Ärzte Zeitung, 07.06.2012

Niedergelassene und Klinik - ein erfolgreiches MVZ-Modell

Rundum zufrieden sind die niedergelassenen Ärzte, die seit fünf Jahren gemeinsam mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster ein MVZ betreiben.

Von Dirk Schnack

MVZ: Niedergelassene und Klinik in einem Boot

MVZ unter Klinikbeteiligung ist ein Erfolgsmodell. Davon sind die niedergelassenen Ärzte (v.l.) Dr. Ellen Kothe, Dr. Frank Supke und Dr. Gerhard Schubert und der angestellte Arzt Klaus Westermann überzeugt.

© Dirk Schnack

NEUMÜNSTER. Niedergelassene Ärzte und die örtliche Klinik betreiben in Neumünster gemeinsam ein MVZ. Nach fünf Jahren Zusammenarbeit ziehen die Ärzte ein positives Fazit.

"Die Kollegen dachten, wir wären ins andere Lager gewechselt. Aber wir sind völlig unabhängig und haben immer an andere Fachkollegen überwiesen", sagt der ärztliche Leiter des MVZ, Dr. Gerhard Schubert.

Er und seine niedergelassenen Kollegen Dr. Frank Supke und Dr. Ellen Kothe halten je 25 Prozent der Gesellschafteranteile des MVZ.

Das letzte Viertel hält das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) aus Neumünster über seine Belegklinik Dr. Lehmann, aus dessen Gewinnanteilen der vierte Arzt im Haus, Klaus Westermann, sein Gehalt bezieht.

Operationszahl um ein Fünftel gestiegen

Mit diesem Modell sind die Ärzte heute rundum zufrieden. Nicht nur, weil sich die Skepsis der anderen niedergelassenen Kollegen im Ort gelegt hat, sondern auch weil der Patientenzuspruch ihnen Recht gibt.

Die Operationszahlen der vier Chirurgen sind mit rund 2200 für ambulante belegärztliche und stationäre Eingriffe im Jahr höher denn je.

Auch die Zahl der ambulant behandelten Patienten (14.000 im Jahr inklusive Privatpatienten) sowie die rund 2400 Durchgangspatienten zeigen den zunehmenden Zuspruch.

Zum Vergleich: Seit Umwandlung des Hauses in ein MVZ hat die Scheinzahl um rund 1000 zugenommen, die Operationszahl ist um 20 Prozent gestiegen.

Schubert führt die Entwicklung im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" auch auf die inzwischen erfolgte Spezialisierung der vier Ärzte im Haus zurück.

Neben dem Proktologen Schubert arbeitet mit Westermann ein Fußchirurg, mit Supke ein Spezialist für Bauchdeckenhernien im Haus. Kothe hat sich auf die arthroskopische Chirurgie spezialisiert.

Die Klinik hatte schon vor über zwei Jahren eine positive Zwischenbilanz gezogen. "Auch eine 100-prozentige Beteiligung wäre für uns nicht erfolgreicher", hatte FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen damals gesagt, obwohl die niedergelassenen Ärzte mit 75 Prozent der Anteile die Entscheidungen treffen.

Es wird intensiv kommuniziert

Entstanden war das MVZ im Zuge einer Nachfolgeregelung für einen ausscheidenden Kollegen. Damals kamen die Praxisinhaber und das örtliche Krankenhaus ins Gespräch, um die ambulante Versorgung vor Ort zu erhalten.

Für die niedergelassenen Ärzte im MVZ ergeben sich aus der Kooperation mit dem Krankenhaus Kostenvorteile durch den gemeinsamen Einkauf mit dem Krankenhaus. Noch ein Vorteil ist für Schubert die intensive Kommunikation mit den Ärzten des FEK.

Mit den Kollegen aus der Traumatologie /orthopädischen Chirurgie sowie der Viszeralchirurgie findet regelmäßiger Austausch statt. Problemfälle werden gemeinsam besprochen, strukturierte Behandlungspfade gemeinsam entwickelt.

"So läuft der Übergang von Patienten zwischen ambulanter Behandlung und Klinik und vor allem auch die Nachbehandlung nach komplexen Eingriffen reibungslos und geregelt", sagt Schubert.

Nach seiner Einschätzung hat sich die Kommunikation zwischen den Hausärzten, dem chirurgischen MVZ und dem Krankenhaus deutlich gebessert: "Das MVZ wirkt quasi als eine Art Bindeglied."

Nachwuchs-Ärzte lernen große Bandbreite an Behandlungen kennen

Weitere positive Effekte der Zusammenarbeit von Klinik und Niedergelassenen: Das MVZ kann längere Zeit ambulant behandeln als ein großes Akutkrankenhaus. So werden stationäre Aufenthalte vermieden oder verkürzt. Eine fachlich abgestimmte Weiterbehandlung ist auch nach schwersten Erkrankungen sichergestellt.

Und: Die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner konnte breiter aufgestellt werde. Assistenten, die im Rahmen ihrer Weiterbildung im MVZ tätig sind, lernen eine große Bandbreite an ambulanten chirurgischen Behandlungen kennen.

Einziger Nachteil der MVZ-Kooperation sind aus Sicht der niedergelassenen Ärzte die heute längeren Entscheidungswege. Schubert: "Früher konnten wir mehr Dinge auf dem kurzen Dienstweg unter uns klären."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt darauf an, wo das Fett sitzt

Adipositas macht krank – diese Aussage ist Tübinger Diabetes-Forschern zu einfach. Ihren Studien zufolge könnten bestimmte Parameter genauere Hinweise auf das Erkrankungsrisiko liefern. mehr »

Mobiles Impfprojekt für Schüler am Start

Bundesgesundheitsministerium und Charité nehmen gravierende Impflücken von Berliner Schülern ins Visier: Ärzteteams sollen im Präventionsbus auf Schulhöfen der Hauptstadt fürs Impfen trommeln. mehr »

NHS-Patienten - ab in die Op-Warteschlange

Versprechen – gebrochen: Die Zahl der Patienten in Großbritannien, die auf eine Operation warten, steigt. Die Regierung hatte angekündigt, die Fristen zu verkürzen – es fehlt an Personal. mehr »