Ärzte Zeitung, 10.07.2015

Hörsturz

IGeL-Kritiker zweifeln an Kortisongabe

BERLIN. Die auf Selbstzahlerbasis in Arztpraxen angebotene Gabe von Glukokortikoiden bei Hörsturz, darunter Kortison, ist nicht wirklich hilfreich.

Zu diesem Ergebnis kommt die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS) betriebene Online-Plattform IGeL-Monitor. Das Team des IGeL-Monitors sei der Frage nachgegangen, was man aktuell über Nutzen und Schaden der systemischen Glukokortikoid-Gabe beim Hörsturz weiß.

Ergebnis: Die analysierten Übersichtsarbeiten kämen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die bislang vorliegenden Studien keinen Effekt der Behandlung zeigten.

Insgesamt bewertet der IGeL-Monitor "Glukokortikoide beim Hörsturz" deshalb als "tendenziell negativ". (maw)

[10.07.2015, 14:00:49]
Dr. Stefan Schaller 
Kortison, lange gefeiert, endlich kritisch beurteilt!
Keine Frage, bei massiven Hörstürzen beobachtet man oft nach (oder trotz ?) Kortisongabe eine flotte Gehörverbesserung, die allerdings fast genauso oft nur temporär anhält.

Das erklärt die Euphorie mancher Klinik nach Kortisontherapie, die den Hörsturzpatienten als "geheilt" entläßt, nur damit der niedergelassene Kollege anschließend das Hörsturzrezidiv erneut behandeln darf.

Das letzte Wort in der Kortisontherapie bei Hörsturz ist noch lange nicht gesprochen, zumindest solange noch nicht, wie noch nicht einmal Dosis, Dauer und Applikationsform der Therapie einigermaßen einheitlich geregelt und deren positive Wirkung nachgewiesen sind.

Die Fachliteratur zu diesem Thema ist sehr umfangreich, auch mischen sehr viele Schlauberger bei dieser Diskussion mit, was die objektive Beurteilung der Kortisontherapie eher behindert. zum Beitrag »
[10.07.2015, 09:58:04]
Hildegard Fuchs 
IGeL bei Hörsturz
Hier wurde doch wieder einmal etwas ganz falsch verstanden! Was sind IGeL? Nämlich ärztliche Leistungen auf Verlangen des Patienten OHNE MEDIZINISCHE INDIKATION! Bei einem Hörsturz liegt definitiv eine medizinische Indikation vor, d. h. hier darf dem Patienten keine Wunschleistung "aufs Auge gedrückt" werden! Wenn Glucocorticoide als Therapieversuch (fraglich off label) gegeben werden, liegt das ausschließlich im Verantwortlichkeitsbereich des Arztes, denn der Patient kann hier keine Verlangensleistung ohne medizinische Notwendigkeit anfordern! Somit scheidet die ganze IGeL-Diskussion in diesem und ähnlichen Fällen grundsätzlich aus, was zur Folge hat, dass dem Patienten daraus weder die vertragsärztliche Versorgung im üblichen Rahmen verweigert werden darf noch die entstehenden Kosten auf "Selbstzahlerbasis" berechnet werden können.
Hildegard Fuchs zum Beitrag »

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