Ärzte Zeitung, 30.03.2015

Rhön-Gründer

Traum von der perfekten medizinischen Welt

Modernste Technik, mobile Patienten, zentrierte Strukturen, das ist Eugen Münchs Vision.

KÖLN. Durch die Kombination von drei Faktoren könnten im Gesundheitswesen Ressourcen bedeutenden Ausmaßes freigesetzt werden: die Nutzung hochmoderner Diagnosetechniken ganz am Anfang der Behandlung, die Mobilität der Patienten und zentrierte Strukturen.

Davon geht der Gründer und heutige Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön Klinikum AG Eugen Münch aus. Eine solche Ausrichtung würde es erlauben, mit denselben Mitteln 20 bis 25 Prozent mehr Patienten qualifiziert zu versorgen, sagte Münch auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2015" in Köln.

Am Konzernstandort in Bad Neustadt bereite Rhön ein entsprechendes Projekt vor, berichtete er. "In einem Zentrum ziehen wir Diagnoseleistungen auf höchstem Niveau zusammen." Gemeinsam mit einer großen Ambulanz soll das Zentrum eine Region mit 100 000 Einwohnern versorgen.

Die möglichst genaue Diagnose könne die Zahl der teuren Fehlbelegungen im Klinikum deutlich senken. Münch hofft zudem, dass die Generierung vieler Daten über die Patienten die Erstellung genauer Risikoprofile erlaubt.

Der nächste Schritt sei die Ausstattung von Risikopatienten mit Überwachungsgeräten. "Wenn etwas passiert, sind wir dann da, bevor der Hausarzt überhaupt etwas gemerkt hätte", schilderte er seine Sicht der künftigen medizinischen Vision.

Voraussetzung sei natürlich eine hohe Datensicherheit. Das Zentrum soll im kommenden Jahr in Bau gehen. "Ich werde versuchen, eine ähnliche Struktur für Marburg zu installieren", kündigte Münch an. Das Uniklinikum Gießen/Marburg gehört zu Rhön.

Professor Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums Essen, sieht den von Münch propagierten Voll-Scan für alle Patienten deutlich skeptischer.

Er liefere vielleicht 15 Risikomerkmale, von denen ein oder zwei relevant seien. "Wie deduzieren wir eine vernünftige Medizin?" fragte Nagel. Außerdem bezweifelt er, dass Patienten Vertrauen in die medizinische Notwendigkeit eines solchen Vorgehens haben werden. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Warum bei Dicken das Hirn hungert

Das Gehirn von schlanken und fettleibigen Personen reagiert unterschiedlich auf Energiezufuhr, so eine Studie. Und: Es gibt dabei eine Parallele zwischen Übergewicht und Depression. mehr »

"Je härter der Knoten, desto höher die Krebs-Wahrscheinlichkeit"

Schilddrüsenknoten werden immer häufiger diagnostiziert. Warum das so ist, welche Untersuchungen zur Abklärung nötig sind und welche Methode immer bedeutender wird, erläutert der Endokrinologe Prof. Matthias Schott. mehr »

Wenn Leitlinien in die Irre führen

Zum Vorgehen bei Patienten mit Mikro- oder Makrohämaturie gibt es verschiedene Empfehlungen – das schafft Unsicherheit. Forscher haben festgestellt, dass Krebs oft unentdeckt bleibt, wenn Ärzte nationalen Leitlinien folgen. mehr »