Ärzte Zeitung, 17.12.2010
 

Der Standpunkt

Krasse Unterschiede bei der Qualität in Kliniken - Zuweiser in der Pflicht

Von Hauke Gerlof

Es liegt an den Zuweisern

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Wirtschaft bei der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: hauke.gerlof@springer.com

Der Schreck war groß zu Beginn der Woche. Der Krankenhausreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hat gewaltige Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken zu Tage gefördert. Von den 92 besten Kliniken wurde die durchschnittliche Komplikationsrate bei Operationen zum Einsatz eines Hüftgelenks um 44 Prozent unterschritten, von den 92 schlechtesten um 80 Prozent überschritten.

Für einen Patienten kann es bei solchen Unterschieden in der Qualität nicht egal sein, in welche Klinik er geht, um ein neues Hüftgelenk zu bekommen - und bei anderen Indikationen wird es wahrscheinlich ähnlich aussehen.

Und das lenkt den Blick von den Kliniken auf die Verantwortung der niedergelassenen Ärzte, die den Patienten eine Klinik empfehlen. Denn diese Empfehlung ist meist - trotz aller Möglichkeiten für Patienten sich im Internet selbst zu informieren - auch entscheidend für die Wahl der Klinik.

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, brauchen die Zuweiser aber Transparenz, und die ist immer noch nicht so gegeben, wie es sein sollte. Das Wissen, das die meisten Ärzte über die Kliniken haben, auch aus der Erfahrung mit eigenen Patienten, ist häufig nicht strukturiert.

Sie wissen vielleicht noch, ob der Kollege am OP-Tisch gut operiert oder nicht. Aber über den Erfolg einer Behandlung wie beim Einsatz eines neuen Hüftgelenks entscheiden auch die Qualität der Nachbehandlung, der Hygienestandard und vieles mehr.

Um Patienten gut Auskunft geben zu können, brauchen Ärzte schnellen Zugriff auf standardisiert erhobene Strukturdaten wie Revisionsraten und Komplikationsraten - und die gibt es in den meisten Fällen noch nicht.

Die Initiativen der Privatklinikketten, Qualität transparent zu machen, sind richtungsweisend, aber nicht hinreichend. Am Ende muss die Qualität der Behandlung und Pflege für ein Krankenhaus eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens sein. Nur dann wird es zu echten Fortschritten kommen.

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