Ärzte Zeitung online, 01.02.2017
 

Managed Care

"Finanzielle Anreize allein reichen nicht"

Wie lässt sich die ambulante Versorgung verbessern? Geld allein reicht als Anreiz nicht aus. Das hat eine Veranstaltung beim BMC-Kongress in Berlin ergeben.

BERLIN. "Ein Teil der Misere im Gesundheitswesen liegt darin, dass wir zu viel über Geld reden." Diese These stellte Dr. Helmut Hildebrandt, Vorstandsvorsitzender der Managementgesellschaft Optimedis, beim Kongress 2017 des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Berlin auf. "Wer vorher über Geld redet, handelt egoistischer als derjenige, der das nicht tut", so Hildebrandt weiter unter Berufung auf den israelisch-amerikanischen Psychologen Daniel Kahneman.

Die ständige Beschäftigung mit Regressen auf Heilmittelverordnungen und vor allem früher auch auf Arzneiverordnungen, die Budgetierung über Regelleistungsvolumina, und Honorarverteilungsverträge und die Beschäftigung mit dem Honorar für neue Leistungen nehme viel zu viel Energie der Ärzte in Anspruch, statt Energien für eine bessere Versorgung einzusetzen, sagte Hildebrandt. Optimedis betreut unter anderem das Ärztenetz Gesundes Kinzigtal, das 2018 ein eigenes, stark vereinfachtes Honorarsystem einführen wird (wir berichteten).

Statt Geld offene Fehlerkultur

Die These zog sich durch die gesamte Veranstaltung über innovative Vergütungsmodelle beim BMC-Kongress. So blies Dr. Veit Wambach, Allgemeinarzt und Netzvorstand vom Nürnberger Netz QuE, ins selbe Horn: "Finanzielle Anreize allein reichen nicht für nachhaltige Veränderungen im Verhalten von Ärzten", postulierte Wambach, der auch Vorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze ist.

Das genossenschaftlich organisierte Netz QuE setze daher auf eine offene Fehlerkultur, auf effizientes Wissensmanagement und vor allem auf eine vertrauensvolle Kommunikation der Netzärzte untereinander – mit gemeinsam erarbeiteten Zielen, deren Erreichungsgrad dann einmal jährlich im persönlichen Gespräch mit dem Arzt besprochen wird. QuE schneidet zum Beispiel bei Qualitätskennzahlen der AOK besser ab als der Durchschnitt und hat seit einigen Jahren einen Vollversorgungsvertrag mit mehreren Kassen.

Einen empirischen Beleg für die These, dass Geld als Anreiz allein nicht genügt, lieferte Tim Herbst von der nordBlick Augenklinik Bellevue in Kiel mit einer Studie. Dort hatten operierende Augenärzte von nordBlick zunächst ein Benchmark-System mit Qualitätsindikatoren eingeführt. Als Jahre später über einen IV-Vertrag die Ergebnisse mit einer Zusatzvergütung verknüpft wurden, ergab sich keine weitere Verbesserung der Qualität. Die Verbesserungseffekte waren offenbar bereits mit der Einführung des Systems eingefahren worden. (ger)

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