Ärzte Zeitung, 10.05.2010

Schwellenländer überzeugen Anleger mit soliden Zinsen

In der gegenwärtigen Griechenland-Krise lohnt sich für Anleger ein Blick auf die Schwellenländer. Diese bieten derzeit attraktivere Perspektiven als manches Euro-Land.

Von Gottfried Urban

Die Zeiten ändern sich: Vor etwa 30 Jahren beherrschte der Schuldenerlass für die Schwellenländer die wirtschaftspolitische Agenda. Heute könnten uns Gelder aus den Emerging Markets aus der Krise helfen. Schließlich haben die Schwellenländer gegenwärtig eine weit geringere Schuldenlast zu stemmen als die Industrienationen. Die jüngsten Entwicklungen in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien führen uns dies schonungslos vor Augen.

Demzufolge landet der findige Anleger auf der Suche nach soliden Staatshaushalten beinahe zwangsläufig bei den Schwellenländern. Viele Emerging Markets haben die Finanzkrise überraschend gut überstanden und sollten nicht nur bei Insidern zum Standardrepertoire im Anlagespektrum gehören.

Auch in Zukunft wird viel Geld in die aufstrebenden Märkte fließen. Bezeichnenderweise empfehlen ausgewiesene Experten momentan eher Staatsanleihen von ausgewählten Schwellenländern als so manches Staatspapier aus dem europäischen Raum. Die ausufernden Schulden der europäischen Staaten schrecken immer mehr Anleger ab.

Während sich die Schwellenländer früher durch ungeheure Haushaltsdefizite, stets wiederkehrende Währungsabstürze, Geldentwertung, ein schuldenfinanziertes Wachstum, unsichere politische Verhältnisse und eine schwache Binnennachfrage auszeichneten, stehen sie heute im Kurs der Investoren weit oben.

Zwar gelten die genannten Risikofaktoren für manche Schwellenländer noch immer, in puncto Schuldenlast hat sich die Situation aber verändert. Nach Information des IWF haben sich zahlreiche Industrieländer mittlerweile mit einem weit dramatischeren Schuldenhaushalt auseinander zu setzen als die besagten Schwellenländer.

Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Zudem sparen die privaten Haushalte der Emerging Markets im Durchschnitt etwa 34 Prozent des Einkommens. Und auch die Währungen zahlreicher Schwellenländer gewinnen an Attraktivität. Die Zinspapiere werden mittlerweile überwiegend als solide eingestuft. Dies liegt auch daran, dass zahlreiche Schwellenländer Handelsbilanzüberschüsse aufweisen, die unter anderem auf der Rohstoffpreis-Entwicklung der vergangenen Jahre basieren. Somit können die Staaten auf hohe Devisenreserven und gesunde Haushalte verweisen.

Der Kreditqualität von Schwellenländern wurde auf dem Anleihemarkt aber noch nicht ausreichend Rechnung getragen. Anleger können sich Hoffnungen auf solide Erträge machen. Grundsätzlich gilt also: Die Staatsanleihen der Schwellenländer sind aller Unkenrufe zum Trotz keine qualitativ minderwertigen Anlagen. Denn die Emerging Markets sind die Wachstumsmärkte schlechthin und werden es in den kommenden Jahren auch bleiben. Trotz verbesserter Kreditqualität sollten Anleger aber bedenken, dass eine Investition in ein einziges Papier riskant ist. Deshalb sollten Anleger in einen Fonds investieren, der breit gestreut in Zinspapiere von Schwellenländern investiert.

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