in den Metropolen vorerst begrenzt.

Etablierte Unis ziehen viele Studenten

Immer mehr Anleger weichen deshalb auf mittelgroße Städte oder auf Universitätsstandorte in der Provinz aus.

"Etablierte Universitäten mit zum Teil jahrhundertealter Tradition wie in Erlangen, Göttingen, Halle, Jena und Münster werden auch künftig in großer Zahl Studenten anziehen und damit für kontinuierliche Nachfrage nach Wohnungen in diesen Städten sorgen", ist sich Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum sicher.

Vorsicht bei älteren Objekten

Andere Kapitalanleger setzen hingegen auf Ferienimmobilien, die sie entweder ganz oder zeitweise im Jahr vermieten und die restliche Zeit selbst nutzen.

"Mit der Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen in deutschen Urlaubsregionen konnten Anleger seit 2010 pro Jahr Bruttorenditen von durchschnittlich 7,9 Prozent erzielen", versichert Aye Helsig, Chef des Ferienimmobilienvermieters FeWo-Direkt, der die Erträge seiner Kunden in einer Studie ermittelt hat.

Allerdings müssen Anleger beim Kauf älterer Objekte darauf achten, dass diese auch dauerhaft an Urlauber vermietet werden können. Das ist nicht in allen Gemeinden möglich.

Dieses Problem gebe es jedoch nicht beim Kauf neuer Objekte, sagt Researcher Beyerle. Denn "neue Ferienimmobilien dürfen nur auf Grundstücken errichtet werden, die für diese Nutzung ausgewiesen sind."

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