Ärzte Zeitung, 04.04.2017
 

Bilanz

Niedrige Zinsen können der apoBank nichts anhaben

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sieht sich in der anhaltenden Niedrigzinsphase weiterhin bestens aufgestellt. In den kommenden Jahren will die Bank vor allem in drei Geschäftsfeldern kräftig wachsen: Existenzgründungen, Wertpapiergeschäft und Firmenkunden.

Von Hauke Gerlof

Niedrige Zinsen können der apoBank nichts anhaben

Auch im Niedrigzinsumfeld bei den Erträgen auf der Sonnenseite: die Deutsche Apotheker- und Ärztebank.

© apoBank

FRANKFURT/MAIN. Der Strukturwandel im Gesundheitswesen macht sich auch in den Bilanzen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) bemerkbar. Die genossenschaftlich organisierte Standesbank wächst vor allem in den Bereichen, in denen das Wachstum in der Gesundheitswirtschaft am stärksten ist. Das hat sich bei der Vorlage der Jahreszahlen der apoBank für 2016 erneut bestätigt.

Mehr als 2000 Existenzgründungen von Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und Tierärzten habe die Bank im vergangenen Jahr finanziert, berichtete Vorstandsvorsitzender Herbert Pfennig vor der Presse in Frankfurt am Main. Darlehen in Höhe von 6,4 Milliarden Euro habe die Bank im vergangenen Jahr ausgereicht und damit das Ergebnis vom Vorjahr nochmals übertroffen. Angesichts des Rückgangs bei Praxisgründungen "deutet das auf einen wachsenden Marktanteil, und den wollen wir auch weiter ausbauen", sagte Pfennig.

Extrem niedrige Ausfallquote

Das Existenzgründungsgeschäft bleibt nach den Worten des Vorsitzenden eines der drei wichtigsten strategischen Felder der Bank. Das liege auch an der "überdurchschnittlich guten Bonität" im Kreditportfolio: "Nur drei von 1000 Kreditnehmern im Privatkundensegment kommen ihren Verpflichtungen gegenüber der Bank nicht nach – und das heißt nicht, dass diese Kredite dann ausfallen", betonte Pfennig. Durch Aufklärung über die Chancen der Selbstständigkeit will die Bank daher bei Existenzgründungen weiter wachsen.

Die beiden anderen strategischen Felder für weiteres Wachstum sind eine Erhöhung des Depotvolumens im Wertpapiergeschäft und das Geschäft mit Firmenkunden. Das Depotvolumen der Privatkunden der Bank liege aktuell bei 7,2 Milliarden Euro. Damit sei man "noch lange nicht zufrieden", so Pfennig. In den nächsten Jahren will die Bank zehn Milliarden Euro Depotvolumen erreichen.

Fast 110.000 Mitglieder

Bei Firmenkunden – zum Beispiel mittelständische Unternehmen im Pharmagroßhandel, der Medizin- und Dentaltechnik und in der Pharmaindustrie – ist die Dynamik noch höher: 2016 sei die Bank beim Kreditvolumen an Firmenkunden um 20 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gewachsen, in den kommenden fünf Jahren "wollen wir die Ausleihungen auf fünf Milliarden Euro ausweiten", kündigte Pfennig an.

Trotz des Niedrigzinsumfeldes hat die Bank mit dieser Strategie ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 hingelegt: Nach Reservenbildung habe man ein Betriebsergebnis vor Steuern in Höhe von 159,6 Millionen Euro erreicht (plus vier Prozent). Der Jahresüberschuss stieg um 3,2 Prozent auf 61 Millionen Euro. Vorgeschlagen wird daher wiederum eine Dividende von vier Prozent für die 109.680 Mitglieder (2015: 107.768).

Die Niedrigzinsphase hinterließ vor allem Spuren im operativen Ergebnis vor Risikovorsorge, das von 304,8 Millionen Euro – "erwartungsgemäß", wie Pfennig anmerkte – auf 249,2 Millionen Euro zurückging. Ausgeglichen wurde dies vor allem durch einen leicht gestiegenen Provisionsüberschuss im Wertpapiergeschäft und durch das – für Banken äußerst seltene – positive Ergebnis der Risikovorsorge im operativen Geschäft.

Die apoBank sei bei Neuausleihungen wie beim Wertpapiergeschäft 2017 "fulminant gestartet", berichtete der Vorstandsvorsitzende. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet die Bank ein operatives Ergebnis vor Risikovorsorge unter dem Vorjahreswert. Der Jahresüberschuss wird jedoch in ähnlicher Höhe wie 2016 erwartet.

In Kürze – apoBank 2016

» Anzahl Kunden: 416.000 (plus 19.000 im Vorjahresvergleich)

» Anzahl Mitglieder: 109.680 (2015: 107.768)

» Neuausleihungen: 6,4 Milliarden Euro (2015: 6,3 Mrd. Euro)

» Zinsüberschuss: 625,6 Millionen Euro (2015: 675,2 Mio. Euro)

» Provisionsüberschuss: 139 Millionen Euro (2015: 133 Mio. Euro)

» Risikovorsorge: – operatives Geschäft: plus 5,7 Millionen Euro (2015: -39,2 Mio. Euro) – Vorsorge mit Reservecharakter: 95,3 Millionen Euro (2015: 112,2 Mio. Euro) – Ergebnisrücklagen: 16 Millionen Euro (2015: 15 Mio. Euro)

» Jahresüberschuss: 61 Millionen Euro (2015: 59,1 Mio. Euro)

» Dividendenvorschlag: 4 % auf das eingezahlte Genossenschaftskapital.

» Harte Kernkapitalquote: 22,6 Prozent (2015: 22,0 Prozent)

» Mitarbeiter: 2598 (2015: 2563)

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