Ärzte Zeitung online, 22.01.2018

Kapitalanlage

Anziehende Konjunktur lässt Anlegerherzen höher schlagen

Experten raten zu gezielter Aktienwahl. Denn dauerhaft hohe Ausschüttungen erwirtschaften nur Unternehmen mit solidem Geschäftsmodell.

Von Richard Haimann

Anziehende Konjunktur lässt Anlegerherzen höher schlagen

Ökonomen und Analysten erwarten weiteres Wirtschaftswachstum.

© richterfoto / Getty Images / iSt

NEU-ISENBURG. Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr nicht nur Rekordgewinne eingefahren. Sie kehren daraus in den kommenden Monaten auch so hohe Dividenden wie nie zuvor an ihre Aktionäre aus. Allein die im Leitindex Dax zusammengefassten 30 größten Konzerne schütten 35,3 Milliarden Euro aus. "Das entspricht einem Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp, der die Daten errechnet hat.

Der Grund für den neuen Dividendenrekord: Weltweit zieht die Konjunktur deutlich an. "Das globale Wirtschaftswachstum beschert den Unternehmen aus der Export-Nation Deutschland steigende Gewinne und führt zu steigenden Ausschüttungen an die Aktionäre", sagt Titus Schlösser, Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Portfolio Concept.

Rund 2,8 Prozent beträgt auf dem gegenwärtigen Kursniveau die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Werte – deutlich mehr als Festgeldkonten bieten. Anleger seien deshalb gut beraten, in Aktien von dividendenstarken Unternehmen zu investieren, sagt Frank Wieser, Geschäftsführer der Düsseldorfer Vermögensverwaltung PMP. "Sie gehören in jedes Portfolio." Denn nachhaltige Ausschüttungen sorgen für stete Erträge, unabhängig vom Auf und Ab der Börsenentwicklung.

Konjunktur soll weiter wachsen

Für dieses Jahr erwarten Ökonomen und Analysten eine Fortsetzung des weltweiten Konjunkturwachstums. Das sollte Unternehmen zu noch höheren Gewinnen und Aktionären zu noch höheren Dividendeneinnahmen verhelfen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Anleger mit allen Dax-Titeln gleich gut fahren. "Die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen hängt davon ab, ob die Unternehmen ein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell haben", sagt Schlösser. Denn auch scheinbar langfristig etablierte Geschäftsmodelle können schnell zusammenbrechen.

Ein Beispiel dafür sind die Energieversorger E.ON und RWE. Beide waren jahrzehntelang solide Dividendenbringer – bis die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 den Ausstieg aus der Atomkraft beschloss. Dies zwang die Konzerne, massive Rückstellungen für den Abriss ihrer Kernkraftwerke zu bilden. Die Dividenden wurden gekappt, die Aktienkurse brachen ein.

Konsumgüter als sichere Bank

Aktuell steht die Autoindustrie durch neue Technologien vor einer massiven Umwälzung. Ob bei der Entwicklung von Elektromobilen und selbstfahrenden Wagen die deutschen Hersteller, Stütze der hiesigen Exportwirtschaft, ihre führende Rolle behalten oder gegen ausländische Konkurrenten verlieren werden, ist offen.

Wieser rät Anlegern, zu Papieren von Konzernen zu greifen, die in der Vergangenheit "ihre Ausschüttungen in guten Wirtschaftsphasen stetig gesteigert und in Konjunkturabschwüngen konstant gehalten haben". Dies gelinge nur Unternehmen mit sehr soliden Geschäftsmodellen.

 Dazu zählen Hersteller von Produkten des täglichen Bedarfs – etwa die Konsumgüterkonzerne Beiersdorf und Henkel. Chemie- und Pharmaunternehmen wie BASF, Bayer und Merck verdienen mit ihren Produkten ebenfalls auch in Abschwungphasen, weil Medikamente immer benötigt werden.

Fonds wie der DWS Top Dividende investieren global in eine breite Zahl von Konzernen, die hohe Beträge auskehren. Werden Fondsanteile direkt über die Börse gekauft, sparen sich Anleger die Ausgabeaufschläge. "Allerdings haben etliche Dividendenfonds in jüngster Zeit enttäuscht, weil sie viele US-Aktien im Portfolio haben", sagt Wieser.

Da der Euro zuletzt stark gegen den US-Dollar gestiegen ist, sind in den in Euro notierenden Fonds die Aktienwerte der US-Konzerne gefallen. "Die Kunden haben zwar eine ordentliche Ausschüttung aus den Fonds", sagt Wieser. Durch den hohen Anteil der US-Werte mussten sie zum Teil Verluste hinnehmen. Dies würde sich ändern, wenn der Dollar wieder gegen den Euro steigt.

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