Ärzte Zeitung App, 16.12.2013

Arzt-Bewertung

Gute Noten für Allgemeinärzte

Angst vor Online-Bewertungen? Die müssen Ärzte nicht haben, denn sie erhalten auf den Portalen meist positives Feedback. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Fachgruppen.

Von Kerstin Mitternacht

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Ein Klick: Immer mehr Patienten bewerten ihre Ärzte im Web.

© Franz-Peter Tschauner / dpa

NEU-ISENBURG. Immer mehr Patienten bewerten auf Onlineportalen ihren Arztbesuch. Welche Facharztgruppe bei der Bewertung am besten abschneidet und ob die Bewertung etwas mit dem Alter und der Versicherungsart von Patienten zu tun hat, hat jetzt eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg analysiert.

Als Datenbasis dienten 127.192 Online-Bewertungen für 53.585 Ärzte, die im Jahr 2012 auf dem Bewertungsportal jameda, von insgesamt 107.148 Patienten abgegeben wurden.

"Wir haben uns auf jameda fokussiert, weil es unter den Bewertungsportalen in Deutschland die meisten Bewertungen vorweisen kann", schreibt Studienleiter Martin Emmert, Juniorprofessor für Versorgungsmanagement an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, in der Studie.

Die meisten Patientenfeedbacks haben laut Studie Orthopäden (59,2 Prozent) erhalten. Gefolgt von Dermatologen, mit 58,9 Prozent, Gynäkologen (56,9 Prozent) und HNO-Ärzten (53,6 Prozent). Von den Hausärzten, Internisten und Augenärzten erhielten weniger als 40 Prozent ein Feedback von ihren Patienten.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es für viele Facharztgruppen inzwischen sehr wahrscheinlich ist, auch online Feedback von ihren Patienten zu erhalten", kommentiert Emmert die Ergebnisse. "Der Einfluss der Portale sollte gerade in diesen Gruppen nicht unterschätz werden."

Privat bewertert besser

Insgesamt wurden knapp 37 Prozent, der auf jameda gelisteten Ärzte 2012 bewertet, 80 Prozent erhielten die Note "sehr gut" oder "gut".

Allgemeinmediziner erhielten dabei besonders gute Note, wie auch Internisten und Urologen. Allerdings variiert die Bewertungstendenz zwischen den Facharztgruppen: Etwas seltener gute Bewertungen erhielten Hautärzte, Orthopäden und Augenärzte.

"Etwa die Hälfte aller Ärzte auf jameda hat nur eine Bewertung erhalten, 44 Prozent haben zwei bis fünf Bewertungen und weniger als zwei Prozent sind mehr als zehnmal bewertet worden", sagt Emmert.

Emmert hat in seiner Studie auch herausgefunden, dass bei der Bewertung der Patienten, das Geschlecht der Ärzte eine signifikante Rolle spielt. "So erhalten Ärztinnen statistisch bessere Bewertungen als ihre männlichen Kollegen", so der Studienleiter.

Blickt man auf die Patientenseite, so zeigt sich, dass Alter und Versicherungsart eine Rolle bei der Bewertung spielen. Demnach geben ältere Patienten tendenziell bessere Noten als jüngere Patienten.

Bei der Versicherungsart bewerten privat versicherte Patienten ihre Ärzte besser als gesetzlich Versicherte. Bezüglich des Geschlechts der Patienten würden sich hingegen keine nennenswerten Unterschiede im Bewertungsverhalten ergeben.

[16.12.2013, 10:44:52]
Dr. Hans Unterhuber 
Bewertung ist eine Chance besser zu werden
"Kundenbewertungen" online sind inzwischen in nahezu allen Branchen Standard. Der erwähnte Bias gilt auch für alle anderen betroffenen Berufe und Branchen. Die Schlussfolgerung ist ganz einfach: Vielleicht sollten auch Ärzte überlegen, wie Sie die Bedürfnisse ihrer Patienten v.a. im Gespräch besser beachten können. Für einen medizinischen "Dienstleister" sollte diese Rückbesinnung auf den Kern des Arztberufes selbstverständlich sein. Dann werden positive Bewertungen kein Problem sein. Auch negative Bewertungen - wenn sie als "Verbesserungsvorschläge und nicht als Ärgernis gewertet werden - sind ein Zeichen der Loyalität. Nur wenn der Dialog völlig abgebrochen wird, ist das Grund zur Sorge: meist bedeutet das Trennung. zum Beitrag »
[16.12.2013, 07:33:15]
Dr. Janos Palik 
Rufmord
Statistiken beweisen, unzufriedene Kunden geben mehr als 3 mal so viel Rückmeldungen, wie zufriedene. Im Schnitt erzählt der verärgerte Kundschaft an ca. 10 Bekannten über Ihre Probleme, die guten Erlebnisse werden nur an ca. 3 Bekannten weitergeleitet.
Warum sollte ein(e) zufriedene(r) Patient(in) sein/ihr Erlebniss anderen mitzuteilen? Das hat er/sie erwartet!
Trotz aller Bemühungen ist es unmöglich, jeden zufriedenzustellen. Fühlt jemand sich schlecht behandelt, nicht verstanden, hat zu lange gewartet, hat deutlich mehr Motivation Frust abzubauen und es der Welt zu verkünden.
Spontan erhält einer nur negative Bewertungen, die positiven entstehen nur, wenn man sich danach bemüht.
So werden Bewertungsportale anstatt einer wichtigen Orientierungsmethode für den informierten Patienten nur ein Schauplatz für falsche Bilder über die Ärzteschaft.
Und es kommt zusätzlich noch ein Last mehr auf uns Ärzte zu - Jagd nach positiven Bewertungen. zum Beitrag »

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