Ärzte Zeitung, 09.09.2008

Globalisierung erreicht die Kliniken

Der Medizintourismus hat oft finanzielle Gründe / Ein Bypass kostet in den USA fünfmal mehr als in Asien

BERLIN (af). Die Globalisierung erreicht die Krankenhäuser. Die Folgen sind nicht nur die zunehmende Privatisierung, sondern auch Konzernbildung und Vernetzung bis hin zur internationalen Arbeitsteilung bei der Behandlung von Patienten.

In Asien liegen die ersten Zentren der globalen Krankenhauswelt. Das wurde beim Kongress "Hospital World" des Management Competence Centers deutlich. Das Krankenhaus mit der größten Anzahl von Patienten aus aller Welt liegt nämlich nicht in den USA oder in Europa, sondern in Thailand. 420 000 Patienten aus 200 Ländern zählte das Bumrungrad Krankenhaus in Bangkok im Jahr 2007. Immerhin 31 000 davon kamen aus Europa, 33 000 aus den USA.

420 000 Patienten aus 200 Ländern im Jahr in einer Klinik

Der typische Medizintourist, so der Vorsitzende Bumrungrad International Aktiengesellschaft, Curtis J. Schroeder, sei über 50 Jahre alt, benötige chirurgische Eingriffe oder spezielle Fachmedizin und sei oft nicht in der Lage, diese Behandlungen in seinem Heimatland zu bezahlen. 15 Millionen US-Amerikaner könnten einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge bis 2015 ins Ausland reisen, um sich dort behandeln zu lassen und dafür rund 35 Milliarden Dollar ausgeben. Ein koronarer Bypass sei in Asien für rund 9500 Dollar zu bekommen, in den USA müsste ein unversicherter Patient bis zum fünffachen dieser Summe aufbringen. Hauptgrund für die günstige Preisstruktur sind die Personalkosten.

Kostengründe und der Blick auf die internationale Kundschaft sind auch Motoren der Privatisierung und Zentralisierung der Krankenhauslandschaft in Deutschland und seinen Nachbarländern. Zusammenwachsen wollen zum Beispiel das Universitätsklinikum Aachen und das Universitair Medisch Centrum im 30 Kilometer entfernten Maastricht.

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