Ärzte Zeitung, 16.10.2012

Kliniken fordern

Mehr Ausnahmen im DRG

Die Tücken des Fallpauschalensystems werden immer sichtbarer, klagen Kliniken. Das zeige auch die EHEC-Epidemie. Jetzt nimmt die Deutsche Krankenhausgesellschaft die Politiker in die Pflicht - und fordert Sondervergütungen.

Mit Ausnahmeregelungen DRG-Schwachstellen schließen

Alfred ­Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

© DKG

BERLIN (ami). Eine Sonderfinanzierung für nicht vorgesehene Patientenbehandlungen wie im Fall von EHEC und für sogenannte Extremkostenfälle haben Krankenhausvertreter beim Herbstforum des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) gefordert.

Kliniken sollten diese Fälle übers Jahr hinweg sammeln und ihre Vergütung nachträglich mit den Krankenkassen vereinbaren. Finden die Verhandlungspartner keine Lösung, soll eine Schiedsstelle entscheiden.

Das hat der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Alfred Dänzer vorgeschlagen. Die Vergütung der sogenannten Extremkostenfälle sei im DRG-System nicht befriedigend lösbar, so Dänzer.

Daher sei eine Ausnahmelösung nötig. "Es muss in dem System möglich sein, Dinge abzubilden, die nicht prospektiv kalkulierbar sind", forderte Dänzer. Er sieht nun die Politik am Zug.

326 Extremkostenfälle allein an der MHH

Als Extremkostenfälle gelten in der Hochschulmedizin Patienten, die Behandlungskosten über 20.000 Euro auslösen, von denen weniger als die Hälfte durch die Fallpauschalen des DRG-Systems gedeckt sind. Oft handelt es sich um Patienten mit Mehrfacherkrankungen, Komplikationen oder seltenen Krankheiten.

Allein die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) zählte für das Jahr 2011 nach Angaben ihres Medizinischen Vorstands Professor Andreas Tecklenburg 326 Extremkostenfälle.

Die Behandlung dieser Patienten kostete im Durchschnitt über 25.000 Euro mehr, als über DRGs abgerechnet wurde.

Nach Tecklenburgs Hochrechnung fehlt den Kliniken dadurch bundesweit pro Jahr rund eine halbe Milliarde Euro. Betroffen seien nicht nur Universitätskliniken, sondern auch andere Maximalversorger.

"Ein gesellschaftliches Problem wird zu einem betriebswirtschaftlichen Problem gemacht", kritisierte Tecklenburg.

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