Ärzte Zeitung, 05.05.2011

Beim Streik an der Charité ist bisher kein Ende in Sicht

BERLIN (ami). Der Streik der Pflegekräfte an der Berliner Uniklinik Charité geht weiter. Ein neues Angebot des Charité-Vorstands vom Mittwoch hat die Gewerkschaft verdi als unzureichend abgelehnt.

Beim Streik an der Charité ist bisher kein Ende in Sicht

Der Streik an der Charité geht weiter.

© Soeren Stache / dpa

Die Arbeitgeberseite habe sich zwar bewegt, aber die angestrebte Angleichung an das bundesweite TVöD-Niveau sei weiterhin zu weit entfernt, erklärte die Gewerkschaft. Sie signalisierte Gesprächsbereitschaft, kündigte aber auch an, dass der Streik mit unverminderter Härte fortgesetzt wird.

Am Dienstag und Mittwoch hat ver.di den Streik mit verschiedenen Protestaktionen an den drei Charité-Standorten begleitet. Knapp 100 Streikende protestierten mit Plakaten und lautstarken Parolen vor dem Berliner Medizinhistorischen Museum, wo Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine Ausstellung zur Geschichte der Pflege mit dem Titel "Who cares" eröffnete.

"Verständnis für die finanziellen Forderungen der Pflege" signalisierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK Rolf Schlenker bei der Ausstellungseröffnung.

Auch die Pflegedirektorin der Charité Hedwig François-Kettner äußerte "volles Verständnis". Sie kritisierte, die Charité werde von der Politik allein gelassen. "Unser Träger hat sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert", sagte sie der "Ärzte Zeitung".

Der Vorstand von Deutschlands größter Uniklinik hat wiederholt Verständnis für die Forderungen der Streikenden geäußert, sieht sich jedoch finanziell durch das Spardiktat des Berliner Senats unter Druck.

Mit Blick auf die Finanzierung der Charité hat sich nun Bundesbildungsministerin Annette Schavan eingeschaltet. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erklärte sie, die Charité könne sich in alleiniger Berliner Trägerschaft "auf die Dauer nicht gut weiterentwickeln".

Schavan regte an, die Charité Berlin als Bundesuniversität weiter zu fördern. Diesem Vorschlag steht der Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) "ausgesprochen aufgeschlossen gegenüber". Berlin dürfe sich eine solche Chance nicht entgehen lassen, so Zöllner.

Berlin müsse dann aber auch die Bereitschaft aufbringen, bestehende Strukturen zu verändern und gleichzeitig das bisherige hohe Engagement für Wissenschaft und Forschung fortzusetzen, erläuterte Zöllner.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Charité: Großes Verständnis für streikende Mitarbeiter

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »