Ärzte Zeitung online, 16.09.2019

Geldanlage

Gesundheit im Depot kann sich lohnen

Die Pharmaindustrie steigert kontinuierlich Umsatz, Gewinn und Dividenden. Um nicht bei Turbulenzen einzelner Branchentitel durchgeschüttelt zu werden, können Anleger auf ETF-Fonds setzen, die das Kapital breiter streuen.

Von Richard Haimann

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Kurseinbruch bei einer Pharmaaktie? Wer ruhig schlafen will, kann auf Fonds setzen.

© HerrBullermann / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Die Pharmabranche wächst und wächst. In Deutschland wurden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums im vergangenen Jahr 41,1 Milliarden Euro an verschreibungspflichtigen Medikamenten abgesetzt – ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber 2017. Darüber hinaus vermeldet der Deutsche Apothekerverband für 2018 Verkäufe von verschreibungsfreien apothekenpflichtigen Arzneimitteln im Gesamtwert von 4,82 Milliarden Euro.

Experten rechnen mit weiteren Zuwächsen. „2020 dürfte der globale Gesundheitssektor voraussichtlich eine 8700 Milliarden US-Dollar schwere Branche sein“, sagt Howie Li, Leiter ETF bei Legal & General Investment Management (LGIM). Der Londoner Finanzdienstleister hat deshalb jetzt einen neuen börsennotierten Indexfonds auf Pharmatitel aufgelegt.

Indexfonds, nach der englischen Bezeichnung „Exchange Traded Fund“ kurz ETF genannt, bilden passiv einen Index nach. Deshalb sind die Verwaltungsgebühren deutlich geringer als bei aktiv gemanagten Fonds. Da Anteile ausschließlich an der Börse gehandelt werden, entfällt zudem der Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent.

Disruptive Technologien im Blick

Der neue L&G Healthcare Breakthrough UCITS ETF setzt jedoch nicht auf Arzneimittelproduzenten, sondern auf Unternehmen, die sich der Entwicklung neuer Diagnosemethoden und der Medizinrobotik verschrieben haben. „Solche neuen, disruptiven Technologien transformieren derzeit alle Wirtschaftsbereiche“, sagt Li.

Aber auch klassische Pharmakonzerne dürften in den kommenden Jahren vom globalen Wachstum im Gesundheitswesen profitieren. In den Industrienationen erreichen die Babyboomer der geburtenstarken Jahrgänge aus den 1950er- und 1960er-Jahren das Seniorenalter – jene Phase im Leben, in der Menschen besonders viele Medikamente benötigen. In den Entwicklungsländern wiederum wächst die Mittelschicht – und damit die Zahl der Patienten, die höhere Gesundheitsausgaben stemmen können.

Das dürfte dafür sorgen, dass börsennotierte Arzneimittelproduzenten auch in schwachen Konjunkturphasen wachsende Umsätze und Gewinne erzielen und ihre Dividendenausschüttungen anheben können.

Vermehrt Kaufempfehlungen für Pharmatitel ausgesprochen

Angesichts der durch den Handelskrieg mit China gewachsenen Sorgen um die Wirtschaft in den USA haben dortige Analysten zuletzt vermehrt Kaufempfehlungen für Pharmatitel ausgesprochen, da diese ein Depot gegen Kurseinbrüche stützen könnten. „Aktien von Pharmaunternehmen sollten im Portfolio berücksichtigt werden“, sagt auch Michael Thaler, Vorstand der Münchner Anlageberatungsgesellschaft TOP Vermögen.

Allerdings können auch Aktien von Arzneimittelherstellern hohe Kursverluste erleiden. Das kann der Fall sein, sollte es zum Beispiel – gerade in den USA – zu nennenswerten juristischen Auseinandersetzungen kommen, deren Klärung eine längere Zeit in Anspruch nimmt. Diese Streitfälle müssen bei Mischkonzernen noch nicht einmal unbedingt die jeweilige Pharmasparte des Unternehmens treffen.

Da Anleger unmöglich vorhersehen können, welches Pharmaunternehmen wann mit einer Klage überzogen wird, raten Experten mit aktiv gemanagten Fonds oder ETF breit in Branchenwerte zu investieren. Für ETF sprechen deren geringe Gebühren. Aktiv verwaltete Fonds können hingegen überdurchschnittliche Renditen erzielen, wenn ihre Manager gute Arbeit machen.

Minimale Volatilität schützt Anleger

Anleger, die ihr Depot gegen starke Kurseinbrüche absichern wollen, sollten hingegen auf „ETF auf Minimum Volatility Indizes setzen“, rät Andreas Schyra, Geschäftsführer des Essener Vermögensverwalters IPAM. Diese Indizes sind aus Aktien zusammengesetzt, deren Kurse in der Vergangenheit nur sehr geringe Ausschläge nach unten aufzeigten.

„Beispielhaft dafür sind die Indizes MSCI World Minimum Volatility oder MSCI Europe Minimum Volatility“, sagt Schyra. Bei einem ETF auf ersteren Index wird das Kapital der Anleger weltweit, beim zweiten Index nur über die europäischen Werte mit den geringsten Kursausschlägen gestreut.

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