Ärzte Zeitung, 20.05.2011

Zu teure Chefärzte? Uniklinik weist Vorwürfe zurück

Zwischen Landesrechnungshof und Uniklinik Schleswig-Holstein tobt ein Streit über die Wirtschaftlichkeit des Hauses.

Zu teure Chefärzte? Uniklinik weist Vorwürfe zurück

Institut der Uniklinik Schleswig-Holstein in Kiel: Milchmädchenrechnung bei den Chefarzt-Gehältern?

© werner otto / imago

KIEL (di). "Unzutreffend, unsachlich und tendenziös einseitig formuliert": Selten hat sich das Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit solcher Schärfe gegen Vorwürfe gewehrt. Doch Vorstandschef Professor Jens Scholz ist sauer, spricht von "Milchmädchenrechnungen" und wirft dem Landesrechnungshof (LRH) vor, sein Haus "sturmreif" schießen zu wollen.

Der Rechnungshof hatte kritisiert, das UKSH leiste sich einen der teuersten Vorstände Deutschlands. Die Überschreitung des Personalbudgets am UKSH um mehr als 27 Millionen Euro führt der LRH auf zu hohe Vergütungsvereinbarungen mit Vorständen, Chef- und Oberärzten zurück.

Allein durch Chefarztverträge sei im Jahr 2009 ein Defizit von 12,6 Millionen Euro entstanden. "Die Gehälter des ärztlichen Dienstes waren nicht durch entsprechende Einnahmen gedeckt", kritisiert der LRH. Auch leitende Verwaltungsmitarbeiter seien mit Jahresverdiensten von durchschnittlich mehr als 100.000 Euro im Jahr zu hoch bezahlt - vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung seien großzügige Vergütungen aber nicht zu verantworten.

Das UKSH hält dagegen: Die Überschreitung des Personalbudgets resultiert nach seiner Darstellung aus dem höheren Patientenaufkommen, das auch Mehrleistungen beim Personal erforderlich gemacht habe.

Gleichzeitig beweise ein Vergleich mit Vorstandsbezügen in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm: "Die Vergütungen der beiden Vorstände des UKSH liegen unter den Maximalwerten dieser wesentlich kleineren Klinika."

Die Chefarztgehälter hält das UKSH für gerechtfertigt, weil es damit gelungen sei, "hervorragende Chefärzte zu gewinnen und die Zukunft des UKSH über Jahre medizinisch sicher zu gestalten."

Scholz hält die Bemerkungen des LRH für geeignet, den Unternehmenswert des UKSH zu drücken. Damit spielten sie den "Interessenten am Ausverkauf der schleswig-holsteinischen Maximalversorgung in die Hände".

Beim UKSH vermutet man, dass ein ungeordnetes Prüfungsverfahren und Vorveröffentlichungen nicht zufällig zeitlich mit existenziellen Entscheidungen für das UKSH - ein Markterkundungsverfahren und Tarifverhandlungen stehen an - erfolgten.

"Es drängt sich der Verdacht einer politischen Motivation auf", teilte das UKSH mit. Nach Ansicht des Uniklinikums entfacht der Rechnungshof mit seinen Bemerkungen über zu hohe Gehälter leitender Angestellter eine "Neiddebatte, die auf eine innere Zersetzung zielt".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »