Ärzte Zeitung, 09.11.2016

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Kopf-an-Kopf-Rennen

Die Beitragsdynamik in privater und gesetzlicher Krankenversicherung gleicht sich zunehmend an.

Von Ilse Schlingensiepen

Kopf-an-Kopf-Rennen

Größere Unterschiede beim Beitragsplus? Die gab es in GKV und PKV zuletzt von 1995 bis 2000.

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KÖLN. Die Beiträge der Versicherten für den Krankenversicherungsschutz haben in den vergangenen Jahren in der GKV und der PKV ungefähr im selben Umfang zugelegt. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

Für die Untersuchung wurden die Einnahmen von GKV und PKV auf die einzelnen Versicherten heruntergerechnet. Ergebnis: Im Zeitraum 2007 bis 2017 kommt die GKV ohne den aus Steuermitteln finanzierten Bundeszuschuss pro Versichertem im Schnitt auf eine jährliche Beitragssteigerung von 3,2 Prozent, mit dem Zuschuss sind es 3,8 Prozent.

In der PKV beträgt der durchschnittliche Wert 3,0 Prozent. Für 2016 und 2017 haben die Forscher die prognostizierten Erhöhungen veranschlagt. Für die GKV sind das 7,3 Prozent von 2015 bis 2017, für die PKV 2,3 Prozent für 2016 und 8,0 Prozent für 2017.

Früher sah das Verhältnis noch anders aus. So gab es 1995 bis 2000 bei den Gesetzlichen – ohne Bundeszuschuss – ein Plus von 13,3 Prozent, bei den Privaten von 16,5 Prozent. 2000 bis 2005 stand einem Anstieg von 9,8 Prozent in der GKV ein Plus von 28,8 Prozent in der PKV gegenüber.

"Der Anstieg der Einnahmen in der GKV resultiert vor allem aus einer Zunahme des beitragspflichtigen Einkommens, aus einem Anstieg des Beitragssatzes und einer Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sowie des Bundeszuschusses", heißt es in der Analyse.

In der PKV basiere die Zunahme der Beitragseinnahmen je Versichertem dagegen auf der Prämienentwicklung. "Wesentliche Determinanten sind tarifabhängige Prämiensteigerungen sowie Tarifwechsel."

Der Vergleich der Beitragseinnahmen beider Systeme zeige, wie ähnlich sich die Beiträge entwickeln, so der Direktor des PKV-Verbands Dr. Volker Leienbach. "Doch während die GKV jedes Jahr automatisch steigende Beiträge erhält, muss die PKV warten, bis die Kosten starre Schwellenwerte übersteigen."

Damit verweist Leienbach auf die Abhängigkeit der PKV-Unternehmen von den sogenannten auslösenden Faktoren. Sie können erst bei starken Veränderungen der Schadenaufwendungen oder der Sterbewahrscheinlichkeit die Beiträge anpassen und müssen dann auch die Zinsentwicklung berücksichtigen; Folge sind zum Teil heftige Beitragssprünge.

Die Versuche der Privaten, auf politischen Weg Änderungen an dieser Systematik durchzusetzen, blieben bislang erfolglos.

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