Ärzte Zeitung online, 17.09.2018

Kapitalanlage

Biotechs haben sich zu soliden Börsenwerten gemausert

Wurden Biotech-Aktien bei Investoren lange Zeit als riskant eingestuft, haben sich die Branchenführer zu soliden Börsenwerten entwickelt. Die Kurse von kleineren Firmen profitieren von Übernahme-Fantasien.

Von Richard Haimann

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Bei großen US-Biotechgesellschaften gingen die Aktienkurse steil nach oben.

© Kurhan / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Noch vor ein paar Jahren galten Aktien von Biotechnologie-Unternehmen als hochspekulative Investments. Die meisten börsennotierten Firmen der Branche konzentrierten sich damals bei ihrer Forschung auf die Entwicklung nur weniger neuer Medikamente oder Diagnosemethoden. Erwiesen die sich als Fehlschlag, rauschte der Aktienkurs rasant in den Keller.

"Seither haben sich jedoch große Konzerne wie die US-Biotechgesellschaften Amgen und Biogen kontinuierlich zu Substanzwerten entwickelt", sagt Martin Stötzel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Vermögensverwaltung Rhein Asset Management. "Bei Amgen beträgt die Dividendenrendite aktuell sogar knapp drei Prozent."

Biogen wiederum übertraf im zweiten Quartal dieses Jahres mit einem Gewinn pro Aktie von 5,80 US-Dollar die Analystenschätzung von 5,24 US-Dollar deutlich. In den kommenden Jahren werde das Jahresergebnis pro Aktie von umgerechnet 10,33 Euro in 2017 auf rund 30 Euro steigen, prognostiziert der Vorstand.

Konzerne auf Einkaufstour

In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs der Amgen-Aktie verdoppelt, während das Biogen-Papier mit einem Zuwachs von 85 Prozent nur etwas schlechter abgeschnitten hat. Zwar seien künftig von "solchen gut eingeführten Unternehmen keine Quantensprünge mehr zu erwarten", sagt Stötzel.

Doch der Markterfolg und die gute Kursperformance dieser Werte zeigen, dass "Biotech-Substanzwerte in einer langfristigen Anlagestrategie ebenso wie Werte aus der Industrie und dem Technologiesektor eine Rolle spielen sollten".

Kleinere Biotech-Firmen hingegen bieten Anlegern sowohl die Chance auf hohe Kursgewinne, wie das Risiko heftiger Verluste. Ein Beispiel für Letzteres ist die US-Gesellschaft Incyte. Anfang April scheiterte deren zur Therapie des metastatischen Melanoms entwickelten Medikaments Epacadostat in der Phase-3-Studie. Der Aktienkurs fiel um 27 Prozent.

Chancen bietet andererseits der wachsende Übernahmetrend. "Pharma- und Biotech-Konzerne sind auf Einkaufstour", sagt Frank Krekel, Anlageexperte der Koblenzer Vermögensverwaltung Unikat. "Auslaufende Patente und die Aussicht, Unternehmen mit einer hervorragenden Produktpipeline zu gewinnen, machen kleinere Biotech-Firmen für die großen Gesellschaften interessant." In den vergangenen zwölf Monaten wurden bereits Unternehmen wie Bioverativ, Impact Biomedicines, Ablynx, Juno Therapeutics und Kite Pharma für Milliardenbeträge übernommen.

Für die Aktionäre der übernommenen Firmen klingelt dann die Kasse. "Bestes Beispiel dafür ist das kleine US-Biotech-Unternehmen Kite Pharma", sagt Thomas Hünicke, geschäftsführender Gesellschafter der WBS Hünicke Vermögensverwaltung in Düsseldorf. Obwohl es nur einen Börsenwert von 2,3 Milliarden US-Dollar hatte, wurde es vergangenes Jahr vom US-Konzern Gilead Science für 11,9 Milliarden US-Dollar übernommen. Der Wert jeder Kite-Aktie stieg dadurch um 417 Prozent.

Allein die Vermutung, dass ein Unternehmen übernommen werden könnte, kann den Aktienkurs bereits kräftig treiben, sagt Hünicke. "Seit die US-Biotechfirma Sarepta Therapeutics im April als potenzieller Übernahmekandidat ausgerufen wurde, ist der Aktienkurs in der Spitze um 100 Prozent gestiegen."

160 Milliarden US-Dollar gebunkert

Aber nicht immer müssen Spekulationen um Aufkäufe den Kurs treiben. "Auch beim deutschen Biotech-Unternehmen Medigene bestehen Übernahmegerüchte", sagt Stötzel. Dennoch ist der Aktienkurs des auf die Entwicklung T-zell-gerichteter Therapieplattformen im vergangenen Monat leicht um zwei Prozent gesunken.

Dies könnte auch daran liegen, dass Profiinvestoren wie angelsächsiche Hedge Fonds sich bei der Suche von Übernahmekandidaten auf kleine US-Biotechfirmen fokussieren. Dabei seien US-Pharmakonzerne durchaus an Übernahmen in anderen Ländern interessiert, sagt Stötzel. "Aktuell bunkern sie rund 160 Milliarden US-Dollar im Ausland."

Dort wollten sie dieses Kapital auch anlegen, um es nicht bei der Rückholung ins eigene Land versteuern zu müssen.

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