Ärzte Zeitung, 21.06.2016

Intensivspflege

Entlastung durch Datenbrillen?

Forscher untersuchen, wie Augmented Reality informell und professionell Pflegende verzahnen kann.

NEU-ISENBURG. Wie kann Augmented-Reality Fachkräfte und Angehörige bei der häuslichen Intensivpflege unterstützen? Dieser Frage geht ein am 1. Mai gestartetes und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt als Teil des Förderschwerpunktes "Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender" nach. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Die Hamburger Fern-Hochschule (HFH) verantwortet im Verbundprojekt nach eigenen Angaben ein Teilvorhaben, das die Nutzungsperspektiven des Datenaustauschs mit marktfähigen Datenbrillen erforscht. "Wir untersuchen, wie Augmented-Reality-Brillen die Zusammenarbeit von professionell und informell Pflegenden in der ambulanten Intensivpflege von heimbeatmeten Patienten verbessern können", so Heinrich Recken vom HFH-Studienzentrum Essen.

Die Datenbrillen sollten mittels Software zu "Pflegebrillen" programmiert werden, die sich den jeweiligen Kompetenzen der Beteiligten anpassen und so zu einer intuitiv nutzbaren Kommunikationsschnittstelle für die Pflegenden werden. "Die Idee ist, in der Wohnung des Pflegebedürftigen eine Datenbrille zu platzieren, die von allen Pflegenden genutzt wird und diese mit individuellen Informationen versorgt, um die Pflegetätigkeit zu erleichtern und zu verbessern", erklärt Recken.

So sollten Angehörige und Freunde der Pflegebedürftigen mithilfe der Pflegebrille Informationen und Anleitungen zur adäquaten Pflege abrufen und teilen können. Dadurch könnten sie etwa nachvollziehen, welche Personen sich bereits um den Patienten gekümmert haben, welche Tätigkeiten sie bereits durchgeführt haben und welche noch zu erledigen sind.

Die Datenbrille ermögliche es zudem, Pflegepläne einzusehen, Zusatzinformationen per Text, Video oder Ton einzuholen oder einen direkten Kontakt zu Pflegeexperten und Ärzten herzustellen, um Maßnahmen abzustimmen und sich bei Bedarf direkt von erfahrenem Personal anleiten zu lassen.

Pflegekräfte wiederum könnten sich über die Brille in Echtzeit alle notwendigen Informationen über den Patienten, sein Krankheitsbild, seine Lebensumgebung, den Standort wichtiger Arzneien oder die Kontakte zu Angehörigen anzeigen lassen. "Dadurch gewinnen professionell Pflegende vor allem Zeit. Sie können schneller eine Beziehung zu den Patienten aufbauen, sich effektiver mit anderen Pflegenden abstimmen und anschließend die erledigten Tätigkeiten protokollieren", so Recken. (maw)

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