Ärzte Zeitung online, 22.12.2016
 

940.000 Neugeborene gescreent

Sachsen zieht positive Bilanz

Bei 700 Neugeborenen haben Mitarbeiter des Screeningzentrums Sachsen in den vergangenen 25 Jahren angeborene Erkrankungen rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt.

LEIPZIG/DRESDEN. Das Screeningzentrum Sachsen blickt auf 25 erfolgreiche Jahre zurück: Seit der Gründung 1991 wurden nach eigenen Angaben mehr als 940.000 Neugeborene untersucht, bei 700 davon konnten dank des Screenings angeborene Erkrankungen rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden, wie es heißt.

Im Neugeborenen-Screening wird innerhalb der ersten vier Lebenstage dem Säugling eine kleine Blutprobe aus der Ferse entnommen. Meist geschieht dies in der zweiten Vorsorgeuntersuchung. Das entnommene Blut wird in den Laboratorien der Universitätsklinika Leipzig und Dresden, die gemeinsam das Screeningzentrum Sachsen bilden, innerhalb von 24 Stunden untersucht.

"Wir können auf dieser Grundlage dank moderner Analyseverfahren inzwischen 15 angeborene Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen erkennen", erklärt Professor Uta Ceglarek, Klinische Chemikerin und Leiterin des Screeninglabors am Institut für Laboratoriumsmedizin des UKL.

Unbehandelt können die Erkrankungen, die gravierende Störungen im Stoffwechsel und damit aller Körperfunktionen verursachen, schon kurz nach der Geburt zu schweren körperlichen und geistigen Schäden bis hin zum Tod führen.

"Angeborene Krankheiten können zwar nicht geheilt werden", erklärt Professor Wieland Kiess, Direktor der UKL-Kinderklinik und Partner im Screeningzentrum Sachsen, "aber bei rechtzeitiger Behandlung können wir die Symptome soweit lindern, dass sich die Kinder ganz normal entwickeln können".

Dafür sei es wichtig, dass bei einem positiven Screeningbefund sehr schnell eine individuelle Behandlung der betroffenen Kinder in speziellen Zentren erfolgt. "Deshalb liegen zwischen dem Befund und dem Behandlungsbeginn oft nur wenige Stunden", so Kiess.

Damit dies so klappt, müssen wichtige Voraussetzungen erfüllt werden: Ärzte, Hebammen und Schwestern in den Entbindungsstationen, Laborärzte, Wissenschaftler, Kinderärzte und Ernährungsberater müssten Hand in Hand zusammenarbeiten.

"Wir sind sehr stolz, dass uns das in Sachsen seit 25 Jahren so gut gelingt und wir dank einem einfachen Vorsorgeprogramms vielen Betroffenen und ihren Familien Leid ersparen können", zeigt sich Ceglarek begeistert.

Seit September dieses Jahres ist das Screening um eine Untersuchung auf Mukoviszidose erweitert worden. Weitere Ergänzungen sind bereits geplant, derzeit ist auch ein Screening auf Immundefekte in der Diskussion. (maw)

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