Ärzte Zeitung online, 26.01.2018

Anlage

Operation Gesundheit – an der Börse meist mit guter Prognose

Aktien von Pharma- und Medizintechnikunternehmen zählen zu vielversprechenden Papieren mit attraktiven Dividenden. Da sehen Konzerne Potenzial zur Abspaltung ihrer Gesundheitssparte – wie aktuell zum Beispiel Siemens.

Von Richard Haimann

Operation Gesundheit – an der Börse meist mit guter Prognose

Bildgebende Verfahren werden immer innovativer – das freut am Ende auch die Aktionäre der betreffenden Medizintechnikanbieter.

© sudok1/stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Es wird einer der größten deutschen Börsengänge der vergangenen Jahre werden: Siemens will voraussichtlich noch vor Ostern seine Medizintechniksparte Healthineers auf das Parkett führen. Analysten schätzen ihren Wert mit mehr als 30 Milliarden Euro ein.

Vor allem für Anleger, die langfristige Investments mit attraktiven Dividendenrenditen suchen, dürfte das neue Papier interessant sein. Siemens-Finanzvorstand Jochen Schmitz stellt vorab bereits hohe Ausschüttungen aus den Gewinnen in Aussicht: "Wir geben künftigen Aktionären schon vor dem Börsengang ein klares Signal einer hohen Dividende relativ zum Konzernergebnis."

Pharma- und Medizintechnikunternehmen gehen guten Zeiten entgegen. In den Industrienationen leben die Menschen immer länger und benötigen deshalb immer mehr Medikamente und Therapien. Allein in Deutschland steigen die Gesundheitsausgaben seit Jahren deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt.

Inzwischen wenden gesetzliche und private Krankenversicherer nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes pro Jahr mehr als 344 Milliarden Euro für ihre Versicherten auf.

Nächster großer Kondratieff-Zyklus?

In den kommenden Jahren dürften die Aufwendungen in Europa, Nordamerika sowie in Japan massiv steigen, denn die Angehörigen der Babyboomer-Generation – der letzten geburtenstarken Jahrgänge von Anfang der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre – gehen nun in Rente.

"Einige Experten sehen deshalb das Thema Gesundheit als nächsten großen Kondratieff-Zyklus", sagt Ralph Rickassel, Stratege bei der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement.

Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratieff hat die globale Konjunkturentwicklung seit der Entwicklung der Dampfmaschine vor mehr als 200 Jahren hinweg analysiert und dabei festgestellt, dass sie in großen Innovationszyklen verläuft. Wurde der erste Zyklus durch die Dampfmaschine angestoßen, folgte von 1850 an der zweite Zyklus durch die Eisenbahn.

Der jüngste Kondratieff-Zyklus setzte um 1990 mit dem Internet ein. Jede einzelne Welle mehrte die Lebensqualität der Menschen und brachte den Aktionären jener Unternehmen, die maßgeblich an der Entwicklung der jeweiligen neuen Technik beteiligt waren, hohe Gewinne ein.

Privatanleger sollten erst abwarten

Das scheint nun auf Pharma- und Medizintechnikaktien zuzutreffen: "Seit Jahren zeigen Gesundheitswerte eine Outperformance gegenüber dem Aktienmarkt insgesamt", sagt Mirjam Heeb, Portfoliomanagerin für Healthcare-Aktien bei der Zürcher Anlagegesellschaft GAM.

Deutlich macht dies ein Vergleich des MSCI World Index, der die Kursentwicklung der größten börsennotierten Konzerne der Welt widerspiegelt, mit dem MSCI World Health Care Index, der die Performance der weltweit größten Pharma- und Medizintechnikunternehmen wiedergibt. In den vergangenen fünf Jahren stieg der MSCI World um 92 Prozent, der MSCI World Health Care jedoch um 105 Prozent.

Mit einem geschätzten Marktwert von 30 Milliarden Euro hat die Medizintechniksparte von Siemens gute Chancen, in den MSCI World Health Care Index aufgenommen zu werden. Das dürfte viele institutionelle Investoren aus dem In- und Ausland locken. Privatanleger werden deshalb wenig Chancen eingeräumt, Aktien direkt beim Börsengang zugeteilt zu bekommen.

 Interessierte Anleger sollten die Kursentwicklung in den ersten Handelstagen verfolgen und kaufen, wenn sich der Preis eingependelt hat, sagt ein Frankfurter Händler. "Am ersten Handelstag kommt es häufig zu übertriebenen Preisaufschlägen nach oben." Anleger liefen dann Gefahr, zu viel zu zahlen.

Siemens bringt seine Medizintechniksparte auf das Parkett, um damit deren stille Werte zu heben. An der Börse würden Medizintechnik-Unternehmen höher bewertet als Technologiekonzerne wie Siemens, verlautet aus dem Konzern.

Das Unternehmen selbst will einen Teil der Aktien weiterhin selbst halten und so vom Kursgewinn und den Dividendenausschüttungen der Tochter profitieren. Erfahrungen mit Abspaltungen hat Siemens bereits. In der Vergangenheit wurden das Halbleiter-Geschäft mit der Tochter Infineon und die Windkraftsparte Siemens Gamesa auf das Parkett geführt.

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