Ärzte Zeitung, 17.07.2009

PKV muss nicht aufkommen für die Methadonbehandlung

Ein Landgericht hat geurteilt, dass die privaten Versicherer die Behandlungskosten bei vorsätzlich herbeigeführten Krankheiten nicht begleichen müssen.

Von Ilse Schlingensiepen

Private Krankenversicherer müssen bei Heroinabhängigen die Substitutionsbehandlung mit Methadon nicht bezahlen. Der Grund: Die Heroinabhängigkeit kann in den meisten Fällen als vorsätzlich herbeigeführt betrachtet werden. Das entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth (LG) in einem jetzt veröffentlichten Urteil.

Nach den Musterbedingungen von 1994 gibt es in der privaten Krankheitskostenversicherung keine Leistungspflicht "für auf Vorsatz beruhende Krankheiten und Unfälle einschließlich deren Folgen sowie für Entziehungsmaßnahmen einschließlich Entziehungskuren".

Vor dem LG hatte ein Krankenpfleger seine PKV verklagt, weil sie die Methadonbehandlung nicht bezahlen wollte. Das Gericht wies die Klage ab, da der Mann seine Krankheit und die notwendige Behandlung vorsätzlich herbeigeführt habe.

Die Begründung: Es sei Allgemeingut, dass Heroin außergewöhnlich schnell süchtig macht, so das Gericht. "Dieses Wissen muss umso mehr für den Kläger gelten, der aufgrund seines beruflichen Hintergrundes als Krankenpfleger im Bereich der Anästhesiologie bewusst zu Heroin gegriffen hat, um damit eine den ihm nicht mehr verschriebenen Opioiden vergleichbare schmerzdämpfende Wirkung zu erzielen."Es sei davon auszugehen, dass Heroinabhängigkeit in der Regel vorsätzlich herbeigeführt werde. Da ohne die Heroineinnahme die folgende Methadonbehandlung nicht notwendig geworden wäre, ist sie von der Leistungspflicht des Versicherers ausgenommen, urteilten die Nürnberger Richter.
Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherer können Versicherungsunternehmen aus Kulanz ihren Kunden die Kosten für die Methadon-Substitution erstatten. Der Verband hat aber keinen Überblick darüber, ob und in welchem Umfang die Versicherer das tatsächlich tun.

Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth, Az.: 8 O 3170/07

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
In der Methadon-Substitution ist der illegale Beikonsum bei vielen Süchtigen fast die Regel

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freunde hinterlassen Spuren im Gehirn – Rauchen auch

Sport, Alkohol, soziale Kontakte – die Lebensführung spiegelt sich im Gehirn wider, so eine Studie. Und: Raucherhirne laufen auf Hochtouren. Doch das ist nicht positiv gemeint... mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Am Ende ging es schnell: Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »

GBA warnt Spahn vor „Systembruch“

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr im GBA. mehr »