Ärzte Zeitung online, 01.09.2017
 

Rheinland-Pfalz

KV nimmt angestellte Ärzte in den Blick

Dass viele junge Ärzte eine Anstellung der eigenen Niederlassung vorziehen, ist ein sich seit Jahren entwickelnder Trend. Die KV Rheinland-Pfalz präsentiert nun eine Prognose, die das Ausmaß deutlich macht.

Von Anne Zegelman

MAINZ. "Ich erschrecke Sie jetzt", warnte Dr. Karlheinz Kurfeß die Anwesenden bei der Vertreterversammlung der KV Rheinland-Pfalz am Mittwoch, bevor er seinen Folienvortrag startete. Der stellvertretende Vorsitzende der Vertreterversammlung (VV) hatte aktuelle Zahlen aus der KV-eigenen Versorgungsforschung mitgebracht – und die hatten es in sich. "Ich behaupte, dass im Jahr 2022 50 Prozent der Mitglieder der KV-Rheinland-Pfalz angestellt sein werden", so Kurfeß. 2007 waren es noch fünf Prozent, aktuell bereits 22 Prozent (1646 Angestellte unter 7343 Ärzten und Psychotherapeuten).

"Die Entwicklung zeigt, dass die Bedeutung dieser Gruppe bereits jetzt groß ist – und dass sie zum Beispiel in dieser VV erheblich unterrepräsentiert ist", sagte Kurfeß. Daraus solle die Berufspolitik den Schluss ziehen, dass man sich um angestellte Ärzte ganz intensiv kümmern müsse: "Diese Gruppe hat einen ganz großen Anteil an der Patientenversorgung im Land, der in den nächsten Jahren weiter kontinuierlich zunehmen wird."

Einen beratenden Fachausschuss für angestellte Ärzte gibt es innerhalb der KV Rheinland-Pfalz bereits, auch ist für November eine Infoveranstaltung für angestellte Ärzte im Sitz der KV in Mainz geplant. Außerdem soll das Thema auf einer Klausurtagung der Vertreterversammlung im Oktober auf der Tagesordnung stehen.

"Eines unserer größten Probleme ist die Versorgung der Bevölkerung in der Fläche", sagte Kurfeß den Delegierten. Die KV plant deshalb gemeinsam mit der Bezirksärztekammer Koblenz, die dortigen zwölf Kreisärzteschaften zu besuchen – unter dem Slogan "Kammer und KV vor Ort" will man jungen Ärzten Lust auf Berufspolitik machen und zum Beispiel über die neu gegründete Koordinierungsstelle informieren.

Die von Kurfeß präsentierten Hochrechnungen zu angestellten Ärzten gründen sich auf Zahlen aus dem Jahr 2016, damals ließen sich 57 Prozent der Neueinsteiger anstellen. Der altersbedingte Nachbesetzungsbedarf bis 2022 liegt in Rheinland-Pfalz bei 4112 Köpfen.

- Relation Hausärzte und Fachärzte: Vergleicht man die Steigerungsraten zwischen 2012 und 2016, fällt auf: Bei den Hausärzten entwickelte sich die Neigung zur Anstellung in den letzten fünf Jahren sogar noch steiler als bei Fachärzten – sie legten um acht Prozentpunkte zu, Fachärzte um fünf Prozentpunkte. Auf alle Fachgruppen verteilt lag der Anstieg bei sieben Prozentpunkten.

- Art der anstellenden Praxis: Mit 91 Prozent ist eine überwältigende Mehrheit in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellt (2012: 88 Prozent). In Einzelpraxen arbeiten aktuell zwölf Prozent angestellte Ärzte (2012: sieben Prozent), in Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) 17 Prozent – vor fünf Jahren waren es noch zehn Prozent.

- Durchschnittsalter der angestellten Ärzte: Auffallend ist, dass das Durchschnittsalter der angestellten Ärzte in MVZ sich nicht wesentlich von dem in Einzelpraxen oder BAG unterscheidet. Aktuell sind MVZ-Ärzte im Schnitt 52 Jahre alt, BAG-Ärzte 53 Jahre, Ärzte in Einzelpraxen 56 Jahre alt. Kurfeß: "Das hat mich überrascht, hätte ich doch vermutet, dass die Angestellten in den MVZ jünger sind!"

- Teilzeitbeschäftigung: In Rheinland-Pfalz arbeiten aktuell 58 Prozent aller angestellten Ärzte in Teilzeit (plus zwölf Prozentpunkte im Vergleich zu 2012). 27 Prozent der zugelassenen Ärztinnen sind angestellt (2012: 19 Prozent) und 18 Prozent der zugelassenen Ärzte (2012: zehn Prozent).

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