Ärzte Zeitung online, 19.08.2013

Arzt im Ruhestand

Telefonterror dank Google?

Obwohl er seit zehn Jahren pensioniert ist, wird ein Augenarzt aus Osnabrück wöchentlich von Patienten zu Hause angerufen. Möglicher Grund: Laut Google existiert seine Praxis noch.

Von Christian Beneker

Telefonterror im Ruhestandsdomizil?

Mitten in der Nacht von Patienten aus dem Bett geklingelt? Solange Ärzte aktiv eine Praxis betreiben, kein seltenes Phänomen. Dank Internet haben sie aber auch im Ruhestand keine Ruhe mehr.

© imageegami / fotolia.com

OSNABRÜCK. Anrufe nach Praxisschluss - das Phänomen hat für den Augenarzt Hartmut Hiller eine besondere Bedeutung. Er ist seit zehn Jahren pensioniert und wird doch wöchentlich von Patienten angerufen.

Der Grund: Über Google ist seine nicht existente Praxis immer noch erreichbar - dann klingelt der Privatanschluss bei Hillers. Dabei hatte Hiller seine Praxis in Buchholz in der Nordheide, fast 300 Kilometer entfernt von Osnabrück. In fünf Jahren hat es in seinem Ruhestandsdomizil mehr als 250 Mal geklingelt, sagte der 79-jährige Hiller dem Norddeutschen Rundfunk (NDR).

Wer Arzt ist, landet automatisch in den Online-Verzeichnissen

In der Tat - wer "Hiller", "Osnabrück" und "Augenarzt" googelte, fand die Praxis, die nie eine war. Unter dem Einfluss der Berichterstattung hat nun Google Hiller offenbar aus dem Verzeichnis entfernt. Trotzdem ist der pensionierte Augenarzt noch in vielen kleinen Dateien zu finden.

 "www.debitz.org, www.marktplatz-mittelstand.de, www.misterwhat.de - und wie die Portale auch heißen - sie alle schreiben voreinander ab", erklärt Raimund Dehmlow, Online-Experte bei der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) der "Ärzte Zeitung" den Effekt, der Hiller auf den Nerv geht. "In regelmäßigen Abständen kopieren die Verzeichnisse voneinander die Datensätze, natürlich ohne den Inhalt zu überprüfen", sagt Dehmlow.

Kammer unterstützt beim Löschen der Daten

"Auch bei Aktualisierung werden die Datensätze nicht gelöscht, sondern ergänzt. Die alten Daten sind dann noch da." Wenn man also nicht einreift, geht das Spiel unendlich weiter. "Auch wer nicht im Netz erscheinen möchte, ist drin", sagt Dehmlow, "es reicht, ein Arzt zu sein, um in die entsprechenden Verzeichnisse aufgenommen zu werden."

Einen Ausweg biete ihren Mitgliedern die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), berichtet Dehmlow. "Wir suchen die fraglichen Portale im Internet auf und schreiben sie systematisch an." Die Anbieter reagiren relativ schnell und löschen die Daten. "Schon in eigenem Interesse, sie wollen ja aktuell sein", sagt Dehmlow. "Wenn dann das nächste Mal ein Anbieter vom anderen abschreibt, wird auch die Löschung der Daten mit kopiert." So bekommen Pensionäre ihre Ruhe.

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