Ärzte Zeitung online, 19.05.2017
 

Online-Sprechstunde

Start-up setzt auf flexiblen Videokontakt

Ein gängiges Smartphone – mehr benötigen Ärzte und Patienten nicht, um den Videodienst des Start-ups Minxli zu nutzen. Dabei können Ärzte ihren Bericht einfach via App diktieren.

BERLIN. Seit die EBM-Ziffern für die Videosprechstunde stehen, ist der Patientenkontakt via Video-Verbindung ein heiß diskutiertes Thema. Denn die Auflagen, die KBV und GKV-Spitzenverband an die Technik stellen, sind nicht ohne (wir berichteten). Unter anderem müssen Arzt und Patient eindeutig identifizierbar sein. Dennoch ist sich Jennifer Kelly, Gründerin und Geschäftsführerin des Videosprechstunden-Dienstes Minxl,i sicher, dass ihr Dienst die Anforderungen erfüllt.

Das System, dass sie auf der Gesundheits-IT-Messe conhIT in Berlin präsentierte, ist für Ärzte tatsächlich flexibel einsetzbar. Alles, was die Mediziner und ihre Patienten benötigen, ist ein Smartphone mit dem Betriebssystem Android oder mit Apples OS X. Empfohlen wird von Minxli zwar eine WLAN-Verbindung, die Video-Applikation läuft aber auch übers mobile Internet. Der Arzt gibt auf Minxli innerhalb des Terminkalenders Zeitfenster für die Videosprechstunde ein. Der Patient kann dann Termine buchen und füllt vorab eine Patienteninformation mit allgemeinen Daten – also Geburtsdatum, Geschlecht sowie medizinische Informationen zu Allergien und aktueller Medikation – aus, ähnlich dem Anamnesebogen in der Praxis. Damit kann der Patient eindeutig zugeordnet werden. Anrufen kann jedoch nur der Arzt. Dadurch, so Kelly, solle die Privatsphäre des Arztes geschützt werden. Außerdem zählt auch dies zu den Auflagen von KBV und Kassen.

Spannend ist, dass der Arzt während des Videokontaktes zwischen reiner Chatfunktion und tatsächlichem Videotelefonat wechseln kann. Sowohl Patient als auch Arzt können Fotos und andere Dokumente via App austauschen. Mit der Smartphone-App kann der Patient dabei etwa Wundbilder direkt erfassen. Den Bericht zum Termin tippt der Arzt übers Smartphone ein oder er nutzt die Diktierfunktion. "Wir arbeiten gerade daran, unser System direkt mit Arztsoftware-Systemen zu verbinden", sagte Kelly. Bislang können die Arztberichte nur via PDF abgespeichert und dann etwa über Mail in die Praxis-EDV übertragen werden. Finanziert wird der Videodienst nur vom Arzt, dieser zahlt laut Kelly 1,99 Euro pro Patientenkontakt.

Da die Ärzte auch ihr Profil im System hochladen und so für neue Patienten sichtbar sein können, arbeitet Minxli eng mit den Ärztekammern zusammen. Es werde für jeden Arzt geprüft, ob er auch tatsächlich eine gültige Approbation habe.

Die Daten, versicherte sie, werden verschlüsselt nach geltendem Sicherheitsstandard übertragen. Dabei stehen die Übermittlungsserver in Deutschland. Derzeit wird der Dienst vor allem von Ärzten genutzt, die Privatpatienten aus dem Ausland betreuen oder aber von Kliniken, die im Medizintourismus aktiv sind. Die Patienten stammten etwa aus Russland, Brasilien oder Saudi Arabien.

Außerdem ermöglicht der Dienst Ärzten den Austausch mit Fachkollegen über einen gesonderten Expertenchat.

Weil es bislang kaum Daten zur Effektivität von Videosprechstunden gibt, will das Start-up gemeinsam mit der Uniklinik Heidelberg eine Studie aufsetzen. Geplant ist, den Videokontakt bei der Betreuung von Krebspatienten zu evaluieren.(reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »

Weltärztebund und Papst im Dialog zur Palliativmedizin

Seltene Kooperation: Weltärztebund und Papst sprechen sich für ein Sterben in Würde aus, aber gegen Euthanasie und assistiertem Selbstmord. mehr »