Ärzte Zeitung, 25.04.2016

Kliniklandschaft

Patienten zunehmend verunsichert

Patienten sehen sich in der deutschen Kliniklandschaft weitgehend verloren, so eine Umfrage.

BERLIN. Viele Patienten in Deutschland sind verunsichert, wenn es um die Wahl des Krankenhauses für einen Eingriff geht. Das legt zumindest eine aktuelle, nach Unternehmensangaben repräsentative Online-Umfrage unter Tausend Bürgern im Auftrag der Beratungsfirma Prophet nahe.

Demnach stimmen 78 Prozent der Befragten der Aussage voll oder eher zu, wonach die Intransparenz und die fehlende Möglichkeit, die tatsächliche Behandlungsqualität selber beurteilen zu können, ihnen im Krankheitsfall Angst bereiten. Nur zwei Prozent stimmen dieser Aussage überhaupt nicht zu.

Daher stimmen 89 Prozent der Aussage voll oder eher zu, dass es richtig ist, dass Krankenhäuser künftig nach ihrer Qualität vergütet und entsprechende Qualitätsberichte veröffentlicht werden, die Patienten einsehen könnten.

Gefühl, auf der Strecke zu bleiben

Für 73 Prozent der Befragten geben sich Krankenhäuser zu funktional und auf das Medizinische konzentriert. Sie stimmen der Aussage voll oder eher zu, dass Krankenhäuser sie als Patienten mit ihrer funktionalen Ausrichtung eher einschüchtern. Als Mensch habe man das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben.

Der Aussage, dass es im Gesundheitswesen nicht mehr um das Wohl der Menschen, sondern nur noch um Kosten und das große Geld gehe, stimmen 85 Prozent der Umfrageteilnehmer voll oder eher zu.

Die Zukunft in der Kliniklandschaft sehen die Befragten in patientenindividuellen Serviceleistungen - einige private Krankenhausbetreiber bieten zum Beispiel schon Premium-Stationen für Selbstzahler an.

87 Prozent stimmten demnach der Aussage voll oder eher zu, dass die Gewinner innerhalb des Gesundheitswesens diejenigen Krankenhäuser sein werden, die Patienten wie einen Kunden behandeln und ihr Angebot an dessen Bedürfnissen orientieren. Die Frage, wer eine optimierte Qualität der Versorgung in Kliniken bezahlen soll, wurde nicht gestellt.

"Wir sehen seit Jahren eine Entmenschlichung des Systems. Die emotionalen Bedürfnisse der Patienten spielen kaum mehr eine Rolle," so der Berliner Prophet-Partner Felix Stöckle die Ergebnisse der Umfrage.

Umso wichtiger sei es, den Patienten wieder in die Mitte des Systems zu stellen und sämtliches Handeln an seinen Bedürfnissen zu orientieren. (maw)

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