Ärzte Zeitung online, 08.09.2017
 

Schweiz

Bundesrat schraubt am Ärztetarif

BERN. Der Bundesrat hat Änderungen zum ambulanten Ärztetarif Tarmed verabschiedet, die zum Jahreswechsel greifen – die erste Anpassung erfolgte 2014. "Dieser subsidiäre Eingriff ist nötig, weil sich die Tarifpartner bis heute nicht auf eine Gesamtrevision einigen konnten und es ab dem 1. Januar 2018 keine von allen Tarifpartnern gemeinsam vereinbarte Tarifstruktur mehr gibt", so das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinem Bulletin.

Übertarifierte Leistungen würden jetzt korrigiert, Fehlanreize reduziert und Transparenz erhöht. Die Anpassungen führen laut BAG nicht zum Leistungsabbau, dafür aber zu jährlichen Einsparungen von rund 470 Millionen Franken.

Laut H+, dem Schweizer Krankenhausverband, werden rund 40 Prozent der ambulanten Leistungen in Spitälern der Zentrums- und Grundversorgung sowie in spezialisierten Kliniken erbracht. H+-Direktor Bernhard Wegmüller warnt davor, dass sich das Defizit im ambulanten Bereich der Krankenhäuser mit dem Tarifeingriff des Bundes von derzeit rund 600 Millionen Schweizer Franken pro Jahr auf rund 900 Millionen erhöhen werde.

H+-Präsidentin Isabelle Moret reagiert mit harschen Worten auf die Tarmed-Korrektur. "Der Tarifeingriff des Bundes raubt den Tarifpartnern jegliches Interesse, partnerschaftliche Lösungen für einen neuen ambulanten Tarif zu finden", so Moret.

Besser sei es aus Sicht des Klinikverbandes, von der stationären Tarifstruktur und der professionellen Organisation SwissDRG zu lernen. Dort klappe die Tarifpartnerschaft seit Einführung des Fallpauschalensystems 2012 gut, wie Moret unterstreicht.

"Unbestritten ist, dass die gesamte Tarifstruktur nicht mehr zeitgemäß ist und revidiert werden muss", ist sich das BAG im Bulletin des weiteren Handlungsbedarfs bewusst. (maw)

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