Ärzte Zeitung, 04.05.2011

IT spielt eine Schlüsselrolle für Klinik-Erfolge

Wo liegen die Hemmnisse, wo die ungenutzten Chancen von Klinik-IT? Dieser Frage geht das Branchenbarometer des Bundesverbandes Gesundheits-IT nach. Das Ergebnis: Der Trend geht hin zur Professionalisierung. Bei der Umsetzung knirscht es aber noch.

Von Antonia von Alten

IT spielt eine Schlüsselrolle für Klinik-Erfolge

Computertomografie im Einsatz. Nicht allen Mitarbeitern reicht die Schulung aus.

© Thomas Frey / imago

BERLIN. Der Druck auf Krankenhäuser ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden: Neben hoher Qualität ist Kosteneffizienz gefragt, um im Wettbewerb zu bestehen. Klinik-IT spielt dabei eine Schlüsselrolle. Durch den Einsatz von IT soll die Dokumentation erleichtert, die Effizienz der Arbeitsabläufe gesteigert und die Kommunikation verbessert werden. Kurz: Die Produktivität soll erhöht werden.

"Die Klinik-IT ist dabei ein strategischer Faktor geworden", bestätigt Jürgen Flemming, IT-Leiter der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH (Marienhospital Stuttgart), der an der Effectiv-IT-Studie teilgenommen hat. Die Krankenhausträger müssten nun, so Flemming, konsequent in die Strukturierung der internen Prozesse und den Ausbau der IT-Unterstützung dieser Prozesse investieren.

"Die IT-Mitarbeiter müssen für diese Aufgaben ausreichend qualifiziert werden. Leider sieht die Realität in vielen Krankenhäusern ganz anders aus. Die Krankenhaus-IT hinkt oft zehn bis 15 Jahre hinter der Industrie her. Wer hier umdenkt und gegensteuert hat im Wettbewerb erheblich bessere Chancen."

Nachdem 2010 die Nutzerfreundlichkeit von IT-Lösungen Eingang in das Branchenbarometer fand, enthält die Publikation 2011 die Ergebnisse einer Anwenderbefragung zur Effektivität der Lösungen. Unter Leitung von Professor Britta Böckmann von der Fachhochschule Dortmund wurde die "Effectiv-IT-Studie" als empirische Untersuchung erstellt, in der die Antworten aus 300 Kliniken ausgewertet wurden (siehe Kasten).

bvitg-Branchenbarometer 2011

Für den Branchenbarometer 2011 des Bundesverbandes Gesundheits-IT (bvitg) wurden Anwender aus der Ärzteschaft und der Pflege, der IT-Abteilung sowie IT-Leitung und Geschäftsführer deutscher Kliniken befragt.

Die etwa 300 auswertbaren Rückmeldungen verteilen sich gleichmäßig auf Häuser unterschiedlicher Größe. Auch hinsichtlich der Verteilung der Antworten nach der Trägerschaft der Häuser ist mit 45 Prozent der Antworten aus freigemeinnützigen Häusern, 18 Prozent aus privaten Kliniken und 31 Prozent aus öffentlich-rechtlichen Häusern eine repräsentative Auswertung möglich.

Mit 30 Prozent stellen die IT-Leiter die größte Gruppe, die an der Befragung teilgenommen hat. Daran schließt sich mit 17 Prozent der Pflegedienst und mit 13 Prozent der Ärztliche Dienst an, gefolgt von 12 Prozent aus der Geschäftsführung und weiteren 12 Prozent von Mitarbeitern aus den IT-Abteilungen.

 

Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer attestieren den vorhandenen IT-Lösungen eine gute bis sehr gute Unterstützung im Alltag. Und die Klinken sind sehr treu: 77 Prozent nutzen der Umfrage zufolge ihr Krankenhausinformationssystem (KIS) bereits länger als drei Jahre.

Der Nutzen von IT variiert den Umfrageteilnehmern zufolge von System zu System. Eine sehr positive Nutzenbewertung kann für die Lösungen KIS, Laborinformationssysteme (LIS), Radiologie-Inforationssysteme (RIS) und Picture Archiving and Communications Systme (PACS) festgestellt werden.

Über 70 Prozent der Anwender sehen den Nutzen hier als gut bis sehr gut an. Hingegen wird IT bei Anamnese, Visite und Pflege eher als hinderlich wahrgenommen. Der überwiegende Teil der IT-Leiter und Geschäftsführer (70 Prozent) gab an, dass ihre Häuser eine IT-Strategie haben.

In der Umsetzung der IT-Strategie in Form konkreter Projekte zeigen sich jedoch Defizite. Zwar werden im Sinne eines professionellen Projektmanagements Ziele definiert, diese aber oft nicht erreicht.

Die Gründe, warum Projekte zur Einführung von IT-Lösungen nicht problemlos laufen und mit hohem Aufwand versehen sind, sind der laut Branchenbarometer zu 60 Prozent fehlende Ressourcen (Zeit), zu 47 Prozent Vorbehalte gegen IT und zu 44 Prozent Angst vor Veränderungen.

Hindernisse im Arbeitsalltag führen 52 Prozent der Umfrageteilnehmer auf zu wenig Schulungen zurück. Aber auch Produktmängel (48 Prozent) und unzureichende Integration (38 Prozent) werden genannt.

Der Gesamtmarkt für IT im Gesundheitswesen stagniert, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Die Umsätze haben sich zunehmend vom klassischen KIS-Geschäft zum Nachverkauf oder zu neuen Nischen im Bereich Abteilungssysteme und Speziallösungen verschoben, die teils überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen. So ist das Segment der Sprachverarbeitung 2010 um 8,7 Prozent gewachsen.

Die Geschäftsführer und Manager der Unternehmen des Bundesverbandes Gesundheits-IT (bvitg), die eigens zu den konjunkturellen Aspekten der Branche befragt wurden, schätzen das Marktvolumen 2010 für Softwarelizenzen im stationären Sektor auf 355 Millionen Euro.

Für das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich auf der Basis der Befragung systemübergreifend eine Steigerung von 1,2 Prozent. Die Entwicklung im ambulanten Sektor wird ähnlich eingeschätzt. Der bvitg vertritt in Deutschland die führenden IT-Anbieter im Gesundheitswesen und repräsentiert 90 Prozent des stationären, des ambulanten sowie des zahnmedizinischen IT-Marktes.Über 70 Prozent der Unternehmen sind international tätig.

www.bvitg.de

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