Ärzte Zeitung, 05.09.2016

Formular-Aufwand: Erziehen Sie Patienten zur Mitarbeit

Die Delegation von geeigneten Aufgaben an Mitarbeiter stärkt die Teamorientierung in Arztpraxen. Dabei wird eines oft übersehen: Auch der Patient kann Teil des Teams werden und seinen Teil zum Prozess beitragen – zum Beispiel bei Formularen.

Von Peter Schlüter

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© Gina Sanders / fotolia.com

HEMSBACH. Kuranträge, Reha-Anträge, Formulare zur Heimaufnahme, Anträge auf Schwerbehinderung, all das wandert auf dem Schreibtisch des Arztes. Formulare, die auszufüllen sind, werden von den Patienten in die Praxis gebracht mit der Bitte um Erledigung. Hinzu kommen noch die unzähligen Anfrageformulare der Krankenkassen - bürokratischer Aufwand, bei dem zu überlegen ist, wie er sich reduzieren lässt. Da kommt schnell die Idee, diese Aufgaben zu delegieren. Doch was kann vom Arzt delegiert werden, und an wen?

Bei der Überlegung zur Delegation verschiedener Aufgaben in der Arztpraxis stellen sich viele Fragen. Welche Aufgaben sind überhaupt delegierbar, welche dürfen rechtlich gesehen delegiert werden? An welche Personen sind Leistungen und Aufgaben delegierbar? Bei dieser Frage tritt das Thema "Persönliche Leistungserbringung" in den Vordergrund.

Antworten auf diese Fragen finden sich nicht nur im SGB V, oder der Musterberufsordnung der Ärzte sowie in Stellungnahmen von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK). Antworten finden sich auch in allgemeinen organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Grundsätzen. So gilt beispielsweise, dass alle Aufgaben, die ein Anderer besser oder zumindest gleichwertig erledigen kann, auf diesen übertragen werden können sollte.

Betriebswirtschaftliche Grundsätze

Bei der Erbringung ärztlicher Leistungen gilt in erster Linie die Verpflichtung der persönlichen Leistungserbringung. Werden ärztliche Leistungen auf einen anderen Arzt übertragen, ergeben sich nur geringe Probleme. Der delegierende Arzt kann darauf vertrauen, dass der andere Arzt die Leistungen mit der erforderlichen Qualität und Sorgfalt erbringt. Eine Delegation an einen Arzt, der nicht über eine zur Erbringung der Leistung erforderliche Abrechnungsgenehmigung oder fachliche Qualifikationsbescheinigung seiner Kassenärztlichen Vereinigung verfügt, ist dagegen - auch nach Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes - unzulässig.

Anders verhält es sich jedoch bei der Delegation von Leistungen an nichtärztliche Mitarbeiter. Höchstpersönliche ärztliche Leistungen sind in diesem Falle zwar nicht delegierbar. Blutabnahmen, Injektionen und Infusionen sowie die Einlagen von Blasenkathetern und so manche weitere Aufgabe mehr können jedoch von qualifizierten nichtärztlichen Mitarbeitern ausgeführt werden. Zu solchen Aufgaben gehört beispielsweise auch das Ausfüllen von Anträgen und anderen Formularen.

Dabei ist immer zu berücksichtigen, dass die grundlegende Überlegung zur Delegation von Aufgaben nicht ist, die Arbeit auf andere abzuwälzen. Die Überlegung muss vielmehr darauf zielen, die Aufgaben demjenigen zu übertragen, der in der Erledigung die höhere Kompetenz und Zuständigkeit zeigt.

Und hier kommt auch der Patient ins Spiel. Fasst man den Begriff Delegation weit, können Aufgaben natürlich auch an Patienten delegiert werden. Denken Sie nur an die vielen Formulare, Krankenkassenanfragen oder anderes, die der Patient in Ihrer Praxis abgibt - oft ohne Namen. Da fehlen die persönlichen Angaben des Patienten und vieles mehr.

Der Doktor wird‘s schon richten

Es ist ja so einfach, alles in der Praxis abzugeben. Der Doktor wird's dann schon richten. Solche Unterlagen, in denen die Teile, die vom Patienten zu erledigen sind (einschließlich der Angabe seines Namens) und von diesem nicht ausgefüllt wurden, werden ganz freundlich postwendend zurückgegeben - eben an den Patienten delegiert. Das ist nicht Aufgabe des Arztes und auch nicht die Aufgabe seiner Mitarbeiterinnen. Und wer beim Delegieren nicht zu fordernd vorgeht, spart am Ende nicht nur Arbeit, er bindet auch den Patienten in den Prozess mit ein und gibt ihm ein Stück mehr Verantwortung.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

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