Ärzte Zeitung online, 23.08.2017
 

KV Hessen

Aus für Fördermittel stößt auf Kritik

Die KV Hessen macht in den festgefahrenen Honorarverhandlungen Druck – und streicht Mittel für die Nachwuchsgewinnung. Betroffene werten das als „fatales Signal“.

Von Jana Kötter

Frankfurt/Main. Dass die KV Hessen als Konsequenz aus den gescheiterten Honorarverhandlungen im Land Fördermittel für die Nachwuchsförderung streichen will, stößt auf deutliche Kritik. „Wenn jungen Kollegen nicht mehr empfohlen wird, sich in Hessen niederzulassen, ist das ein fatales Signal“, erklärt Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt , auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“.

Er fürchtet, dass die Fakultät im studentischen Unterricht sowie die Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin künftig doppelt hart arbeiten müssen, da ärztlicher Nachwuchs andernfalls „nachhaltig abgeschreckt werden könnte“. Daher hofft Gerlach auf eine baldige Einigung zwischen Kassen und KV in Hessen.

Die Einigung liegt nun beim Schiedsamt. Laut KV sind die von ihr zuletzt geforderten 300 Millionen Euro Plus nötig, um bundesweit „ins Mittelfeld der Honorare“ zu rücken. Gegenüber steht weiter das Angebot der Kassen, welches eigenen Angaben zufolge eine Steigerung der letztjährigen Honorarsumme (2,6 Milliarden Euro) von „deutlich über 40 Millionen Euro“ beinhalte.

Wohl zur Vorbereitung auf die Schiedsamtsentscheidung wollte die GKV die Honorare zuletzt aber um fast 50 Millionen Euro absenken. Die KV hatte die Gespräche im Juni daher für gescheitert erklärt. Aussagen der Kassen zufolge hat die KV dem Amt „bis dato jedoch noch keine Antragsbegründung vorgelegt“.

DEGAM zeigt Verständnis

Professor Erika Baum, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und bis 2016 langjährige Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Marburg, wertet den aktuellen Beschluss aus der KV als „politisches Signal an die Krankenkassen“.

Sie zeigt deutliches Verständnis für die Ansage, Fördergelder zu streichen: „Wir brauchen eine vernünftige und auch im Ländervergleich gerechte Vergütungsgrundlage“, erklärt sie der „Ärzte Zeitung“. „Nur wenn das gesichert ist, können wir für die Tätigkeit in unserem Bundesland werben.“ Sie hofft darauf, dass das Programm bei einer Einigung wieder aufgelegt werden könnte.

In der Tat könnte die Vertreterversammlung ihren Beschluss vom Wochenende durch eine entsprechende Abstimmung rückgängig machen und die Gelder wieder neu für die Nachwuchsförderung budgetieren.

Erst zu Jahresbeginn hatte die KV das Förderprogramm „In die Praxis, fördern, los!“ mit Bausteinen wie einer Honorarumsatzgarantie für Praxisgründer sowie Umzugs- und Kinderbetreuungszuschüssen aufgelegt. Nun will die KV die dafür budgetierten Mittel in Höhe von 1,75 Millionen Euro streichen. Nicht von dem entsprechenden Beschluss der Vertreterversammlung betroffen sind jedoch gesetzliche Förderverpflichtungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »
Serie: Wegweiser Weiterbildung