Ärzte Zeitung, 12.11.2011

Chefs fordern von Bewerbern emotionale Intelligenz

Der Intelligenzquotient spielt als Qualifikationsmerkmal bei der Personalsuche zwar eine Rolle. Immer wichtiger wird aber die soziale Kompetenz von Bewerbern.

Von Matthias Wallenfels

FRANKFURT/MAIN. Der reine Intelligenzbolzen, der seine Aufgaben wie die Axt im Walde umsetzt, hat in vielen Betrieben ausgedient. Bei Einstellungen schauen Chefs immer mehr auf die emotionale Intelligenz von Bewerbern.

Das hat eine aktuelle Umfrage der Online-Stellenbörse careerbuilder.de ergeben, für die 547 Führungskräfte in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Schweden befragt wurden.

83 Prozent der Arbeitgeber hätten geantwortet, ihnen sei die emotionale Intelligenz (EI) eines Arbeitnehmers wichtiger als dessen Intelligenzquotient (IQ).

Gefühle wahrnehmen und verstehen

Mit 55 Prozent gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, einem Bewerber mit einem hohen IQ keine Chance zu geben, wenn er zugleich über einen niedrigen EI-Level verfüge.

Unter dem Begriff emotionale Intelligenz subsumieren sich die Fähigkeiten eines Menschen, Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen, auf die Gefühle anderer zu reagieren und Beziehungen zu gestalten.

Das alles sind Qualifikationsmerkmale, wie sie für Mitarbeiter in Arztpraxen wie auch in Kliniken unverzichtbar sind.

Gefragt, warum die emotionale Intelligenz wichtiger als ein hoher IQ bei der Auswahl von Mitarbeitern sei, erläuterten die Chefs (Antworten nach Wichtigkeit):

  • Angestellte mit einer hohen EI könnten Konflikte effektiv lösen.
  • Sie wüssten, was sie tun müssten, um gut bei Kunden anzukommen.
  • Sie reagierten empathisch auf ihre Teammitglieder und verhielten sich entsprechend.
  • Sie könnten andere motivieren.
  • Sie blieben mit höherer Wahrscheinlichkeit ruhig unter Druck.
[12.11.2011, 19:46:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
EI, SC und IQ für Alle!!!
Bevor hier in Deutschland soziale Kompetenz (SC) bzw. emotionale Intelligenz (EI) von Bewerberinnen und Bewerbern nebst einer hohen IQ-Ausstattung gefordert werden, müssten erst die überwiegend männlichen Chefs dazulernen. Denn die sind häufig in ihrer sozialen und emotionalen Kompetenz eher ignorant bis schwer geschädigt.

In meiner Praxis müssen immer mehr Patienten behandelt werden, die z. T. in den Chefetagen derart rücksichtslos, unachtsam, mies und diskriminierend behandelt wurden, dass den Bossen nicht mal Selbsterfahrungs- und Survivaltraining am Kapruner Kitzsteinhorn oder in der grünen Amazonashölle helfen würden.

Als Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt im TV zu seiner Haltung gegenüber gesetzlichen Mindestlöhnen, die jetzt selbst die CDU/CSU als "eigenes Überlebenstraining" fordert, gefragt wurde, entgleisten seine Gesichtszüge. Auf die schlichte, keinesfalls seinen IQ überfordernde Frage, ob es denn nicht essentiell und fair sei, dass Menschen von der Entlohnung ihrer Arbeit auch l e b e n und existenziell abgesichert sein müssten, o h n e z. B. ergänzend Sozialhilfe beanspruchen zu müssen, konnte er sich nur in sozial und emotional inkompetente Ausflüchte versteigen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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