Ärzte Zeitung, 01.12.2016

Künstliche Intelligenz

Dürfen Maschinen ethische Entscheidungen treffen?

Prominente Politiker und Social-Media-Experten haben für die EU eine Digitalcharta erarbeitet. Was dürfen Maschinen, was nur Menschen?

HAMBURG/BRÜSSEL. Big Data, Mensch-Maschine-Kollaboration, Internet der Dinge (IoT)– alle drei Schlagworte subsumieren sich unter dem Dach der Industrie 4.0.

Das IoT ist in zehn Jahren da, gaben sich zur diesjährigen Hannover Messe 72 Prozent der Mitgliedsunternehmen des VDE Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, die der Technologieverband befragte, überzeugt. 59 Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt, dass IoT die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes stärkt.

Kritiker sehen im Zuge der teilweise grenzenlosen Euphorie für Industrie 4.0 die digitalen Grundrechte für die Menschen – in der Medizin 4.0 Patienten und in der Pflege 4.0 Pflegebedürftige – gefährdet.

Am Donnerstag haben nun unter Federführung der ZEIT-Stiftung prominente Politiker wie den scheidenden EU-Parlamentsvorsitzenden Martin Schulz, Social-Media-Experte Sascha Lobo und eine Reihe von Professoren als Diskussionsgrundlage für das EU-Parlament eine "Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union" veröffentlicht.

Dabei gehen sie mit Blick auf die der Industrie 4.0 fundamentale Mensch-Maschine-Kollaboration explizit auf Zukunftsszenarien der Pflege 4.0 und der Medizin 4.0 ein. Denn in beiden Sektoren wird derzeit fieberhaft an Roboterlösungen zur Entlastung von OP- und Pflegepersonal gearbeitet.

Ethische Entscheidungen durch Menschen

In Artikel 8 "Künstliche Intelligenz" fordern sie, dass ethisch-normative Entscheidungen nur von Menschen getroffen werden können. "Der Einsatz und die Entwicklung von künstlicher Intelligenz in grundrechtsrelevanten Bereichen muss gesellschaftlich begleitet und vom Gesetzgeber reguliert werden", lautet eine weitere Forderung.

In Deutschland werden die teils autonomen Robotiksysteme zwar bisher vorwiegend in Forschungskontexten eingesetzt. Unter der Leitung von Professor Hartmut Remmers von der Uni Osnabrück soll nun in Zusammenarbeit mit der Hochschule Vallendar in einem Gutachten beurteilt werden, wie ein Einsatz in der Pflege zu beurteilen ist.

Das Gutachten ist Teil des Projekts Mensch-Maschine-Entgrenzung mit einem Fokus auf Robotik in der Pflege und Rehabilitation. Initiiert hat das Projekt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.

Eine Umfrage im Auftrag des Bundesforschungsministeriums hatte ergeben, dass 80 Prozent der Deutschen die Forschung an Service-Robotern für den Einsatz in Haushalt, Pflege und Gesundheit für wichtig oder sogar sehr wichtig halten.

Ministerin Johanna Wanka warnte indes bei der Mensch-Roboter-Kollaboration vor der Dominanz der Maschine. (maw)

Die Digitalcharta im Web: http://digitalcharta.eu/

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »