Ärzte Zeitung, 01.07.2008

Verkaufen war für Hanau nie ein Thema

HANAU (ava). Zu keiner Zeit ist der Verkauf des Hanauer Stadtkrankenhauses an private Klinikbetreiber auf der Tagesordnung gestanden. Quer über alle Parteigrenzen hinweg sind sich die Politiker einig: Das Krankenhaus bleibt in kommunaler Hand. Seit anderthalb Jahren hat die Klinik die Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Ausgaben und Einnahmen halten sich fast die Waage.

 Verkaufen war für Hanau nie ein Thema

Klinikum Hanau: Durch die Einbettung in die Beteiligungsholding der Stadt können die Zinslasten für den geplanten Neubau des städtischen Krankenhauses verringert werden.

Foto: Klinikum Hanau

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) ist ein vehementer Verteidiger von Kliniken in öffentlicher Hand: "Es ist überhaupt nicht Gott gegeben, dass kommunale Krankenhäuser aussterben müssen," kommentiert der Politiker die aktuelle Debatte über die Privatisierung der deutschen Kliniken. "Ein Krankenhaus ist ein immens wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge", so Kaminsky. Das städtische Klinikum geht zurück auf ein Siechenhaus, das im Jahr 1320 in der Stadt entstand. "Aus der Geschichte können wir lernen, dass es immer wieder Höhen und Tiefen gab. Bisher haben wir die Tiefen stets überwunden."

 Verkaufen war für Hanau nie ein Thema

"Wenn die Politiker uns lassen, können wir genauso profitabel wirtschaften wie die Privaten." Monika Thiex-Kreye Geschäftsführerin Klinikum Hanau

Der Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende Claus Kaminsky ist sich mit Klinikchefin Monika Thiex-Kreye einig: Die Politik muss sich aus dem operativen Klinikgeschäft heraushalten. "Wenn die Politiker uns lassen", sagt Thiex-Kreye, "dann ist auch in einem kommunalen Klinikum alles möglich, was die Privaten machen."

So fordert die Klinikchefin, dass sie langfristig planen kann - über die Amtszeit eines Bürgermeisters hinaus. Vor anderthalb Jahren wurde Monika Thiex-Kreye als Geschäftsführerin der neu gegründeten gemeinnützigen GmbH eingestellt. Seitdem versucht die resolute Klinikchefin, die klassischen Strukturen aufzubrechen: Ärzte, Verwaltung und Patienten sollen nicht mehr wie steinerne Säulen nebeneinander stehen, sondern miteinander verbunden werden. Ärgerlich wird sie, wenn durch hierarchisches Gerangel Ressourcen verschlungen werden.

Ein wichtiges Thema ist für Thiex-Kreye das Personal. "Einige Mitarbeiter müssen radikal an neue Sichtweisen herangeführt werden" sagt sie. "Manchmal ist es nötig, sich voneinander zu trennen." Doch im Vergleich mit den Privaten, die ihrer Ansicht nach in Windeseile alle Schlüsselpositionen neu besetzen, "sind wir bei der Personalgestaltung humaner".

Ganz allein für sich könnte das Klinikum Hanau nicht überleben. "Verbünde mit anderen Krankenhäusern sind wichtig", so Thiex-Kreye, "sie müssen aber nicht gesellschaftsrechtlich verschmelzen." Mit sieben anderen Kliniken gründete das Krankenhaus den "Verein der kommunalen Großkrankenhäuser Hessen", der die Mitglieder unter anderem bei ihren Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen unterstützt.

Das Klinikum Hanau ist -als 100-prozentige Tochter der Stadt - eingebettet in die Beteiligungsholding Hanau. Der Verbund bringt wirtschaftliche Vorteile: So wird der Einkauf der verschiedenen Tochterunternehmen der Stadt zentralisiert.

KLINIKUM HANAU IN KÜRZE

Betten: 736

Patienten stationär: 30 800

ambulant: 50 000

Verweildauer: 6,7 Tage pro Patient

Mitarbeiter gesamt: 1480

Ärzte: 212

Pflegepersonal: 619

Umsatzentwicklung:

2005: 97 Mio. Euro

2006: 98 Mio. Euro

2007: 109 Mio. Euro

www.klinikum-hanau.de

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