Ärzte Zeitung, 26.01.2012

Praxischef muss Überstunden Riegel vorschieben - oder blechen

Scheidet eine Kraft aus der Praxis aus, so muss ihr der Chef Überstunden auszahlen. Jedenfalls dann, wenn er diese stumm geduldet hat und nicht eingeschritten ist.

Praxischef muss Überstunden Riegel vorschieben - oder blechen

Macht ein Mitarbeiter Überstunden und der Chef duldet dies - muss er sie auch auszahlen.

© Oliver Berg / dpa

BERLIN (mwo). Ärzte, die ihren Mitarbeitern beim Überstunden-Machen quasi zuschauen, müssen diese Mehrarbeit dann auch bezahlen. Gleiches gilt in Kliniken, Medizinischen Versorgungszentren oder auch großen Praxen, wenn dort ein Vorgesetzter von Überstunden weiß und sie duldet.

Das geht aus einem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin-Brandenburg in Berlin hervor.

Konkret sprach das LAG einer Angestellten einen Gehaltsnachschlag von 4370 Euro für 372 Überstunden zu. Sie war für 15 Monate im Bereich der Wohnungswirtschaft tätig.

Urteil: Chef hat Überstunden geduldet

Zu Beginn des Arbeitsverhältnisses hatte ihr Vorgesetzter sie angewiesen, Beginn und Ende ihrer täglichen Arbeitszeit sowie Pausen in einer Computerdatei einzutragen. Das tat die Arbeitnehmerin dann auch. Die Firma freilich wollte die so dokumentierten Überstunden nicht bezahlen.

Das muss sie aber, urteilte jetzt das LAG. Denn der Vorgesetzte habe die Überstunden geduldet. Er habe gewusst und hingenommen, dass die Angestellte weit über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus im Betrieb war. Dies müsse sich das Unternehmen als Arbeitgeber zurechnen lassen.

Als Konsequenz müsse es die Überstunden auch bezahlen. Die Behauptung des Arbeitgebers, die Frau habe langsam gearbeitet und viel privat telefoniert, tue nachträglich nichts mehr zur Sache.

Laut LAG gilt das Urteil jedenfalls für "schlichte Büroarbeit" und andere normale Tätigkeiten. Eine Ausnahme gelte nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vom 17. August 2011, Az.: 5 AZR 406/10) lediglich für leitende Angestellte und andere "Dienste höherer Art".

Az.: 6 Sa 1941/11

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

Kein Frühstück = höheres Diabetes-Risiko

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko für Diabetes. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Gutachter schlagen neuen Pflege-TÜV vor

Weg mit den umstrittenen Pflegenoten, ist das Ziel eines neuen Pflege-TÜVs. Im Mittelpunkt soll nicht mehr die Dokumentation stehen, sondern die Ergebnisqualität stehen. mehr »